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Bilanzen der Weihnachtsmärkte in Rotenburg und Bad Hersfeld

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Von: Kim Hornickel, Carolin Eberth

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JGS-Bläserklasse begeisterte die Marktbesucher in Rotenburg: 16 junge Bläser der Klasse 5 spielten am 15. Dezember vor der Jakobikirche und sorgten für Weihnachtsstimmung.
JGS-Bläserklasse begeisterte die Marktbesucher in Rotenburg: 16 junge Bläser der Klasse 5 spielten am 15. Dezember vor der Jakobikirche und sorgten für Weihnachtsstimmung. © wilfried apel

Der Rotenburger Weihnachtsmarkt hat diesen Winter erstmals unter der Federführung der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg stattgefunden. Die MER, hundertprozentige Tochter der Stadt Rotenburg, sprang ein für den Weihnachtsmarktverein, in dem sich die Marktbeschicker seit 2003 selbst organisiert hatten. Die meisten bekannten Standbetreiber waren jedoch wieder dabei.

Rotenburg/Bad Hersfeld – „Die Bilanz des Weihnachtsmarktes ist gut für die wenige Planungszeit von nur sechs Wochen, die wir zur Vorbereitung hatten“, sagt Torben Schäfer, MER-Geschäftsführer. Man habe zwar gemerkt, dass die Leute diesen Winter ein bisschen verhaltener waren, das würde aber wohl an der gesamten Situation mit Energiekrise und Inflation liegen.

„Die Umsätze waren okay. Schön war, dass viele Studenten den Markt donnerstags angenommen haben. Auch die Bastelaktion der Jakob-Grimm-Schule wurde stark nachgefragt“, so Schäfer. Das Märchenkino sei hingegen nicht so gut besucht gewesen. „Die Planungen für den Weihnachtsmarkt 2023 gehen jetzt los. Wir haben bereits viele Ideen und freuen uns.“

Bislang hatte die Veranstaltung auf dem Marktplatz stets drei Wochen ohne Unterbrechung stattgefunden. Diesmal war der Weihnachtsmarkt dreimal von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Das kritisiert besonders Martin Kohl, der Vorsitzende des ehemaligen Weihnachtsmarktvereins.

„Das hat zu schlechten Besucherzahlen geführt und dazu, dass die Betreiber der Buden viele Lebensmittel wegwerfen mussten, die sich von Sonntag bis Donnerstag nicht hielten. Der Umsatz fehlt dementsprechend auch“, sagt Kohl. „Das war der schlechteste Markt seit 40 Jahren. Ich gehe davon aus, dass 75 Prozent der Besucher gefehlt haben. Überall im Kreis und über die Grenze hinaus waren die Märkte gut besucht, nur in Rotenburg nicht.“

Für den Verein war die Organisation wegen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr leistbar. Die Planungsunsicherheit bezüglich möglicher Corona-Auflagen, gestiegene Kosten – und vor allem die Gema nannte der Verein im Oktober 2022 als Gründe.

Bis 2019 waren laut Kohl rund 1100 Euro Gema-Gebühren die Regel. Dann stiegen die Forderungen auf das Zehnfache, auch nach anwaltlicher Unterstützung blieb es immer noch bei 6000 Euro (wir berichteten).

Umso enttäuschender sei es für ihn gewesen, dass auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt der MER gema-freie Weihnachtsmusik gespielt wurde. „Sowas hätten wir uns vom Weihnachtsmarktverein niemals getraut.“

Loben könne er den MER-Weihnachtsmarkt in der Fuldastadt also in keiner Weise. „Wir hoffen nun auf Besserung für die nächste Weihnachtsmarktsaison. Es kann ja eigentlich nur besser werden“, so Martin Kohl, der auch selbst Buden betreibt.

In Bad Hersfeld ist für den Weihnachtsmarkt schon länger das Stadtmarketing verantwortlich. „Der Märchenwald kam schon während des Weihnachtsmarktes gut an“, sagt Markus Heide vom Stadtmarketing Bad Hersfeld. „Und die Resonanz zum Weg über die Stadtmauer war überragend.“

Mit Attraktionen rund um den Weihnachts- und Wintermarkt, vom beleuchteten Orca Oskar in den Nordschulteichen, Hirsch Harry vor dem Katharinenturm, über den Märchenwald-Rundgang bis zu den Krippenfiguren in der Stiftsruine – das Stadtmarketing Bad Hersfeld stampfte einiges aus dem Boden, um den Bad Hersfelder Weihnachtsmarkt noch lebendiger zu machen.

