Bürgerversammlung in Friedwald

Sturm der Entrüstung wegen Windkraft auf dem Roteberg

Friedewald. Vor der Festhalle in Friedwald wirbelte der starke Wind am Mittwochabend die von den Bäumen gefallenen Blätter gehörig auf. Doch richtig stürmisch wurde es erst in dem Gebäude.

Dort stand zum Thema Windkraft auf dem Roteberg Investor Ingo Sauer Rede und Antwort. Ihm gegenüber die vielen Windkraftgegner aus der Bevölkerung und die Vertreter der Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Friedewald. Auf der einen Seite also die absolute Wand der Ablehnung und auf der anderen Seite der Profit-Jäger, der bereits viel Geld in das Projekt investiert hat und es nun auch gegen den ärgsten Sturm der Entrüstung durchsetzen will.

Und weil er mit seinen Schwertransporten nicht durch die Flur darf, da ihm zwei Pächter nicht die Genehmigung erteilten, will er nun durch den Ort fahren – vorbei an den Häusern seiner ärgsten Widersacher.

Bürgermeister Dirk Noll, der ebenso wie die meisten Gemeindepolitiker auch, nicht unbedingt ein Freund der Windkraft auf dem Roteberg ist, werde zum Wohle der Dreienberggemeinde der Straßennutzung wohl zähneknirschend zustimmen müssen. „Wir haben über Rechtsanwälte prüfen lassen, ob wir den Schwertransporten die Durchfahrt untersagen können. Das ist nach deren Aussage nicht möglich. Wenn wir uns weigern, können wir durch den Investor in Regress genommen werden.“

Das scheint in der Tat so, denn Windkraftprojekte sind in Deutschland privilegierte Vorhaben, die von Bundes- und Landespolitik absolut gewünscht werden.

Initiative sucht Beistand

Nun will die Bürgerinitiative ihrerseits prüfen, wie sie den Transport der Rotoren durch den Ort stoppen kann. „Wir werden uns bei der Zuwegung Alte Hersfelder Straße wehren und uns rechtlichen Beistand suchen“, so der Vorsitzende der Initiative, Marco Sell.

So wie Sell sehen das viele Anwohner, die nicht nachvollziehen können, dass Schwertransporte über eine innerörtliche Anliegerstraße rollen dürfen, die von der Gemeinde ausgebaut und von den Anliegern zu 90 Prozent finanziert wurde. Diesen Einwand konnte Investor Sauer sehr gut nachvollziehen. „Unser Bestreben ist nicht, durch den Ort zu fahren. Aber die Nordtrasse geht nicht, da die Rotorflächen nicht die Flächen der beiden Grundstückspächter überstreichen dürfen.“

Zudem argumentierte Sauer, dass einer dieser beiden Pächter bedroht worden sei: „Man werde ihm Gebäude anzünden, wenn er seine Zustimmung geben würde. Ich kann gut verstehen, dass er uns seine Zusage nicht gibt.“

Die Widersacher des Projekts hingegen bedankten sich bei den standhaften Pächtern für deren Mut. Denen entgegnete Sauer: „75 Prozent der Deutschen sind für regenerative Energien, nur nicht vor der eigenen Haustür.“ Für einen Moment war Schweigen im Saal – doch der Sturm der Entrüstung in Friedewald hat sich noch lange nicht gelegt.

Von Mario Reymond

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