Ausstellung im Studienzentrum zeigt Beispiele

Bleiben oder gehen - der Staat verdiente

Da mein Sohn außerordentlich begabt ist, wie auch sein Lehrer bestätigt, bitte ich Sie, mir das Klavier des evakuierten Juden zu überlassen“. Mit dieser Bitte trat 1942 ein Offenbacher Bürger an sein Finanzamt heran. Zu dieser Zeit waren die Finanzämter mit der „Verwertung“ des Eigentums der Deportierten befasst, das seit der 1941 erlassenen 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz „dem Reich verfiel“. Überall kam es zu öffentlich angekündigten Auktionen aus jüdischem Besitz - Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten den Besitzer. Viele schrieben an die Finanzämter, um sich das begehrte Klavier oder die schönere Wohnung zu sichern.

Vorausgegangen waren ab 1933 zahlreiche Gesetze und Verordnungen, die auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Davon erzählt die Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945.“ Umgesetzt wurden die Gesetze von Beamten der Finanzbehörden in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen. In der Folge verdiente das „Deutsche Reich“ durch die Reichsfluchtsteuer an denen, die es in die Emigration trieb, wie an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Dokumente und Fotografien sowie einzelne Objekte erinnern an die Opfer der Ausplünderung, heißt es in einem Schreiben der Ausstellungsmacher.

Die Ausstellung, die durch das Fritz Bauer Institut und den Hessischen Rundfunk mit Unterstützung des Hessischen Wissenschaftsministeriums und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen erarbeitet wurde, wird auf Einladung des Studienzentrums der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hersfeld-Rotenburg ab 11. März 2010 im Studienzentrum zu sehen sein.

Sie soll mit einem neuen regionalen Schwerpunkt versehen werden, der sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Rotenburg, Bad Hersfeld, Bebra und Umgebung beschäftigen wird. Außerdem ist ein umfangreiches Begleitprogramm geplant.

An der Vorbereitung beteiligen sich auch die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, der Geschichtsverein Altkreis Rotenburg, der Stadtmarketingverein Rotenburg, das Verkehrs- und Kulturamt der Stadt Rotenburg, der Förderkreis ehemaliges Jüdisches Ritualbad und die Volkshochschule. (red)

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