Drittes Krisenjahr in Folge

Borkenkäfer frustriert Förster im Kreis Hersfeld-Rotenburg

+
Im Dauereinsatz: Holzerntemaschinen, wie hier bei Sterkelshausen, schaffen rund 500 Festmeter Holz pro Tag.

Die Förster im Landkreis Hersfeld-Rotenburg befürchten das dritte Krisenjahr in Folge. Grund ist der Fichten-Borkenkäfer.

Wegen der Stürme und trockenen Sommer in den vergangenen zwei Jahren und des dauerhaft fehlenden Regens sind die flach wurzelnden Nadelbäume geschwächt und somit leichte Beute für Borkenkäfer, die sich auch in diesem Jahr nahezu ungebremst vermehren.

Karlheinz Schlott, stellvertretender Leiter des Rotenburger Forstamts, geht davon aus, „dass wir durch die Kalamitäten bis zu 90 Prozent des ursprünglichen Fichten-Vorrats verlieren.“ Fehlen Fichten, bricht den Forstbetrieben eine wichtige Einnahmequelle weg. Auch im Forstamt Bad Hersfeld geht man nicht von einer Verbesserung der Situation aus – im Gegenteil: „Wir rechnen mit dem Schlimmsten“, sagt Kersten Eidam, Leiter der Bereiche Dienstleistung und Hoheit.

Da die verbliebenen Bäume schon wieder unter enormem Befall der nur millimetergroßen Käfer leiden, zeichne sich auch 2020 ein hoher Jahreseinschlag ab.

Allein im vergangenen Jahr wurden im Forstamt Rotenburg 325 000 Festmeter Fichte geschlagen. In diesem Jahr sind es bis jetzt schon 130 000. Zum Vergleich: Vor drei Jahren betrug der normale Jahreseinschlag bei der Fichte noch 40 000 Festmeter. Im Bereich des Bad Hersfelder Forstamts sieht es ähnlich aus. Seit 2018 ist eine halbe Million Festmeter gefällt worden. Normal wären 40 000 Festmeter pro Jahr. Erschwerend kommt hinzu, dass der Holzmarkt derzeit von Fichtenholz überschwemmt wird. Vielerorts stapeln sich im Wald deshalb große Mengen unverkauften Holzes. „Aufgrund des Überangebots, erwarten wir, dass der schnelle Verkauf und Abtransport aus dem Wald nicht einfacher wird“, sagt Martha Töppe, Referendarin im Bad Hersfelder Forstamt.

Derweil sorgen kreisweit Kolonnen von Holzerntemaschinen für ungewollten Nachschub. Die Harvester fällen von morgens bis abends befallene Bäume, um die Ausbreitung der Käfer, die ab einer Außentemperatur von 18 Grad ausschwärmen, einzudämmen.

Alles in allem sieht es für den einst so beliebten Nadelbaum schlecht aus. Karlheinz Schlott sagt: „Für die Fichte haben wir, wenn es nicht über einen längeren Zeitraum regnet, nur wenig Hoffnung.“ (ses)

Mehr lesen Sie am Dienstag in der gedruckten Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.