Hausdurchsuchung war heilsamer Schock

Marihuana-Plantage: 21-jähriger Rotenburger vor Gericht

Bad Hersfeld.  Vor dem Jugendschöffengericht musste sich jetzt ein 21-jähriger Rotenburger verantworten, bei dem die Polizei im November 2017 eine Marihuana-Plantage ausgehoben hatte.

Schule abgebrochen, Ausbildung abgebrochen, mit Freunden abhängen und dabei gerne Marihuana rauchen – zwischen 2015 und 2017 ließ sich ein anfangs 17-Jähriger aus Rotenburg mehr oder weniger planlos treiben.

Hatte er Marihuana übrig, verkaufte er es an seine Kumpels. Doch weil der Stoff auf die Dauer ganz schön teuer wurde, kam der junge Mann auf die Idee, es mit Eigenanbau zu versuchen. Die Rahmenbedingungen waren günstig, schließlich hatte er seine eigenen Wohnung auf dem Grundstück der Eltern, wo er mehr oder weniger tun konnte, was er wollte.

Eine Anzeige der Eltern eines Kumpels brachte dann aber die Polizei auf seine Spur, die am 30. November 2017 seine Marihuana-Plantage aushob und den Stoff beschlagnahmte. „Ich hab mir nichts dabei gedacht. Es war eine Jugendsünde“, versuchte der heute 21-jährige Angeklagte seine Tat herunterzuspielen. Natürlich habe er gewusst, dass der Anbau illegal sei, „aber die Neugierde war einfach zu groß.“

Die Hausdurchsuchung durch die Polizei und der Verlust seines Führerscheins waren für den Heranwachsenden ein heilsamer Schock. Er beschloss, reinen Tisch zu machen und gestand alles, auch jede Menge Taten, von denen die Polizei bisher nichts gewusst hatte. Wegen insgesamt 39 Taten musste er sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Michaela Kilian-Bock verantworten.

Inzwischen hat der Angeklagte dem Rauschgift völlig abgeschworen und kann das auch durch entsprechende Untersuchungen des TÜV Thüringen nachweisen. Dazu hat er freiwillig einen Vertrag abgeschlossen und sich zu unangekündigten Untersuchungen verpflichtet. Den Kontakt zu den kiffenden Kumpels hat er abgebrochen und inzwischen eine Ausbildung in der Autobranche begonnen, die er auch beenden will.

Die positive Entwicklung des jungen Mannes beeindruckte sowohl Staatsanwältin Natalia Fuchs und Jugendgerichtshelferin Anna Peter als auch das Gericht. Schwierig war nur die Frage, wie er denn zu bestrafen sei. Denn das Jugendstrafrecht sieht in erster Linie die pädagogische Wirkung von Strafe und da hat der Angeklagte bereits von sich aus getan, was getan werden musste. Eine Arbeitsauflage ist aber bei jemandem, der voll berufstätig ist und auch samstags arbeiten muss, schwierig umzusetzen.

Schließlich waren alle Beteiligten, auch Verteidiger Christian Kusche, einverstanden mit der Lösung, dem jungen Mann für ein halbes Jahr einen Betreuer, ähnlich einem Bewährungshelfer, an die Seite zu stellen und ihn als spürbare Konsequenz zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verpflichten.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. (zac) 

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