Krise in Tunesien bremst Ausfuhr der Frühjahrs- und Sommerkollektion

Brühls Hosen stecken fest

Rotenburg. Der Volksaufstand in Tunesien bringt den Rotenburger Hosen-Hersteller Brühl in Bedrängnis. Seit dem Ausbruch der Unruhen, die in der überhasteten Flucht des Staatspräsidenten Ben Ali nach Frankreich mündeten, bekommt das Traditionsunternehmen seine Waren nicht mehr aus dem Land.

Die Kunden warteten händeringend auf die Lieferung der Frühjahrs- und Winterkollektion, sagt Geschäftsführer Matthias Remus auf Anfrage unserer Zeitung. Seit Freitag stecke die Ware im Hafen von Tunis fest. „Dort steht alles auf Halt“, sagt Remus. Die Pipeline sei voll.

Wie es weitergehe, kläre sich frühestens am Mittwoch. Auch für die Rotenburger Firma, die schon vor vier Jahrzehnten in dem nordafrikanischen Land Hosen nähen ließ, seien die Unruhen nicht vorhersehbar gewesen, erklärt Matthias Remus. Die Firmeninhaber seien ebenso wie die Mitarbeiter und der Staatspräsident selbst kalt von der Eskalation des Volkszorns überrascht worden.

Einzig beruhigende Tatsache ist für Remus, dass seine Mitarbeiter, die als Reisetechniker die sieben Produktionsbetriebe in Tunesien betreuen, schon vor Weihnachten zurück in die Heimat gereist sind.

In sieben tunesischen Partner-Betrieben lässt die Rotenburger Firma in Auftragsarbeit Hosen nähen. Vier Firmen produzieren unter Volllast. Drei weitere stehen als Reserve zur Verfügung, um Produktionsspitzen abzufangen. Eigene Produktionsstätten, wie seinerzeit in Hammamet, besitzt Brühl nicht mehr.

Nähereien ruhen

Die sieben Nähereien liegen über das gesamte Land verstreut. Nach dem Generalstreik vom Freitag sackte die Produktion auf 40 Prozent herunter. Einige Betriebe arbeiteten seit Samstag gar nicht mehr, andere nur noch eingeschränkt.

Geschäftsführer Matthias Remus ist froh darüber, dass seine Firma diesmal früher als sonst mit der Auslieferung der Frühjahrs- und Sommerkollektion begonnen hatte. Seit Dezember hat die Firma schon 40 Prozent der bestellten Hosen an die Kunden ausgeliefert. Erst vor zwei Jahren hatte die Rotenburger Firma ihre Produktion in Tunesien hochgefahren.

Nun will sich die Numero 4 auf dem Markt der deutschen Hosenhersteller zur Sicherheit wieder krisensichere Lohnbetriebe in Osteuropa suchen. Beispielsweise denkt Geschäftsführer Matthias Remus an Rumänien, Bulgarien und Tschechien.

Die Firma Hosen Brühl liefert ihre Produkte an den Versandhandel von Witt Weiden oder Peter Hahn oder Textil-Filialisten sowie den Fachhandel, unterhält aber auch einen eigenen Fabrikverkauf.

Von Kurt Hornickel

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