Porträt

Bundestagskandidat Rainer Janisch (Freie Wähler) beklagt die Politik in Berlin

Freund italienischen Essens: Rainer Janisch wirbt sich als Direktkandidat der Freien Wähler um den Einzug in den Deutschen Bundestag. Bei der „Mittagspause“ bestellte er sich Pizza Prosciutto und Mineralwasser, zum Abschluss einen Espresso.
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Freund italienischen Essens: Rainer Janisch wirbt sich als Direktkandidat der Freien Wähler um den Einzug in den Deutschen Bundestag. Bei der „Mittagspause“ bestellte er sich Pizza Prosciutto und Mineralwasser, zum Abschluss einen Espresso.

Zehn Frauen und Männer kandidieren im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg für den Bundestag. In unserer Porträtreihe stellen wir heute den Freien-Wähler-Kandidaten Rainer Janisch vor.

Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner – Rainer Janisch mag italienisches Essen und vor allem Pizza. Deshalb zieht es den Banker, wenn er nicht die Butterstulle von daheim im Büro verzehrt oder in der betriebseigenen Cafeteria der Sparkasse Werra-Meißner in Eschwege sitzt, mit Kollegen hin und wieder – vor Corona natürlich häufiger – in der Mittagszeit zum Italiener um die Ecke.

Die Mittagspause, ob mit oder ohne Kollegen, sei ihm wichtig, sagt der 61-Jährige. Und wenn es nur mal 10 oder 15 Minuten seien, „um mal auf andere Gedanken zu kommen, sich mit anderen auszutauschen und ein paar Worte zu reden“. Ansonsten sitzt der Sparkassen-Betriebswirt am Schreibtisch; er hat viel mit Zahlen und Kostenberechnungen zu tun.

Nicht zuletzt diese Fähigkeit lässt ihn mit Bestimmtheit behaupten, dass sich für die Menschen in Deutschland etwas in Sachen Lohn und Gehalt ändern müsste: „Verdienst soll auskömmlich sein“, sagt er. 450-Euro-Jobs seien einfach zu wenig, die seien „definitiv nur gut für die Unternehmen“. Angesichts dessen, was viele Beschäftigte leisten müssten, und da nennt er beispielhaft Pflegekräfte und Frauen, die bis 22 Uhr an der Supermarktkasse sitzen, könnte „ruhig etwas mehr verdient werden“.

Janisch kritisiert Renten- und Gesundheitssystem

Janisch spricht von mehr Mindestlohn, einer „vernünftigen“ Rente und einem flexibelen Renteneintrittsalter. Nach 25 bis 30 Jahren soll nach seiner Vorstellung die Rente bereits zum Bestreiten des Lebensunterhalts reichen. Wer mehr haben will, müsse halt länger arbeiten. Das müsse man sich aber ausrechnen lassen können, „wie bei einer Bank“ den monatlichen Aufwand für einen Hauskredit. „Vernünftiger“ Verdienst, Rente und Renteneintrittsalter wären, sagt er, entgegen den Behauptungen der Politiker „sehr wohl finanzierbar“. Man müsse sich dazu Systeme aus anderen Ländern anschauen und „mal was überlegen“.

Doch das bekämen die Politiker, und da meint er insbesondere all jene in Berlin, „nicht auf die Reihe“. Die arbeiteten nicht zielorientiert, weil sie an der Sache vorbeiredeten, nicht kompromissbereit seien und zu umständlich. Deshalb kranke es auch im Gesundheitssystem und mangele es für unsere Region an der verkehrstechnischen Anbindung, womit er seine weiteren Schwerpunkte aufgezählt hat, die ihn im Wahlkampf vor allem umtreiben.

Im Dorfleben funktioniere es fast bei allen Themen, einen gemeinsamen Nenner zu finden, hält er den Bundestagsparteien seine Erfahrungen aus fast 20 Jahren Mitwirken in der Gemeindevertretung und im Gemeindevorstand seines Heimatortes Weißenborn entgegen.

Und auch, weil er das Wissen um die Wünsche an der Basis sowie nicht von Partei- und Proporzdenken bestimmte Politik im Bund vermisst, sich über nicht eingestandene Fehler von Ministern und die Selbstbedienungsmentalität von Abgeordneten ärgert sowie die Bürokratie vielfach als (unnötiges) Problem betrachtet, will er diese Entwicklungen als Bundestagskandidat mal öffentlich bewusst machen. Zudem findet er: „Schlechter kann es nicht werden.“

Janischs Motivation für seine Kandidatur: „Ich will mal sagen, was die Menschen denken.“ Zugleich möchte er für die Freien Wähler (FW) Gesicht zeigen, um sie voranzubringen. Gerade die FW seien entstanden, um bei Sachthemen etwas zu bewegen, sagt er. Und da nicht nur er die Altparteien im Sinkflug sieht, sei die Chance für die FW „noch nie so gut wie jetzt“.

Rechnet sich Janisch, der sich als Realist einschätzt, selbst denn als Direktbewerber ohne Platz auf der Landesliste ernsthafte Chancen aus? „Eher nicht“, antwortet der 61-Jährige, der sportlich im Tischtennis zuhause ist, und fügt aber gleich an: „Das Spiel muss auch erst noch gespielt werden.“ (Stefan Forbert)

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