Versorgungsengpass

Nach Weggang des Allgemeinmediziners in Cornberg: Kein Hausarzt in Sicht

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Wünschen sich für Cornberg einen neuen Hausarzt: Ulla Kuhnsch und Schwiegertochter Ursel Kuhnsch am Marktplatz. Beide wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, bei einem Hausarzt in der Nachbarschaft einen Termin zu bekommen.

Cornberg. Als Allgemeinmediziner Thian-Yoe Lauw Ende Dezember seine Praxis in Cornberg schloss, war das auch das Ende der hausärztlichen Versorgung in der Gemeinde.

Seitdem sind die Bürger in gesundheitlichen Fragen auf sich allein gestellt. Ein Unterkommen bei Ärzten in der Region gestaltet sich extrem schwierig. Das berichtet die 77-jährige Ulla Kuhnsch.

Der Hausarzt

Seitdem die gebürtige Fränkin Kuhnsch in Cornberg lebt, und das sind schon 57 Jahre, habe es immer einen Allgemeinmediziner im Ort gegeben. 16 Jahre hielt sie zuletzt Lauw die Treue. Doch jetzt ist alles anders: Lauw, der wegen schwerer Krankheit seiner Arbeit nicht mehr nachgehen konnte, musste Insolvenz anmelden. Die Cornberger stehen jetzt ohne Arzt da, und viele von ihnen, besonders die ältere Generation, wissen nicht mehr weiter. So ging es auch anfangs Ulla Kuhnsch. Nach überstandener Krebserkrankung war sie weiterhin auf Medikamente und Überweisungen angewiesen.

„Anders als viele in meinem Bekanntenkreis habe ich das Glück, dass ich noch mobil bin“, sagt die Rentnerin. Mobil heißt, dass sie noch Auto fährt. Und genau dieser Umstand ermöglichte ihr die Aufnahme in einer hausärztlichen Praxis in Nentershausen. Patienten, die nicht mobil seien, lehne dieser Arzt ab, da er keine Hausbesuche mache, berichtet Ulla Kuhnsch.

Die Suche

„Das ist ein großes Problem, denn wir haben hier viele alleinstehende alte Damen mit eingeschränkter Mobilität“, erklärt die 55-jährige Ursel Kuhnsch. Sie ist Ulla Kuhnschs Schwiegertochter und Cornbergs Ortsvorsteherin. Ältere im Ort seien jetzt, nach Fortgang des Hausarztes, oft auf die Hilfe anderer angewiesen, die sie zu Ärzten fahren, oder sie müssen den Bus nehmen. Die Ablehnung

In Sontra, wohin es eine Busverbindung gibt, seien die Arztpraxen überlastet, so die Ortsvorsteherin. Nach Nentershausen fahre kein Bus.

Als nächstes käme Bebra. Doch auch dort scheinen Allgemeinmediziner überlastet zu sein. Denn als Ursel Kuhnsch Anfang des Jahres für Flüchtlinge aus Cornberg – Kuhnsch ist Vorsitzende des Hilfsvereins Runder Tisch Asyl – einen Arzt suchte, war ihre Enttäuschung groß. Die meisten Ärzte lehnten die Aufnahme neuer Patienten ab, da ihr Kontingent erschöpft war. Bei anderen Ärzten sollte sie sich, wie ihr die Sprechstundenhilfen rieten, in ein paar Wochen melden.

Vielleicht hätte sie ja dann Glück. „Das war schrecklich“, erzählt die Ortsvorsteherin. Vor allem, weil sie zu der Zeit einen Flüchtling betreute, der eine ständige medizinische Versorgung brauchte. Schließlich fand sich doch noch ein Arzt. „Dafür habe ich mir aber die Finger wundgewählt“, erinnert sie sich.

Die Hoffnung

Die 55-Jährige und ihre Schwiegermutter hoffen, dass sich bald an der Situation etwas ändert. Die Bürger wären selbst mit einer wöchentlichen Sprechstunde vor Ort zufrieden. Einen Allgemeinmediziner, der sich ganz hier niederlassen würde, würden die Cornberger mit offenen Armen empfangen. Dieser Arzt könne sich der ewigen Dankbarkeit der Bevölkerung sicher sein.

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