Verunreinigung ging von einem Güllebehälter aus

Fische sterben in Gülleflut in der Sontra bei Cornberg - Polizei ermittelt

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Spurensuche an der Sontra: Hans Philipp (von links) von den Sontraer Angelsportfreunden, Johannes-Carl Hemmenstädt und Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth liefen am Donnerstag den Bach ab und fanden weitere tote Fische.

Cornberg. Große Mengen Gülle sind in der Gemeinde Cornberg in die Sontra gelangt und haben den Bach verunreinigt. Der gesamte Fischbestand sei gestorben, heißt es von der Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich der Vorfall bereits am vergangenen Wochenende ereignet.

Der Ausgangspunkt der Verunreinigung sei ein Güllebehälter außerhalb des Cornberger Ortsteils Königswald, so die Ermittler. Sie zeigen sich zuversichtlich, den Verursacher festzustellen, da ein mobiles Güllefass für die in Cornberg festgestellte Konzentration des Düngemittels im Sontrabach nicht ausreichend sei.

Tiere ersticken

Auch die seltene Groppe hat die Gülleflut in der Sontra nicht überlebt.

Für Thomas Hemmenstädt dürfte das ein schwacher Trost sein: Der Rockensüßer ist einer von zwei Pächtern, die seit September von der Bachquelle oberhalb von Königswald bis zur Kreisgrenze in Richtung Sontra fischen dürfen. Mehr als 150 tote Fische seien bereits gefunden worden – und das lediglich in einem kurzen Abschnitt entlang des Bachverlaufs. „Aus meiner Sicht ist der Bach tot“, sagt Hemmenstädt, „Gülle entzieht dem Wasser den Sauerstoff, die Tiere ersticken.“ Betroffen sind auch seltenere Fischarten wie die anspruchsvolle Groppe, die in dem bis dahin gesunden Gewässer ihr Zuhause hatte.

Hemmenstädt befürchtet, dass nicht nur die Fische, sondern auch deren Futter, also unzählige Kleintiere, die Gülleflut nicht überlebt haben. „Neben dem materiellen Schaden ist ein viel größerer ökologischer Schaden entstanden“, so der Pächter. Fischbestand und Bach würden sich erst in Jahren erholen. Den Schaden kann Hemmenstädt ohne Gutachten nur grob beziffern, er geht von mehreren tausend Euro aus.

Schaum und seltsamer Geruch

Bereits am vergangenen Freitag waren Hemmenstädt eine ungewöhnliche Schaumbildung im Wasser und ein seltsamer Geruch um den Bach aufgefallen. Handfeste Beweise für die Auswirkungen der Gülleflut fanden aber erst am Sonntag den Weg zu ihm, über seinen Vater Johannes-Carl Hemmenstädt: Kinder aus dem Dorf standen mit einer ungewöhnlichen Zahl von toten Fischen vor dessen Tür.

Spurensuche an der Sontra: Hans Philipp (von links) von den Sontraer Angelsportfreunden, Johannes-Carl Hemmenstädt und Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth liefen am Donnerstag den Bach ab und fanden weitere tote Fische.

Dieser Fund hatte auch Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth alarmiert: „Einige Bürger haben am Samstag eine schwarz-braune Flut im Bach beobachtet“, sagt er. Die Gemeinde ist Eigentümerin des betroffenen Bachabschnitts. „Das war nicht nur ein bisschen Gülle, sondern ein bisschen mehr“, so Großkurth. So viel, dass auch aus der Stadt Sontra eine Nachfrage gekommen sei, weil der Bach dort seltsam rieche. Das bestätigt Hans Philipp, Gewässerwart der Angelsportfreunde Sontra. Auch in seinem Abschnitt von der Kreisgrenze in Richtung Berneburg wurden tote Fische gefunden.

Es müsse geklärt werden, was genau passiert sei, fordert Bürgermeister Großkurth. Und was getan wird, damit so etwas nicht wieder passiert.

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