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Bundestagskandidatin Heidi Schmidt will, dass „die Arbeiter das Sagen haben“

Heidi Schmidt aus Kassel will als Einzelbewerberin in den Bundestag. Unterstützt wird sie von der Internationalistischen Liste/MLPD. Unser Bild zeigt sie vor dem Kali-Standort in Philippsthal.
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Heidi Schmidt aus Kassel will als Einzelbewerberin in den Bundestag. Unterstützt wird sie von der Internationalistischen Liste/MLPD. Unser Bild zeigt sie vor dem Kali-Standort in Philippsthal.

Zehn Frauen und Männer kandidieren im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg für den Bundestag. Heute stellen wir Heidi Schmidt vor, die als Einzelbewerberin antritt.

Philippsthal – Mittagspausen sind nicht mehr Heidi Schmidts Thema. Die 70-jährige ist Rentnerin und kann sich ihre Zeit frei einteilen. Sehr viel davon investiert sie in ihr politisches Engagement zum Wohle der Bergleute. Diese Arbeit würde Heidi Schmidt gerne im Bundestag einbringen. Deshalb tritt sie als Einzelbewerberin mit Unterstützung des Internationalistischen Bündnis/MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) an.

Warum kandidiert eine Lehrerin im Ruhestand aus Kassel für eine sozialistische Liste in einem Wahlkreis, in dem diese Partei gar nicht präsent ist und in dem die Menschen in unmittelbarer Grenznähe zur früheren DDR die denkbar schlechtesten Erfahrungen mit dem „real existierenden Sozialismus“ gemacht haben?

„Die Entwicklung in der DDR hat mich lange abgeschreckt“, sagt Heidi Schmidt. Sie sei zwar schon als Schülerin in Widerspruch zum Kapitalismus geraten. Doch die Ausprägung des Sozialismus, wie er in der DDR, der UdSSR und anderen Ländern des Ostblocks zu sehen war, die wollte sie auch nicht unterstützen. Ganz offen räumt sie ein, dass der Sozialismus noch in keinem einigen Land der Welt wirklich funktioniert hat. Sie glaubt aber, dass der Kapitalismus das auch nicht tut und verantwortlich für die meisten Krisen auf der Welt ist.

Heidi Schmidt ist überzeugt von den grundsätzlichen Ideen des Sozialismus. „Ich stehe voll hinter der Internationalistischen Liste und dem Programm der MLPD“, betont sie gleich zu Beginn des Gesprächs. Darin finden sich Schlagworte wie „Befreiung der Arbeiterklasse“, „revolutionärer Kampf der Massen“ oder „Arbeiter in die Politik“. Letzteres ist auch Heidi Schmidts Ziel, ansonsten vermeidet sie Schlagworte und erzählt lieber von ihren eigenen Überzeugungen.

Als Frau eines Franzosen habe sie lange in Lothringen gelebt und dort die Probleme der Bergleute mitbekommen. Mit dem so geschärften Blick fielen ihr auch im Saarland und im Ruhrgebiet – weitere Stationen ihres bewegten Lebens – die Nöte der Bergleute und auch die Umweltprobleme, die durch Bergbau und Industrie entstehen, besonders auf.

Lange überlegte sie, wie sie sich politisch engagieren könnte. Einfach zuzusehen und zu schweigen war noch nie ihre Sache. „Ich wäre depressiv geworden, wenn ich nicht aktiv geworden wäre“, erzählt Heidi Schmidt.

In der MLPD fand sie 1981 ihre politische Heimat. Dass diese Organisation selbstkritisch mit den Entwicklungen des Sozialismus in den Ostblockländern umging und davon sprach, dass die dortigen Parteien die Ideen des Sozialismus verraten und ihn von innen zerstört hätten, gefiel ihr.

Dennoch hat sie kein negatives Menschenbild. Sie ist überzeugt, dass der Mensch nicht etwa gierig, machthungrig und auf persönliche Bereicherung aus ist, sondern grundsätzlich mitfühlend, liebevoll und hilfsbereit. Das will sie mit ihrer politischen Arbeit unterstützen.

Große Hoffnungen setzt Heidi Schmidt in die 3. Internationale Bergarbeiterkonferenz, die im Jahr 2023 in Dorndorf stattfinden soll und die sie mit vorbereitet. Sie soll ein wichtiger Meilenstein sein beim Zusammenschluss der 20 Millionen Bergarbeiter weltweit. Neben ihrer Wohnung in Kassel hat Schmidt inzwischen auch eine kleine Wohnung in Vacha, um vor Ort präsent zu sein.

Auf mehreren anderen internationalen Konferenzen war Heidi Schmidt bereits als Dolmetscherin dabei und bringt dort ihre guten Sprachkenntnisse ein.

Persönliche Bereicherung soll es übrigens für die Politiker der MLPD in offiziellen Funktionen nicht geben. Sie verpflichten sich, alle Einkünfte bis auf eine Summe von 1160 Euro – ein Facharbeiterlohn – an die Partei abzugeben. „Ich brauche das Geld ohnehin nicht, ich kann gut von meiner Rente leben“, sagt Schmidt. (Christine Zacharias)

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