Frauen auf Krawall gebürstet

Blutiger Streit in der Disco: Eine Woche Dauerarrest für 21-jährige Hersfelderin

Bad Hersfeld. Wenn nächtens in der Disco oder auf der Kirmes der Alkoholpegel steigt, dann beleidigt wird und schließlich die Fäuste und Gläser fliegen, dann sitzen sich in der darauf folgenden Gerichtsverhandlung auf der Täter- und Opferseite in aller Regel zwei junge Männer gegenüber.

Nicht so am Montag vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld: Angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung war eine 21 Jahre alte Hersfelderin, die einer 29-Jährigen aus Künzell in einem Fuldaer Musikschuppen eine stark blutende Platzwunde über der Augenbraue verpasst haben sollte – angeblich nach lautstarkem Streit („Schlampe!“, „Hure!“) durch den Wurf mit einem Glas. Den Vorwurf von Staatsanwalt Christoph Wirth räumte die Heranwachsende auch unumwunden ein.

Nur wie es zu der Auseinandersetzung vom 25. Oktober 2015 gegen 3.30 Uhr gekommen war, das ließ sich trotz umfangreicher Beweisaufnahme nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren. Denn sowohl die spätere Angeklagte wie auch die Geschädigte hatten gehörig Alkohol intus: 1,6 Promille die Hersfelderin, 1,2 die Ältere. Und beide waren in Sachen Gewalttaten keine unbeschriebenen Blätter, die Jüngere sogar einschlägig vorbestraft. Am Ende standen zwei Versionen im Raum: Nach der Schilderung der Geschädigten gab es im Vorgeplänkel so etwas wie Eifersüchteleien um männliche Begleiter, woraufhin die Hersfelderin ihre Widersacherin später im Vorübergehen vom Barhocker rammte. Es folgten gegenseitige Beleidigungen und der Wurf mit dem Glas. Eine Freundin der Angeklagten bezichtigte hingegen die 29-Jährige, den Streit begonnen und die Jüngere an den Haaren gezogen zu haben, wobei einige Strähnen der Extensions (Haarverlängerungen) ausgerissen wurden. Letzteres glaubte das Gericht mit seiner Vorsitzenden Michaela Kilian-Bock nicht. „Sie waren auf Krawall gebürstet“, hielt die Richterin der jungen Hersfelderin vor, erkannte gleichwohl, dass hier die beiden Richtigen aneinander geraten waren und in der Disco so eine Art Revierkampf ausgefochten haben. Die Vorbelastung der Angeklagten hatte allerdings Folgen. „Es musste diesmal mehr werden“, sagte Kilian-Bock in der Urteilsbegründung. Eine Woche Dauerarrest plus die verpflichtende Teilnahme an Gesprächen bei der Diakonie hatte das Gericht zuvor verhängt. Dazu gab es die eindringliche Warnung, dass bei einem dritten Verfahren strafschärfend schädliche Neigungen festzustellen wären.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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