Alheim: CDU und SPD kritisieren Bürgermeister scharf

Bolzplatz in Heinebach mit Sprengkraft

Das Bild zeigt eine Wiese mit einem Fußballtor
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Der Bolzplatz in Heinebach ist verwildert.

Die Kinder und Jugendlichen in Heinebach werden bereits im kommenden Jahr einen nutzbaren Bolzplatz haben.

Alheim - Die Kinder und Jugendlichen in Heinebach bekommen den Bolzplatz, der am Festplatz schon existiert, der aber derzeit verwildert ist. Die Debatte darüber, ob und wie eine Dauerlösung mit Bolzplatz und möglicherweise einem Multifunktionsfeld und darüber hinaus noch einer asphaltierten Fläche für weitere Freizeitmöglichkeiten aussieht, wurde in der Alheimer Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend aber enorm emotional geführt.

Die SPD-Fraktionsmitglieder Thorben Weichgrebe und Thomas Möller sowie der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Schönborn warfen Bürgermeister Jochen Schmidt (parteilos) vor, das Parlament schlecht informiert zu haben und Aufträge der Gemeindevertreter an das Rathaus nicht ausgeführt zu haben.

Der Bürgermeister hatte in einem Artikel der Montagsausgabe unserer Zeitung erklärt, dass seiner Einschätzung nach ein Beschluss für den Bolzplatz, wenn man in diesem Zuge auch Fördergeld genehmigt bekäme, später weiteres Fördergeld für das Multifunktionsfeld mit zusätzlicher Asphaltfläche verhindern würde – dieses Großprojekt mit einem derzeit geschätzten Volumen von 395 000 Euro kann sich die Gemeinde aber fraglos nur mit Fördergeld leisten.

„Herr Schmidt, dass sich die Fördermaßnahmen gegenseitig ausschließen, haben Sie im Ausschuss nicht erwähnt. Das entnehmen wir der Presse. Das geht so nicht“, sagte SPD-Mann Möller. Den ehrenamtlichen Lokalpolitikern müssten alle für ihre Entscheidungen notwendigen Infos vorliegen, was nun zum wiederholten Male nicht so gewesen sei. Mit den neuen Informationen habe nun natürlich auch die SPD bei ihrem eigenen Antrag noch einmal umgedacht. Schönborn (CDU) bekräftigte, er unterstütze ausdrücklich die Aussagen von Möller. Auch er betonte: „Das geht so nicht.“

Schmidt sagte zur Kritik an ihm, er habe schon in der Ausschusssitzung (Montag vergangener Woche) in einem Satz gesagt, dass das Problem mit dem Fördergeld bestehen könne. Dass er das tatsächlich gesagt hatte, zogen CDU und SPD in Zweifel – erinnern konnte sich daran jedenfalls niemand. Schmidt sagte weiter, die Informationen zu den Förderprogrammen hätten „bedauerlicherweise“ erst am Freitag vorgelegen. „Das war zu knapp“, räumte er ein. Er sagte außerdem, dass die Erkundigungen von ihm und seinen Verwaltungsmitarbeitern ergeben hätten, dass der Bolzplatz als nicht offizielle Sportstätte wohl ohnehin nicht förderfähig wäre.

Emotional wurde der SPD-Abgeordnete Thorben Weichgrebe, der bezüglich des Bolzplatzes den Stein ins Rollen gebracht hatte. Diese Idee wolle er nicht für sich reklamieren – sie sei aus der Bevölkerung an ihn herangetragen worden. „Ich muss an mich halten. Und ich hoffe, ich krieg’s hin“, sagte Weichgrebe, als er ans Rednerpult trat. Vom Bürgermeister seien bezüglich Bolzplatz, Multifunktionsplatz und Multifunktionsfeld viele Begrifflichkeiten durcheinandergebracht worden „und ich bin mir nicht sicher, ob das Absicht oder Zufall ist“. Er habe über Rücktritt nachgedacht, so Weichgrebe, der erst im März erstmals ins Parlament gewählt wurde.

Die SPD habe in ihrem Antrag bewusst von Anfang an offengehalten, wie genau der Bolzplatz aussehen würde und wie er finanziert würde. Weichgrebe erinnerte daran, dass das Parlament den Bürgermeister und seine Verwaltung auf SPD-Antrag hin bereits im Sommer damit beauftragt hatte, Fördermöglichkeiten für den Bolzplatz zu eruieren und den Umgang mit dem nahegelegenen Teich als Gefahrenquelle zu prüfen. Beides habe die Verwaltung nicht getan. Ebenso fehle bis heute eine genaue Kostenschätzung für Multifunktionsfeld oder -platz. Die Verwaltung habe dann obendrein einen Beschlussvorschlag erarbeitet, der den Bolzplatz anders als von der SPD vorgeschlagen vorsah – nämlich zum Beispiel ohne eine Einfassung durch Banden.

Bürgermeister Schmidt schwieg zu den Vorwürfen bezüglich seiner Versäumnisse, die Weichgrebe angeführt hatte.

Ortsbeirat hilft

Der Heinebacher Ortsbeirat hat sich bereit erklärt, die Instandsetzung des Bolzplatzes erst mal in Eigenleistung in die Hand zu nehmen. Somit ist für die Kinder und Jugendlichen eine vorübergehende Lösung sicher.

Die 22 000 Euro für den Bolzplatz bleiben trotzdem im Haushalt stehen, ohne Fördergeld, nur mit Eigenmitteln. Die Gemeinde könnte also im Zweifelsfall das Geld doch noch in die Hand nehmen. Die 395 000 Euro für das Multifunktionsfeld bleiben ebenfalls Teil des Zahlenwerkes. Laut Bürgermeister Jochen Schmidt ist über das Sportstätten-Förderprogramm eine Kostenübernahme von 90 Prozent zugesagt. Schon jetzt hat das Parlament per Beschluss festgelegt, dass der Eigenanteil der Gemeinde für das Multifunktionsfeld 40 000 Euro nicht übersteigen darf. Der Haushaltsposten bleibt trotzdem mit einem Sperrvermerk versehen – die Gemeindevertretung muss also noch einmal darüber abstimmen.

Bevor das aber passieren kann, haben die Abgeordneten auf SPD-Antrag einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung mit Bürgermeister Schmidt eine Kostenschätzung vorlegen, den Förderantrag vorbereiten und Informationen zur Absicherung des Teichs einholen muss. Schmidt soll in der nächsten Sitzung, voraussichtlich im Februar, über den Stand berichten.

Christopher Ziermann

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