Porträt

Bundestagswahl: AfD-Kandidat Gerhard Schenk setzt auf den Corona-Frust

Gerhard Schenk tritt bei der Bundestagswahl für die AfD an. Der 67-Jährige polarisiert gern - bezeichnet sich aber als verträglich und weltoffen. Wir haben ihn in Bebra besucht.

Hersfeld-Rotenburg – Zehn Frauen und Männer kandidieren im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg für den Bundestag. Heute stellen wir den AfD-Kandidaten Gerhard Schenk vor.

Gerhard Schenk polarisiert gern. Im Kreistag Hersfeld-Rotenburg weigert er sich als einziger Abgeordneter, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, im Landtag empört er mit drastischen Reden, im Internet sympathisiert er mit strammen Rechtsaußen. Jetzt kandidiert der 67-Jährige für die AfD bei der Bundestagswahl 2021. Wir haben ihn in Bebra besucht und über seine Standpunkte gesprochen. Am Ende blieb trotzdem vieles offen.

Gerhard Schenk will also in den Bundestag. Dabei ist er erst kürzlich, vor drei Jahren, für seine Partei in den Landtag eingezogen – über die Landesliste, an letzter Stelle stehend. Sein Einstand in Wiesbaden schlug überregional Wellen, nachdem er am Rednerpult von „kollektiver Verwahrlosung dieses Landes“ gesprochen und die Bundesrepublik als „Unrechtsregime offener Grenzen“ bezeichnet hatte. Verstehen konnte er die Kritik an seiner Wortwahl damals nicht. Heute sagt er: „Ich sehe mich als Stachel im Parlament.“

Will vom Landtag in den Bundestag: Gerhard Schenk aus Bebra, hier bei einer Mittagspause am heimischen Küchentisch mit Ahler Wurscht, Butterbrot und alkoholfreiem Radler. Der 67-Jährige tritt für die AfD an.

Gerhard Schenk will von Wiesbaden nach Berlin, weil „da die Musik spielt“

Noch ist er nicht mal eine ganze Legislaturperiode in Wiesbaden – warum bewirbt er sich jetzt für den Bundestag? „Weil da die Musik spielt“, sagt er. „Die Migrationsfrage, die Corona-Maßnahmen, die Geldpolitik, die Frage nach Krieg oder Frieden – das alles wird in Berlin entschieden.“

Sich selbst beschreibt er als „kritisch, verträglich und weltoffen“. Privat mag das auf den fünffachen Vater zutreffen. Politisch tritt er öffentlich meist anders, polarisierender, in Erscheinung. Das lässt sich auch auf seinen AfD-Wahlplakaten ablesen. Insgesamt 4000 Stück hat er von sich und seiner Partei zwischen Neu-Eichenberg und Breitenbach am Herzberg aufgehängt. Darauf fordert er unter anderem: „Impfzwang stoppen“.

Impfzwang in Deutschland? Gerhard Schenk müsste es eigentlich besser wissen. Er selbst ist nämlich nicht gegen das Coronavirus geimpft, wie er klarstellt. Und er macht im Gespräch auch nicht den Eindruck, als traue er sich aus Sorge vor einem mobilen Impfteam nicht mehr vor die Tür. Corona – das scheint sowieso das Thema zu sein für den AfD-Mann aus Bebra, der am 26. September auf nichts Geringeres als auf ein politisches Beben hofft. Er spekuliert als Folge der Corona-Politik auf einen „Kipp-Punkt“ in der Bevölkerung, wie er es ausdrückt. Seine Rechnung lautet: je mehr Corona-Frustrierte, desto mehr Schenk-Wähler.

Kennengelernt hat Schenk die Kritiker der Alltagsbeschränkungen an gleich mehreren Orten persönlich. Er war auf zahlreichen Querdenker-Demonstrationen bundesweit zugegen, als „politischer Beobachter“, wie er betont. „Ich halte diese Menschen für integere, vernünftige Leute. Man sollte sie nicht Quer-, sondern Selbstdenker nennen.“ Er selbst sei auch ein Selbstdenker.

Sympathien für Höcke, aber keine Verortung innerhalb der AfD

Was Schenk ebenfalls umtreibt: Die Lage in Afghanistan. Der AfD-Politiker fordert, Grenzen wieder strenger zu überwachen. Natürlich habe er nichts gegen die Menschen dort: „Ich habe nur etwas dagegen, wenn der Afghane hierherkommt und eine rote Linie überschreitet.“ Wie er diese Linie definiert, bleibt trotz Nachfragen offen.

Auch die Frage, wo er innerhalb der AfD steht – eher bei den Gemäßigten oder eher dort, wo sich die Anhänger des offiziell aufgelösten und als rechtsextrem eingestuften Flügels um Björn Höcke sehen – lässt er unbeantwortet. Dass er aber Sympathien für Höcke hegt, daraus macht er auf seiner Facebook-Seite keinen Hehl.

Die Chancen, dass Gerhard Schenk tatsächlich in den Bundestag einzieht, dürften bei Lichte betrachtet überschaubar sein. Seine Partei hat ihn auf der Landesliste diesmal nicht berücksichtigt. Die Umfragen sehen die AfD bei zehn bis zwölf Prozent. Ihn ficht das alles nicht an: „Ich trete an, weil ich gewinnen will“, sagt er. Und wenn’s mit seinem Traum vom Bundestag nicht klappt? Dann bleibt Gerhard Schenk im Landtag. Und will dort weiter polarisieren. (Sebastian Schaffner)

Die AfD hofft auch bei der Kommunalwahl in Niedersachsen vor allem auf gute Ergebnisse in Regionen, in denen die Partei bislang nicht vertreten ist.

Rubriklistenbild: © Sebastian Schaffner

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