Im Februar ist Schluss

Polytec schließt Werk am Standort Cornberg - 40 Mitarbeiter gekündigt

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In rund fünf Monaten für immer geschlossen: Das Tor des Formteilwerks der Firma Polytec in Cornberg. Aus der Unternehmenszentrale in Österreich heißt es, dass das Gebäude verkauft werden soll.

Cornberg. Die bevorstehende Schließung des Formteilewerks der österreichische Firma Polytec in Cornberg bedeutet für die rund 40 Mitarbeiter die betriebsbedingte Kündigung.

Erst sollte schon Ende des Jahres Schluss sein, nun steht fest: Die Firma Polytec schließt ihr Werk in Cornberg Ende Februar 2019.

Wie eine Sprecherin am Hauptsitz der Polytec Holding AG in Österreich auf HNA-Nachfrage bestätigte, haben die rund 40 Mitarbeiter des Formteilewerks, in dem Teile für die Automobilindustrie hergestellt werden, bereits ihre betriebsbedingte Kündigung erhalten.

Mit der Schließung des Werks andere Arbeitsplätze sichern

„Der Standort leidet seit Jahren unter rückläufigen Umsätzen und negativen Ergebnissen“, hatte Polytec die Schließung des Werks, die im Mai bekannt wurde, begründet. „Wir bedauern die Notwendigkeit dieser Maßnahmen“, hatte eine Unternehmenssprecherin unserer Zeitung gesagt, „wir sehen diese aber als unumgänglich für den Erfolg des Gesamtunternehmens und somit für die Sicherung tausender Arbeitsplätze.“

Die weltweit agierende Polytec-Group hat insgesamt 4500 Mitarbeiter. Mit der Belegschaft sei ein Sozialplan entwickelt und vereinbart worden, teilt die Sprecherin nun mit. „Erfreulicherweise konnten aufgrund der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region bereits zwölf Mitarbeiter einen neuen Arbeitgeber finden.“ Weitere drei Mitarbeiter gingen in den Ruhestand.

Was mit dem Werksgelände passiert, steht noch nicht fest

Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth hatte sich nach Bekanntwerden betroffen geäußert: „Das ist für die Mitarbeiter und die Gemeinde sehr bedauerlich. Würde sich keine Folgenutzung ergeben, wäre das ein herber Schlag ins Kontor Cornbergs.“

Was mit dem direkt an der Bundesstraße 27 gelegenen, rund 19 000 Quadratmeter großen Werksgelände geschieht, steht indes auch heute noch nicht fest.

Sicher ist: Polytec will das Gebäude verkaufen, bereitet nach eigenen Angaben derzeit die Vermarktung vor. „Es gibt daher noch keine Interessenten.“

Mit einem Kaffee in einer Raststätte fing alles an

Gegründet wurde das Polytec-Formteilewerk im Jahr 1970 als Plastikwerk der Firma Menzolit. Dass sich das Unternehmen überhaupt in Cornberg ansiedelte, war auch dem Zufall zu verdanken: Für die Errichtung eines Fabrikgebäudes im Zonenrandgebiet gab es damals eine lukrative Förderung. Hinzu kommt, dass Franz Trost, der damalige Bürgermeister von Cornberg, an einer Autobahnraststätte bei einem Kaffee zufällig mit Menzolit-Gründer Albert Schmidt ins Gespräch kam, der auf der Suche nach einem Produktionsstandort war.

Start der Produktion in Cornberg war dann am 5. Oktober 1970. Anfangs arbeiteten in dem Werk zwölf Beschäftigte an drei Pressen. Das Geschäft florierte. Nur ein Jahr später hatte das Werk bereits 57 Beschäftigte, 1972 waren es schon 100. Im Jahr 1973 wuchs der Standort weiter. Menzolit investierte 2,5 Millionen D-Mark in eine neue Werkhalle – was inflationsbereinigt heute rund 3,9 Millionen Euro entsprechen würde.

Besitzer des Werks wechselte mehrfach

Im Laufe der Jahre wurde der Betrieb immer wieder modernisiert. Von 1999 bis 2001 wurde eine Presshalle, 2004 eine Lagerhalle mit Krananlage gebaut. Auch die Besitzer wechselten mehrfach, zuletzt im Mai 2007. Die Polytec-Group aus Österreich übernahm das Werk und gliederte es in die Firma Polytec Composites Germany ein.

Polytec produziert in Cornberg Außenverkleidungs-, Funktions- und Strukturteile für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Zum Kundenkreis zählen unter anderem Daimler, BMW, VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche, MAN und Iveco. Im Jahr 2010 hatte Polytec in Cornberg noch 86 Mitarbeiter, „die zu 90 Prozent aus dem Einzugsbereich der Gemeinde Cornberg kommen“, wie die Gemeinde Cornberg in ihrem Gemeindebrief anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Werks schrieb. Polytec zählt bis heute zu den größten Arbeitgebern Cornbergs. Im Februar ist dann Schluss.

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