Tennet informierte in Niederthalhausen über neue Führung der 380-kV-Leitung

Bewegung beim Bau der Stromtrasse in Ludwigsau

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Blick auf die bestehende Stromleitung bei Oberthalhausen: Die neuen Pläne wurden gründlich studiert.

Niederthalhausen. Und der Riese bewegt sich doch. Zumindest zwischen den Gemarkungsgrenzen Mühlbach/Oberthalhausen und Niederthalhausen/Gerterode will der Stromnetzbetreiber Tennet die neugeplante 380-kV-Nord-Süd-Leitung Wahle-Mecklar in Teilabschnitten verschwenken sowie südöstlich von Hof Emmrichsrode auf der von Hof und bebauten Ortslagen weiter entfernten neuen Trasse mit der zu verlegenden 380-kV-West-Ost-Leitung Borken-Mecklar vereinigen. Das Projekt im Schnellcheck:

Warum nun doch? 

Die neue Trassenführung wurde vom zuständigen Bundesamt für die Fritzlarer Heeresflieger aus Sicherheitsgründen gefordert und vom Kasseler Regierungspräsidenten (RP) im laufenden Planfeststellungsverfahren als Genehmigungsvoraussetzung festgelegt. Inzwischen ist das Vorhaben planerisch so weit gediehen, dass es am Dienstagabend in Niederthalhausen von den Projektleitern von Tennet vorgestellt wurde.

Wie soll es funktionieren?

Entgegen der bisherigen Planung wird die Nord-Süd-Leitung nicht mehr in der Nähe der Gemarkungsgrenze Mühlbach-Oberthalhausen über die West-Ost-Leitung hinweg, sondern nördlich von ihr parallel in Richtung Hof Emmrichsrode geführt. Südöstlich des im Außenbereich gelegenen Hofs werden beide Zwei-Stromkreise-Leitungen auf ein Vier-System-Gestänge genommen, das weitgehend an den Masten hängt, die schon bisher für die neue Leitung vorgesehen waren. In den Ein- und Ausschleifungsbereichen sind zusätzliche Zwischenmaste erforderlich. Außerdem müssen zwei Masten der alten Leitung ersetzt werden. Gegenüber der bisherigen Planung erhöhen sich die Masten im Bereich der Mitnahme im Durchschnitt um 7,5 Meter. Der größte Mast wird 85,5 Meter hoch. Der Schutzstreifen wird insgesamt zehn Meter breiter. Nach Inbetriebnahme der neuen, bis vor Gerterode reichenden Vier-Stromkreise-Trasse wird die alte West-Ost-Leitung auf einer Strecke von 5,5 Kilometern bis auf 1,40 Meter unter Geländeoberkante zurückgebaut.

Warum nicht gleich so?

Laut Tennet war „eine Berücksichtigung der Maßnahme aufgrund der fehlenden Anrechenbarkeit der Kosten (der Verlegung der West-Ost-Leitung) bisher nicht möglich“. Weil jedoch eingewendet wurde, dass zwei 380-kV-Leitungen eine nicht hinzunehmende Beeinträchtigung des Flugverkehrs in der Hubschrauber-Flugzone darstellen und der RP eine Umplanung verlangte, hat sich die Situation geändert.

Wie waren die Reaktionen?

Bis auf vor allem von Stephan Braun und Karl Bornkessel von der „Initiative Hainrode-Ersrode (IHE)“ eher grundsätzlich sowie wegen der Vogelflug-Problematik und wegen der Nicht-Prüfung einer Erdverkabelungsvariante speziell geäußerter Leitungskritik nahmen die Anwesenden die Neuplanung relativ gelassen auf. Hof-Trunsbach-Landwirt Helmut Wehnes meinte: „Jetzt ist es so, dass es machbar ist. Damit könnte ich leben.“

Wie geht es weiter?

Die überarbeiteten, parzellenscharfen Pläne, in die alle Anwesenden schon am Dienstagabend Einsicht nehmen konnten, werden neu ausgelegt. Anfang 2017 wird sich Tennet an Eigentümer und Bewirtschafter wenden mit dem Ziel, Zutritts-, Nutzungs- und Entschädigungsvereinbarungen abzuschließen, damit es nach rechtskräftigem Planfeststellungsbeschluss alsbald „losgehen“ kann. Auch mit der Kommune, mit der laut Bürgermeister Thomas Baumann noch gar nichts geregelt ist, muss noch verhandelt werden. Die Leitung soll dennoch Anfang 2021 fertig sein.

Wo hakt es noch?

Eigentlich sollte die neue Trasse durch Wald um ein bei Gerterode ausgewiesenes Wasserschutzgebiet herumgeführt werden. Weil Hessenforst das aber nicht hinnehmen will, muss die Gemeindevertretung am Montag darüber entscheiden, ob Tennet im Bereich des Wasserschutzgebietes untersuchen darf, ob dieses durch die Errichtung von Masten beeinträchtigt würde. Im Zweifel würden die Untergrundbohrungen wohl vom RP erwirkt. Je nach Ergebnis wird Tennet (Bethge: „Wir haben keine Tendenz in eine bestimmte Richtung!“) weiterplanen.

Warum nicht eine Trasse?

Technisch könnten die beiden Stromleitungen auf einer Trasse bis zum Umspannwerk geführt werden. Eine derartige, von Heinrich Fink ins Gespräch gebrachte, Variante wird jedoch nicht geprüft, weil sie vom RP nicht vorgegeben wurde und weil sie für Tennet aus Kostengründen nicht in Betracht kommt.

Von Wilfried Apel

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