Probenort für die Festspiele im Kurparkt

Die Bühne der Stiftsruine in der Abfüllhalle nachempfunden

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Blick in die Tiefe der Ruine: Dietmar Wolf, Technischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele, hat in der ehemaligen Abfüllhalle eine Probenbühne geschaffen, die der Realität in der Stiftsruine nahekommt: Wolfs Standort bis zur hinteren Wand entspricht der Entfernung vom Bühnenrand bis zur Krypta.

Bad Hersfeld. Auf der Bühne der Stiftsruine ist es kuschlig warm und trocken. Es pfeift auch kein Wind zwischen den Säulen, und die Akustik ist angenehm gedämpft. Denn die Bühne als Nachbau befindet sich in der ehemaligen Abfüllhalle im Kurpark.

Das alles hat Dietmar Wolf bewirkt, der Technische Leiter der Bad Hersfelder Festspiele.

Der Zweckbau neben der Stadthalle hieß im vergangenen Jahr noch „Festspiel Factory“, als der Theaterbetrieb die Halle aus dem Dornröschenschlaf erweckte. Für Pressekonferenzen und Probenbetrieb wurde das Gebäude benutzt wie auch schon mal während der Intendanz von Elke Hesse, als Regisseur Torsten Fischer hier seine „Odyssee“ einstudierte. Zwischenzeitlich lagerte hier die „Oper in der Stiftsruine“ Kulissen, Kostüme und Requisiten.

Doch das alles war lediglich Provisorium. Von den Wänden hallte es, Lüftungsschächte hingen unter der Decke, hell gestrichene Betonstelzen verstellten den Blick. Und dann war da noch die Idee, hier als Teil des „Lullus-Sportparks“ eine Kletterwand einzubauen.

Das alles ist Vergangenheit. Die Halle befindet sich mittlerweile im Eigentum der Stadt, eine Nutzungsänderung ist in Arbeit.

Und dann gab es ja noch Dietmar Wolf, den erfindungsreichen Techniker, der viele Jahre lang an der Komischen Oper in Berlin gearbeitet hat.

Wolf hat die Halle in den vergangenen Wochen und Monaten „neu gedacht“. Ohne großen finanziellen Aufwand hat er sozusagen mit „Bordmitteln“ eine Probenbühne geschaffen, die den Dimensionen in der Stiftsruine nahe kommt.

Das ist ihm durch einen Kniff gelungen, auf den man erst einmal kommen muss. Denn steht man frontal vor der Bühne, lässt sich die Breite der Ruine ermessen und nachempfinden. Begibt man sich auf die Seite und schaut quer, dann hat ein Regisseur die Tiefe der Ruinenbühne vor sich. Und wenn es ganz genau sein muss, lassen die Säulen des großen Ruinen-Bogens ebenfalls nachempfinden: Sie hat Wolf als Gerüste auf Rollen nachgebaut.

Die Lüftungsschächte hat er entfernt, um Raumhöhe zu gewinnen. Schwarze Vorhänge dienen als Begrenzungen und Raumteiler, auch zur Verbesserung der Akustik. Und den unebenen Hallenboden hat Wolf mit ausgemusterten Dielen der Original-Bühne begradigt. Für die Beleuchtung sorgen ebenfalls ausrangierte Scheinwerfer.

Mussten die Festspiele bisher in Räumlichkeiten probieren, die entweder viel zu klein oder atmosphärisch völlig anders waren, so gibt es jetzt auf einmal einen Ort, der der Realität der Stiftsruine sehr, sehr nahe kommt.

„Festspiel Factory“ soll er allerdings nicht mehr heißen, dieser Begriff ist Wolf und Intendant Joern Hinkel zu kalt, zu klinisch. „Probenbühne im Kurpark“, diesen Namen kann sich der Technische Leiter gut vorstellen.

Aber vielleicht bleibt es hier ja gar nicht bei Proben: Als kleine Studiobühne wäre die Halle jetzt ebenfalls gut nutzbar.

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