Wahl in Alheim

Bürgermeisterkandidat Aribert Kirch im Porträt: „Ich bin der mit dem Säbel“

Aribert Kirch, Bürgermeisterkandidat aus Alheim, steht an einem seiner Lieblingsplätze, der Metzebacher Höhe. Wegen des schlechten Wetters sind der Alheimer und Obergude im Hintergrund kaum zu sehen.
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Alheimer vor dem Alheimer: Aribert Kirch zeigt einen seiner Lieblingsplätze, die Metzebacher Höhe. Wegen des schlechten Wetters sind der Alheimer und Obergude im Hintergrund leider kaum zu sehen.

In Alheim wird am 8. November ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt. Wir stellen die drei Kandidaten vor. Heute: Aribert Kirch.

Alheim – Der lange Tisch in Aribert Kirchs außergewöhnlich gestaltetem Ess-, Wohn- und Lebensraum ist schon von Menschen in durchaus ungewöhnlichen Runden genutzt worden. Einen solchen Tisch braucht ein Netzwerker. Zusammen essen, trinken, Pläne machen und natürlich auch gemütlich beisammen sein – für den 63-jährigen Bürgermeisterkandidaten gehört das alles zum Leben.

Aribert Kirch kann gut mit Menschen. Er ist kontaktfreudig und tritt dabei doch bestimmt auf. Für einen Fahrlehrer sind das gute Eigenschaften. Für einen Politiker auch, findet Kirch. Und natürlich für einen Chef.

„Ich bin durchsetzungsstark“, sagt Kirch selbstbewusst. In seiner Fahrschule beschäftigt er rund 20 Leute. „Die läuft inzwischen eigentlich von selbst.“ Und mit Hilfe seiner Frau Heike, die die Firma seit Jahrzehnten verwaltet. Wegen seiner neuen beruflichen Pläne hat er sein Unternehmen umfirmiert.

„Ob wir uns noch um den dritten Nachhaltigkeitspreis bewerben müssen, weiß ich nicht“

Führen will er auch im Rathaus. Was ihn dazu qualifiziert? Seit 2016 ist er Erster Beigeordneter der Gemeinde. „Ich habe die Verwaltung kennengelernt und kann sofort loslegen,“ sagt er. Handlungsbedarf hat Kirch erkannt: „Es ist ganz toll, wie Georg Lüdtke die Gemeinde im Klimabereich vorangebracht hat. Dadurch sind wir auch bekannt geworden. Aber ob wir uns noch um den dritten oder vierten Nachhaltigkeitspreis bewerben müssen, weiß ich nicht. Das bindet nämlich Arbeitskraft in der Verwaltung, ebenso wie die Klimawoche.“

Arbeitskraft sei aber zum Beispiel notwendig, wenn man die Digitalisierung im ländlichen Raum fördern will. Und auch Geld, das dann eben abgezwackt werden muss vom schmalen Gemeinde-Etat. Arbeitskraft sei auch nötig, wenn man sich um Wohnungsbau und Grundstücksbeschaffung kümmern will, damit die Nachfrage junger Familien gedeckt werden kann. Denn die ist hoch, freut sich Kirch. Die Gemeinde muss sich seiner Ansicht nach um entsprechend moderne Lebensbedingungen kümmern.

„Manche gehen mit dem Degen Probleme an, ich bin da eher der mit dem Säbel.“

Bürgermeisterkandidat Aribert Kirch

Die digitale Welt ist das Eine, die reale, mobile Welt das Andere. Kirch, der leidenschaftlich gern Auto fährt, hat auch die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs im Blick. „Wenn ich höre, dass der Cantus ab Dezember zwar halbstündlich zwischen Kassel und Fulda verkehrt, aber nur an den Stadtbahnhöfen auch so halten wird und in den Dörfern weiterhin nur stündlich, rege ich mich auf. Da müsste schon längst eine Protestwelle der Bürgermeister rollen“, sagt der Kandidat. Loslegen und klare Worte finden, das ist für ihn wichtig: „Manche gehen mit dem Degen Probleme an, ich bin da eher der mit dem Säbel“, sagt er.

