Ex-Partner beschuldigen sich gegenseitig

Verletzte nach Beziehungsstreit: Gerichtsverfahren gegen 61-Jährige eingestellt

Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße
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Das Amtsgericht in Bad Hersfeld.

Was genau am 30. August 2019 gegen 19 Uhr im Haus eines Ronshäusers passiert ist, ließ sich im Saal 153 des Amtsgerichts Bad Hersfeld nicht zweifelsfrei aufklären.

Bad Hersfeld/Ronshausen – Das Verfahren vor Strafrichterin Silvia Reidt gegen eine bislang unbescholtene 61-Jährige, die sich wegen Körperverletzung verantworten musste, wurde letztlich eingestellt.

Die Frau, die immer wieder in Tränen ausbrach und wortreich von ihrer offenbar wenig harmonischen Beziehung mit dem mutmaßlichen Opfer berichtete, sollte laut Anklageschrift ihrem damaligen Lebensgefährten nach einem Streit um Geld ins Gesicht geschlagen, ihn mit einer Teppichleiste geschlagen, ihm in die Genitalien getreten und ihn angespuckt haben. Den Tritt und zwei Schläge mit der Leiste räumte die Angeklagte auch ein, allerdings habe ihr Ex sie nach dem Genuss von Alkohol zunächst massiv beschimpft und beleidigt, sie mit einem Messer und dem Tode bedroht, sie gewürgt, ihr ein Kissen aufs Gesicht gedrückt und sie aufgefordert, abzuhauen. Das habe sie auch tun wollen, aber erst am nächsten Tag. „Ich habe mich nur zur Wehr gesetzt und tue niemandem etwas zuleide“, beteuerte sie mehrfach.

Sie sei es auch gewesen, die die Polizei alarmiert habe, nachdem sie zuvor schon eine Freundin angerufen habe, die jedoch eine weite Anfahrt gehabt hätte und auf sich warten ließ.

Gänzlich anders schilderte der eher wortkarge Ronshäuser das Geschehen, der an jenem Abend mit der Renovierung seines Arbeitszimmers beschäftigt gewesen sei, weshalb er auch besagte scharfkantige Teppichleiste in der Hand gehabt habe. „Ich habe mich getraut zu sagen, dass sie auch mal was bezahlen kann“, erklärte er den Grund für die Auseinandersetzung. Daraufhin sei sie ausgerastet, habe ihm die Schiene entrissen und ihn damit „bearbeitet“. Erst dann habe er sie aufs Bett geschubst und ein Kissen auf sie geworfen. Getrunken habe er lediglich ein bis zwei Bier.

Viel zur Klärung beitragen konnte auch ein als Zeuge geladener Polizist nicht, der sich aus dem Kopf nur an viele Blutspritzer erinnerte. Allerdings seien die bereits verbundenen Verletzungen eher oberflächlich gewesen. Dokumentiert waren weder die konkreten Verletzungen noch eine Alkoholisierung, auch an eine Aufzeichnung des Notrufs war nun nicht mehr heranzukommen. Laut Aktenvermerk habe der Mann das Würgen zugegeben, nicht aber den Einsatz des Kissens oder Drohungen.

Auf die ebenfalls als Zeugin geladene Freundin der Angeklagten wurde verzichtet und das Verfahren eingestellt. „Es ist sicher zu Tätlichkeiten gekommen“, sagte Richterin Reidt auch mit Blick auf vorhandene Fotos. Sie äußerte allerdings ebenso wie Oberamtsanwältin Birgit Steinmüller Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mannes, der zudem weder eine Nachbehandlung seiner Verletzungen veranlasst noch Folgeschäden genannt habe.

Lieber als eine Einstellung wäre der auf der Anklagebank sitzenden Frau zwar ein Freispruch gewesen, nach Rücksprache mit ihrer Verteidigerin und weil ihr trotzdem jegliche Kosten erlassen wurden, stimmte sie dann aber doch zu. (Nadine Maaz)

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