Kirschbier und Schmiedekunst

Mittelaltermarkt im Steinbruch am Kloster mit spektakulären Kämpfen

Ritterkämpfe im Steinbruch am Kloster Cornberg. Die Ritter tragen die Schilde der Kreuzritter.

Cornberg. In der Luft lag der Geruch von gebratenem Schweinefleisch, altertümliche Flaggen wehten im Wind und in der Sonne funkelten glanzpolierte Schwerter und Helme – man konnte meinen, beim Betreten des Steinbruchs eine Zeitreise anzutreten.

Die Atmosphäre war also perfekt, beim Mittelaltermarkt in Cornberg.

Zum zweiten Mal veranstaltete der Verein „Freyes gelebtes Mittelalter“ den Markt in Cornberg. Den Auftakt machte ein Konzert im Kloster, Samstag und Sonntag folgten zwei Markttage mit Bräuchen, Leckereien und Attraktionen aus längst vergangenen Tagen. Der Renner war süffiges Kirschbier und dazu ein deftiger Schweinebraten mit Sauerkraut. Wer es süßer mochte, kaufte sich ein Glas Metgelee. Stärkung war wichtig – vor allem für die Kämpfer, die sich in der prallen Sonne duellierten.

Junge Mittelalterfans testen die Standhaftigkeit des Schildwalls: Das Gelächter war groß, als die gestandenen Männer übereinander fielen. Fotos: Pascal Ernst

Krieger aus der Zeit des Frühmittelalters (500-1050) bis hin zum Spätmittelalter (bis etwa 1500) standen sich gegenüber. Kampfbereit trommelten sie mit ihren Waffen auf ihre Schilde und grölten dabei Richtung Publikum. Gekämpft wurde allerdings nur bis zum Punktsieg. Zur Sache ging es trotzdem – so sehr, dass das ein oder andere Schild den Tag nicht überlebte. Mit Lang- und Kurzwaffen, schwerer und leichter Panzerung traten die bärtigen Erscheinungen sich gegenüber.

Stefan Lippert: Er besitzt zahlreiche Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände nach historischem Vorbild.


Den Anblick von einem Wikinger, der seine Streitaxt zielsicher in Richtung eines Sarazenen herunterschnellen ließ, werden die Zuschauer wohl nicht so schnell vergessen. Diese Art der historischen Kämpfe haben auch Thomas July und seine Ehefrau interessiert. Beide sind in Nordhessen verwurzelt, leben aber jetzt bei Radolfzell am Bodensee: „Wir betreiben selbst historisches Fechten, und hier ist eine tolle Gelegenheit, sich auszutauschen und Neues kennenzulernen“, berichtet July, der zufällig auf den Mittelaltermarkt aufmerksam wurde. Überall standen Zelte, in denen die Akteure schliefen. Daneben stellten sie ihre Waren aus und zeigten ihre Handwerkskunst, zum Beispiel Kleidung aus Leinen, Holzschnitzereien und Schmiedearbeiten. Gerne erklärten die Handwerker und Künstler den Besuchern, worauf es ankommt. Dabei nahmen sie sich viel Zeit und hatten stets ein Lächeln auf den Lippen. Die freundschaftliche, tolle Stimmung erklärte Frank König, der Vorsitzende des Vereins: „Das liegt am familiären Miteinander.“ Die meisten seien schon seit sieben Jahren dabei, seitdem es den Mittelaltermarkt in Cornberg gibt. Damals war Schirmherr und Veranstalter noch die Gemeinde, die sich aus Kostengründen zurückgezogen hat.

Kosten bereiten Sorgen

Die Kosten treiben auch Frank König Sorgenfalten auf die Stirn: Darsteller, Falkner und andere Attraktionen wollen bezahlt werden: „Es steckt viel Arbeit dahinter und auch viel Risiko“, erklärt König, dabei vermittelt „Freyes gelebtes Mittelalter“ Geschichte so lebendig, wie kaum ein Geschichtsunterricht es könnte.

So lagern die Ritter im Steinbruch: Im Hintergrund ist Cornberg zu sehen.

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