Kandidat Kirch: Mehrheiten bekommt man mit guten Argumenten

Wichtig ist dem leutseligen Macher vor allem der enge Kontakt mit den Bürgern: „Ich gehe in die Ortsbeiräte. Das ist was ganz anderes, als hinterher Sitzungsprotokolle zu lesen. In den Sitzungen kriegt man die Probleme der Ortsteile viel besser mit.“ Er will die Ortsbeiräte stärken und „sehr ernst nehmen“ – auch als Bürgermeister. Aribert Kirch ist mit 63 Jahren in einem Alter, in dem sich andere auf die Rente einstellen. Warum denn jetzt noch ein neuer Job? „Das ist doch eine tolle Aufgabe“, findet er. Um eine Pension geht es ihm nicht, die bekomme man in Hessen ohnehin nicht nach nur einer Amtsperiode. Nein, etwas bewegen will er und den ländlichen Raum stärken. Dass aus dem Nordkreis immer wieder Einrichtungen abgezogen werden, will er nicht akzeptieren.

Zur Person

Aribert Kirch (65) wurde in Gelsenkirchen geboren, kam aber schon als Kleinkind mit seiner Familie nach Heinebach. Sein Fachabitur hat er in Melsungen gemacht. Später arbeitete er als technischer Offiziersassistent auf einem Tankschiff. Dann absolvierter er die Ausbildung zum Fahrschullehrer und eröffnete eigene Fahrschule mit Standorten in Heinebach, Rotenburg und Bebra. Er ist Vorsitzender des Landesfahrlehrerverbandes. Mit seiner Frau Heike ist er seit 28 Jahren verheiratet.

Wer etwas bewegen will, braucht Mehrheiten. Die hat seine Hauspartei, die FDP, nun mal nicht im Gemeindeparlament. „Mehrheiten bekommt man mit guten Argumenten“, sagt Aribert Kirch. Seit der letzten Kommunalwahl werde im Alheimer Gemeindeparlament viel mehr diskutiert. „Die Beschlüsse wurden zu über 90 Prozent einstimmig gefasst.“ Für Kirch ein Beleg, dass auf kommunaler Ebene Parteipolitik keine bedeutende Rolle spielt. Dort gehe es eher um die Sache.

Der Mann, der gegen Windkraft im Stölzinger Gebirge kämpft, der Ausfahrten mit seiner Frau im Oldtimer liebt, die immer bei einem guten Restaurant münden müssen, der Trompetenspieler, der nicht genug übt – er will seine Heimatgemeinde voranbringen. Alheim braucht einen Alheimer als Bürgermeister, ist er überzeugt. Wer hier verwurzelt ist, kann die Probleme sofort anpacken. (Von Silke Schäfer-Marg)

Der Kandidat kurz und knapp

  • 1. Nachhaltigkeit ...bedeutet zu bedenken, dass alles, was wir haben, endlich ist. Der Waldbauer handelt nachhaltig, weil er pflanzt, was späteren Generationen nützt.
  • 2. Der Niederellenbacher See ...Wenn sich eine Gruppe von Bürgern um ihn kümmern will, soll sie ihn auch bekommen. Ich habe mit dafür gesorgt, dass der See nicht vorzeitig verkauft wird.
  • 3. Der Verwaltungszweckverband Alheimer ...sollte da, wo er funktioniert, aufrechterhalten bleiben. Es macht aber keinen Sinn, eine Rotenburger Mitarbeiterin nach Baumbach zu versetzen, die sich dort um Rotenburger Angelegenheiten kümmert. Wir sollten für eine Zusammenarbeit auch andere Nachbarkommunen im Blick behalten, etwa Morschen. Die Selbstständigkeit von Alheim darf aber nie infrage gestellt werden.
  • 4. Die Kitas in Alheim ...brauchen eine bessere Kommunikation. Ich könnte mir einen Ombudsmenschen vorstellen, bei dem Eltern und Mitarbeiterinnen ihre Probleme loswerden können, ohne persönliche Folgen fürchten zu müssen.
  • 5. Die Feuerwehren müssen in Zukunft ...weiter unterstützt werden. Veränderungen müssen aus der Feuerwehr heraus vorgeschlagen werden und dürfen nicht verordnet werden.
  • 6. Diese Marotte würde ich mir gerne abgewöhnen: zu viel zu gut zu essen.
  • 7. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt: „Zwei Leben“ von Samuel Koch. Er war bei „Wetten dass“ schwer verunglückt und ist seither gelähmt.
  • 8. Mit diesen Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: Genießer, Organisator, immer vorneweg
  • 9. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzler wäre, würde ich ...mit der Bundesregierung nach Alheim reisen, um zu zeigen, welch wunderbarer Ort das ist. Ich hoffe, dass dies zu mehr Wertschätzung der ländlichen Regionen führt.
  • 10. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ...wir am Ende alle gemeinsam wieder das Beste für Alheim suchen, unabhängig von Partei und persönlichen Interessen.

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