Medizinische Versorgung

Cornbergs Bürgermeister Großkurth kritisiert Kassenärztliche Vereinigung scharf

Etwa 70 Bürger demonstrierten vor der Tannenberghalle für den Erhalt des Medibusses.  Auch Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth war dabei.
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Etwa 70 Bürger demonstrierten am 28. September in Nentershausen für den Erhalt des Medibusses. Auch bei dieser Unterstützerveranstaltung, die der VDK organisiert hatte, setzte sich Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth vehement für eine gute medizinische Versorgung ein.

Emotional wie selten ist Bürgermeister Großkurth in der Cornberger Parlamentssitzung geworden, als es um die ärztliche Versorgung und den Medibus ging.

Cornberg - Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth hat die Kassenärztliche Vereinigung in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag heftig attackiert, als er zur Medibus-Resolution sprach, die die Abgeordneten dann einstimmig befürworteten. „Die Kassenärztliche Vereinigung entzieht sich ihrer Verpflichtung, die medizinische Versorgung zu gewährleisten“, sagte er.

Nur kurz war es zuvor um organisatorische Irritationen beim Sammeln der Unterschriften gegangen. So war ein Teil der Listen offenbar zwar mit den Adressdaten der Unterstützer, nicht aber mit deren Unterschrift angefertigt worden. Dann holte Großkurth, der mit den Bürgermeisterkollegen der ebenfalls am Projekt der rollenden Arztpraxis beteiligten Kommunen in regem Austausch mit dem Hessischen Sozialministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) steht, zum Rundumschlag aus. „Von der KVH heißt es jetzt, wir sollen selbst mal Geld in die Hand nehmen. Das ist schon fast unverfroren. Das ist nicht unsere Aufgabe und widerspräche auch der Hessischen Gemeindeordnung.“ In der Region um Cornberg, Nentershausen und Sontra gebe es vier freie Arztsitze. Besonders gekniffen sei Cornberg, das schon seit 2016 keinen Hausarzt mehr habe. „Das ist keine Unterversorgung, das ist eine Nullversorgung“, sagte Großkurth.

Auch Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth kämpft seit Jahren für eine gute medizinische Versorgung der Gemeinde und der Region

Mit dem Interkommunalen Gesundheitszentrum in Sontra sollen auch Satellitenpraxen in Cornberg, Nentershausen und Herleshausen verbunden werden, wo die Ärzte bei Bedarf vor Ort sein sollen. Großkurths favorisierte Lösung ist aber, stattdessen weiter den Medibus zu nutzen, damit nicht an mehreren Standorten die Infrastruktur für Arztpraxen bezahlt werden muss. „Das Sozialministerium findet die Idee gut, aber von der KVH kommt dazu nichts.“

„Kassenärztliche Vereinigung hat 15 Jahre tief geschlafen“

Teilweise seien dort die, die nun den Kommunen nahe legen, selbst Geld für die Gesundheitsversorgung in die Hand zu nehmen, die selben Menschen, die noch vor 15 Jahren gesagt hätten, dass sich die Kommunen beim Thema Arztsitze heraushalten sollen. „Seit dem hat die KVH tief und fest geschlafen. Im ländlichen Raum hat man auch in Mittelzentren wie Bebra Probleme, Arztsitze zu besetzen. Auch für das Gesundheitszentrum in Sontra gibt es noch keinen. Da ist das Mittelzentrum Sontra gefährdet.“ Großkurth warf auch die Frage auf, ob es für die KVH rechtliche Konsequenzen haben könne, wenn man dort seiner Verpflichtung der Sicherstellung der medizinischen Versorgung nicht nachkomme.

Lob für Team des Medibusses

Beim Medibus geht es um jährliche Betriebskosten von 300 000 Euro. „Die Vorhaltung von medizinischer Infrastruktur in mehrere Satellitenpraxen wäre wesentlich teurer“, betonte Großkurth. Für das Team der rollenden Arztpraxis war er voll des Lobes, auch in der Bevölkerung gebe es großen Zuspruch. Eine Ideallösung sei der Bus nicht – aber eben eine, die zuverlässig und gut funktioniere.

In der beschlossenen Resolution spricht das Cornberger Parlament seine Unterstützung für die Unterschriftenaktion zum Erhalt des Medibusses über Dezember 2020 hinaus aus, die die Bürgermeister aus Cornberg, Nentershausen, Herleshausen, Weißenborn und Sontra initiiert haben. Die Ergebnisse sollen dem Sozialministerium und der KVH übergeben werden. (Christopher Ziermann)

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