Doch trotz allen Aufwands, nicht jeder war mit der Planung der Märkte so ganz glücklich. Die Zweiteilung des Weihnachtsmarktes mit einem kleinen Teil auf dem Linggplatz und dem Großteil des Weihnachtsmarktes rund um die Ruine spaltete die Gemüter. Einige Markt-Beschicker, Besucher und auch die Ladenbetreiber der Innenstadt kritisierten den längeren Weg für eine Bratwurst in der Mittagspause.

Außerdem sei es durch die Zweiteilung zu Verwirrung bei vielen Gästen von außerhalb gekommen, berichtete auch Beschicker Volker Bodem, der mit seinem Glühweinstand und dem Kinderkarussell auf dem L’Haÿ-les-Roses-Platz vor dem Bürgerbüro stand. „Die Leute waren enttäuscht, als sie mit den Bussen ankamen. Viele meinten, der kleine Teil auf dem Linggplatz sei schon alles.“

Markus Heide und Lena Lochhaas vom Stadtmarketing kennen die Kritikpunkte und wollen weiter am Konzept des Winter- und Weihnachtsmarktes feilen. „Den Weihnachtsmarkt so abzuhalten – das war ein Versuch“, sagt Markus Heide. Und er verspricht: „Wir werden unsere Schlüsse ziehen.“

Und einer davon lautet: „Uns geht es nicht nur um Konsum, uns geht es auch um Kunsthandwerk und möglichst viele Besucher nach Bad Hersfeld zu holen“, sagt Heide und gibt damit schon einmal einen Ausblick auf den kommenden Weihnachtsmarkt. Heide und Lochhaas wollen außerdem den Einzelhandel und den Weihnachtsmarkt wieder näher zusammenbringen. „Wir wollen die Nachfrage wieder nach vorne in die Stadt bringen und haben den Weihnachtshandel dabei im Auge.“

Den Winter- und Weihnachtsmarkt in Bad Hersfeld besuchten diese Saison rund 100 000 Menschen.
Den Winter- und Weihnachtsmarkt in Bad Hersfeld besuchten diese Saison rund 100 000 Menschen. © kim hornickel

Das wünscht sich auch Matthias Laufer-Klitsch, zweiter Vorsitzender des Stadtmarketingvereins. Er spricht für die Einzelhändler in Bad Hersfeld und stellt klar: „Weihnachtsmärkte sind ein Mittel, um die Innenstadt zu beleben.“ Dass das Stadtmarketing dieses Jahr wieder einen großen Weihnachtsmarkt mit Rahmenprogramm auf die Beine gestellt hatte, lobt der Juwelier ausdrücklich. „Aber wir sehen den Markt auch im Fluss, der sich immer weiterentwickeln wird“. Laufer-Klitsch wünscht sich, dass sich Stadtmarketing, Marketingverein und Beschicker an einen Tisch setzen und Strategien für zukünftige Märkte austüfteln. „Solange die Erinnerung noch frisch ist,“ sagt er.

Einen Vorschlag, wie es im kommenden Winter weitergehen könnte, hat Laufer-Klitsch bereits und den teilt auch Beschicker Volker Bodem. „Auf dem Linggplatz könnte der Hauptweihnachtsmarkt beginnen und dann leiten Buden hier und da am Katharinenturm vorbei in den Stiftsbezirk. Dort könnte an den Wochenenden dann das Rahmenprogramm, zum Beispiel in der Stiftsruine, stattfinden“, sagt Laufer-Klitsch.

So könnte es wieder eine ganz neue Variante des Weihnachtsmarktes in Bad Hersfeld geben, die riesigen Leuchttiere werden den Bad Hersfeldern dabei aber erhalten bleiben. Schließlich sind sie Fotomotiv Nummer eins – ganz vorne dabei: Orca Oskar.

Mit dem Saisonabschluss des Wintersmarktes, zieht Markus Heide aber eine positive Bilanz. Die Mitarbeiter des Fachbereichs Stadtmarketing schätzen die Besucherzahlen auf rund 100 000 für beide Märkte im Dezember. Foto: privat/sennewald/ daniel seeger /achim meyer

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