Die Brüder Grimm waren auch in Waldhessen zu Gast - Auf der Friedrichshütte entstand ein Märchen

Die Friedrichshütte bei Iba: Wo zu Zeiten der Brüder Grimm eine Kupferschmelzanlage stand, steht seit 1920 ein Ausflugslokal, das die derzeitigen Pächter allerdings zum Jahresende aufgeben. Auch Jacob und Wilhelm Grimm waren dort zu Gast. Fotos: Schankweiler-Ziermann, nh

Die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm, deren Leben und Wirken in diesen Tagen in aller Munde ist durch die Eröffnung des Museums Grimmwelt in Kassel - sie hatten auch an Waldhessen enge Bindungen.

Darauf weist der Rotenburger Historiker Dr. Heinrich Nuhn hin.

Gern gesehene Gäste waren in den Jahren um 1830 die Grimms mit Familie in Nentershausen, Solz und Imshausen. Sie waren befreundet mit den dort lebenden Familien von Baumbach, von Trott und von Verschuer. Wilhelm Grimms Frau Dorothea, genannt Dortchen, war in jungen Jahren oft auf der Richelsdorfer Hütte und der Friedrichshütte (bei Iba) zu Gast gewesen, schreibt Otto Deiseroth in seiner Festschrift aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Heimat- und Verkehrsvereins Nentershausen (1981).

Der Grund lag auf der Hand: Ihre Schwester war mit dem Bergrat Fulda verheiratet, der die Friedrichshütte, damals eine Kupferschmelzanlage, betrieb. Dorothea hatte als 16-jährige Verlobte Wilhelm Grimms im Gartenhaus der Baumbachs zwei Märchen - „Der singende Knochen“ und „Der liebste Roland“ - aufgeschrieben, ein drittes - „Die klugen Leute“ - schrieb sie auf der Frriedrichshütte nieder.

„Die alte Hütte mit ihrer Umgebung gab Anregung zur Märchendichtung“, schrieb schon Hans Neumann im Jahr 1932 in seinem Vortrag, den er zum 200-jährigen Bestehen der Friedrichshütte hielt. Und weiter: „So ist die Friedrichshütte auch mitbeteiligt gewesen an der Märchengewinnung der Brüder Grimm und hat einen Platz in der Literaturgeschichte unserer Heimat gefunden.“

Jahrzehntelang reisten die Grimms von Kassel, Göttingen und Berlin, wo sie wirkten, auf Einladung von Verwandten und Freunden nach Waldhessen. In einer Einladung schrieb Caroline von Verschuer 1829 an Wilhelm Grimm: „Es wird Sie gewiß freuen zu hören, wie friedlich und still wir hier leben. (...) Das Dortchen kann Ihnen, da Sie oft in Nentershausen war, die schluchtige, waldige Felsgegend beschreiben, darin wir leben.“

Die Grimms kamen den Einladungen nach, und Wilhelm Grimms Zeilen in einem Brief aus dem Jahr 1840 zeugen davon, wie sehr es ihnen in der Region gefiel: „Es ist eine schöne, recht hessische Gegend, einsame stille Wiesengründe zwischen ernsten Wäldern; abends leuchten dazwischen aus den Schmelzöfen die blauen, roten und grünen Flammen des Kupfererzes.“

Von Rainer Henkel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.