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Bosseröder bringen Flutopfern Spenden und schildern ihre Erlebnisse

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Von: René Dupont

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Spendenübergabe: Jetzt ist der Garten der Familie Bella wieder trocken. Das Foto zeigt von links Sabine Bella, Salvatore Bella, Philipp Becker (Kirmeskomitee), Marko Baum (Heimat- und Kulturverein), Armin Körzell (HuK), Niko Stark (KK), Stefan Wagner (HuK), Björn Schöße (KK), Armin Brill, Sofia Brill, Cilly Pichler, Norbert Pichler und Nina Brill.
Spendenübergabe: Der Garten der Familie Bella ist wieder trocken. Das Foto zeigt von links Sabine Bella, Salvatore Bella, Philipp Becker (Kirmeskomitee), Marko Baum (Heimat- und Kulturverein), Armin Körzell (HuK), Niko Stark (KK), Stefan Wagner (HuK), Björn Schöße (KK), Armin Brill, Sofia Brill, Cilly Pichler, Norbert Pichler und Nina Brill. © Familie Bella, Privat

Angesichts der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs ist die Flutkatastrophe im Ahrtal und in der Eifel aus den Schlagzeilen und den Köpfen der Menschen verdrängt worden.

Bosserode/Bad Münstereifel – Anders ist es zum Beispiel im Wildecker Ortsteil Bosserode. Dort bestehen enge Kontakte zu der Familie von Armin Brill, dem heute noch das Elternhaus in Bosserode gehört, der aber schon vor Jahrzehnten nach Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen gezogen ist. Immer wieder mal aber kehrt er zurück in seine Heimat.

Als gleich nach der Jahrhundertflut Mitte Juli 2021 zahllose freiwillige Helfer aus ganz Deutschland ins Flutgebiet reisten und viele Organisationen zu Spenden aufriefen, war für die Bosseröder sofort klar, dass auch sie sich beteiligen wollen.

Im Oktober 2021 konnte in Bosserode trotz der Corona-Pandemie die Kirmes gefeiert werden. Damals entschieden das Kirmeskomitee (KK) und der Heimat- und Kulturverein (HuK), einen Teil des Erlöses an Hochwasseropfer zu spenden, die besonders betroffen waren. Zu der traditionellen „Bussereer Kermes“ war auch Armin Brill in seine Heimat gekommen, berichtet der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Armin Körzell. „Er schilderte uns die dramatischen Ereignisse in seinem jetzigen Wohnort Arloff-Kirspenich, die Ortsteile der Stadt Bad Münstereifel sind. In seinem Bekanntenkreis gab es neben der enormen Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur auch Todesfälle zu beklagen“, berichtet Körzell. Brill selbst hatte Glück, weil seine Familie auf einer Anhöhe wohnt.

Am Fronleichnamstag reiste vor kurzem eine Abordnung des Vereins und des Kirmeskomitees nach Bad Münstereifel, um die Spende von insgesamt 2500 Euro zu übergeben – 2000 Euro aus dem Erlös der Kirmes und weitere 500 Euro vom Heimat- und Kulturverein.

Die Abordnung wurde herzlich empfangen. Vor Ort konnten sich die Bosseröder ein Bild machen. „Vieles bleibt dort noch zu tun. Aber es ist schon beeindruckend, wie viel Aufbauarbeit bereits geleistet wurde“, betont Körzell. Durch Zufall traf die Abordnung auch die Bürgermeisterin der Stadt Bad Münstereifel, Sabine Preiser-Marian. „Ich danke allen, die uns bei der enormen Aufgabe des Wiederaufbaus unterstützen“, gab sie den Bosserödern mit auf den Weg.

Die Familie Bella ist mittlerweile mit der Renovierung fertig. Bei Familie Pichler dauern die Arbeiten noch an. Bei beiden stand das Wasser im Untergeschoss auf einer Höhe von etwa 1,30 Metern. Die Untergeschosse mussten komplett saniert werden. In den nicht betroffenen Obergeschossen konnten die Familien während der Arbeiten weiter wohnen. Die Spende teilten sich die Familien Bella und Pichler, die nebeneinander wohnen. „Äußerlich findet man kaum noch Spuren der Katastrophe vom Sommer 2021 in den Häusern und Gärten der beiden Familien. Dieser Leistung gilt unser höchster Respekt“ sagt Körzell. Die Schilderung der Fluttage- und Nächte habe die Bosseröder aber tief betroffen gemacht.

So sah der Garten der Familie Bella in Bad Münstereifel nach der Flut aus. Das meiste Wasser war da schon wieder abgeflossen. Am Haus sieht man noch an dem Feuchtigkeitsstreifen, wie hoch die Flut im Untergeschoss stand – etwa 1,30 Meter hoch.
So sah der Garten der Familie Bella in Bad Münstereifel nach der Flut aus. Das meiste Wasser war da schon wieder abgeflossen. Am Haus sieht man noch an dem Feuchtigkeitsstreifen, wie hoch die Flut im Untergeschoss stand – etwa 1,30 Meter hoch. © Familie Bella, Privat
So sah die Straße vor den Häusern der Familien Bella und Pichler aus, die die Spende aus Bosserode bekommen haben. 50 Meter entfernt wurde eine 60-jährige Nachbarin von den Fluten mitgerissen und ertrank.
So sah die Straße vor den Häusern der Familien Bella und Pichler aus, die die Spende aus Bosserode bekommen haben. 50 Meter entfernt wurde eine 60-jährige Nachbarin von den Fluten mitgerissen und ertrank. © Familie Bella, Privat

„Bei uns im Garten wachsen jetzt allerdings Pflanzen, die wir nie gesät haben“. Auch das berichtete Sabine Bella der Abordnung und hat bei aller Tragik das Lachen nicht verlernt.
Die Bosseröder wollen auf jeden Fall im nächsten Jahr wiederkommen. Der nächste Austausch soll aber bei der Kirmes in Bosserode im Oktober stattfinden. Bad Münstereifel ist jedenfalls herzlich eingeladen.

(René Dupont)

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