Mehr Zeit für Garten und Familie

Achim Scholz gibt nach 16 Jahren Parlamentsvorsitz in Cornberg ab

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Hat nun etwas öfter Pause: Achim Scholz, hier auf der Bank in seinem Garten. 

Ich will, dass sich was ändert? Dann packe ich selbst mit an! Diesem Motto folgend hat sich Achim Scholz über Jahrzehnte in Cornberg engagiert.

„Ihr seid doch selbst die Gemeinde!“ So reagiert Achim Scholz gelegentlich, wenn ihm jemand sagt, die Gemeinde müsse dieses oder jenes tun – nicht in vorwurfsvollem, sondern in einnehmendem Ton. Wer will, dass sich etwas verändert, sollte sich am besten selbst einbringen. Nach diesem Motto hat der Cornberger über Jahrzehnte hinweg gelebt – unter anderem als Vorsitzender der Gemeindevertretung. Nun gibt er dieses Amt ab. In der heutigen Parlamentssitzung, in der ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus von Königswald über den Haushalt abgestimmt wird, ist der 60-Jährige letztmals in offizieller Funktion dabei. Auch sein Mandat legt Scholz nieder.

„Ich habe schon lange angekündigt, dass ich meine Ämter abgebe, wenn ich in Ruhestand gehe“, sagt er. Wenn man in der Politik und in Vereinen aktiv ist, gehen dafür regelmäßig drei oder vier Abend pro Woche drauf – dazu kam der Schichtdienst. „Dabei ist meine Familie und bin auch ich selbst etwas kurz gekommen.“

Der Sohn eines Cornberger Landwirts hat 1979 an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Sontra Abitur gemacht und ging dann zur Polizei, wo der Polizist zuletzt die Direktion Verkehrssicherheit in Kassel leitete. Mitte der 80er-Jahre kaufte er mit seiner Frau in Cornberg ein Haus. Im Schützenverein kam der damalige Bürgermeister Walter Butchereit auf ihn zu und fragte Scholz, ob er sich vorstellen könne, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren, auch um den Altersschnitt dort etwas zu senken. Konnte er – so wie er sich auch als Schriftführer bei der Feuerwehr, Schriftführer und später stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins, Vorsitzender der Schützengilde und als Kassierer bei der Siedlergemeinschaft einbrachte.

In der Gemeinde war er Beigeordneter (1993-1997), Erster Beigeordneter (1997-2001), Gemeindevertreter (seit 2001) und ab 2003 Parlamentsvorsitzender. Von 1997 bis 2016 saß er außerdem für die SPD im Kreistag.

„Ich fand es immer sehr reizvoll, dass wir in Cornberg eigentlich noch nie Geld hatten“, sagt Scholz mit seinem typischen verschmitzten Lächeln. Als das Land das Schutzschirmprogramm auflegte, seien andere Kommunen dort angekommen, wo Cornberg schon lange gewesen sei. „Wir haben schon in den 90er-Jahren mit unseren Nachbarkommunen einen Wasser- und Abwasserzweckverband gegründet – damals war interkommunale Zusammenarbeit noch kein großes Thema“, sagt Scholz, der seit 2006 auch Vorsitzender der Verbandsversammlung ist.

1999 trat Scholz zur Bürgermeisterwahl an und verlor. Die Enttäuschung darüber währte aber nur kurz, sagt er – auch, weil er bei der nächsten Kommunalwahl trotz eines hinteren Listenplatzes die meisten Stimmen in Cornberg erhielt. Bis heute bedauert Scholz aber, dass es ihm und den anderen Parlamentariern nicht gelang, den Menschen klarzumachen, dass der zur Debatte stehende Cornberger Bahnhaltepunkt „quasi kostenneutral“ zu bekommen war. Ein Bürgerentscheid stoppte die Pläne. Erfolg habe man dafür aber gehabt, als die SPD-Fraktion entscheidend daran beteiligt gewesen sei, ein Windkraftprojekt zu verhindern.

„Was die Cornberger Kommunalpolitik in den letzten 20 Jahren ausgemacht hat, ist, dass wir fraktionsübergreifend sehr gut zusammenarbeiten“, sagt Scholz. Das sei seit der Amtszeit des nach drei Jahren 2002 abgewählten Ex-Bürgermeisters Frank-Peter Gieseke so. Damals hätten alle verstanden, dass Hauen und Stechen nicht zielführend sei.

Dazu passt auch die Art und Weise, in der Scholz sein Amt als Parlamentschef mit Leben füllte. „Ich habe mich als Moderator gesehen und die Satzung auch mal großzügig ausgelegt. Wenn im Zuschauerraum jemand sitzt, der während der Sitzung was sagt und weiß, wovon er spricht, muss ich nicht gleich einen Ordnungsruf machen.“

Künftig will Scholz mehr Zeit im Garten verbringen und Radtouren und Städtereisen mit seiner Frau unternehmen – doch seinem Motto „Wir alle sind die Gemeinde“ bleibt er treu. Er bleibt Ortsbeiratsmitglied und ist schon jetzt an einigen Projekten beteiligt: Der alte Friedhof wird wieder hergerichtet und die Altenstube im Feuerwehrgerätehaus soll wiederbelebt werden. „Dass ich nicht mehr in vorderster Reihe stehe, heißt nicht, dass ich gar nichts mehr mache“, sagt Scholz und lächelt verschmitzt..

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