Flüchtlinge für Cornberg: Kreis verhandelt mit Vermietern

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Aufmerksame Zuhörer: Viele Cornberger informierten sich im Kloster über die mögliche Aufnahme von Flüchtlingen. Mitarbeiter des Fachdienstes Migration der Kreisverwaltung standen für Fragen zur Verfügung.

Cornberg. Cornberg könnte künftig etwa 15 bis 20 Flüchtlinge beherbergen. Über ein Zuweisung durch den Kreis informierten am Donnerstag in einer gut besuchten Bürgerversammlung Mitarbeiter des Fachdiensts Migration.

Dessen Leiter, Frank Hildebrand, sowie Antonia Rösner, die sich um die Koordination ehrenamtlicher Helfer kümmert, und die für die Unterkünfte zuständige Alexandra Klee-Richter beantworteten Fragen.

Cornberg ist eine Gemeinde, die sich mit dem Thema Flüchtlinge auskennt: Viele seiner Einwohner stammen aus Flüchtlingsfamilien, die im und nach dem Zweiten Weltkrieg in dem erst 75 Jahre alten Dorf ansässig wurden. Darauf wies Gemeindevertretungsvorsitzender Achim Scholz hin.

Dass es in der Vergangenheit auch negative Erfahrungen gab, beschrieb ein Diskussionsteilnehmer mit Hinweis auf eine Sammelunterkunft in einer ehemaligen Gaststätte in den 1990er-jahren. Damals hätten Drogen eine Rolle gespielt. Insgesamt jedoch war die Stimmung im Kloster eher gelassen-positiv.

Achim Scholz lobte die Bemühungen des Kreises, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen, gerade mit Blick auf die negativen Erfahrungen der Vergangenheit: In Gemeinschaftsunterkünften könne es eher zu Spannungen kommen. In Wohnungen falle die Integration leichter.

Der Kreis hatte Kontakt zur Wohnungsbaugesellschaft Wohnstadt. Verhandlet wird über vier Wohnungen, aber die Gesellschaft habe sich bis jetzt noch nicht erklärt. „Wir wissen nicht, wann wir sie bekommen werden“, sagte Hildebrand.

Auch Privatleute können Wohnungen anbieten. Genau das tat Cornbergs Altbürgermeister Walter Butchereit. Er fühle sich dazu moralisch verpflichtet, denn mit seinen Großeltern und seiner Mutter sei er im Krieg als Flüchting in Cornberg aufegnommen worden - allerdings auch nicht von allen mit offenen Armen.. „Die Menschen nehmen uns nichts weg. Wir haben leeren Wohnraum, lasst sie uns aufnehmen und willkommen heißen“, sagte Butchereit und bekam Beifall dafür.

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