Totalabriss verhindert

Sie retteten das Kloster Cornberg: Heimat- und Verkehrsverein feiert Jubiläum

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Eine Herzensangelegenheit: Dass das Cornberger Kloster nicht verfällt, ist auch ein Verdienst des Heimat- und Verkehrsvereins. Auf dem Bild zu sehen sind (von links) Gründungsmitglied Günter Siersleben, Vorsitzende Renate Simon und Bürgermeister Achim Großkurth, der stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist.

Ohne ihn gäbe es das Kloster Cornberg wohl nicht mehr: Der Heimat- und Verkehrsverein Cornberg feiert 50. Geburtstag. Das aktuelle Projekt: die Wanderwege um die Gemeinde. 

Das Ziel vor 50 Jahren: den Ort verschönern und den Tourismus fördern. „Das Dorferneuerungsprogramm gab es noch nicht“, sagt Bürgermeister Achim Großkurth, der auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist.

Die in den 30er-Jahren aus dem Boden gestampften Reihenhäuser der Siedlung Cornberg haben zwar zumeist schöne Gärten – von der Straße aus betrachtet sei Cornberg aber ausgesprochen schlicht dahergekommen, so Großkurth. „Cornberg hatte nicht den besten Ruf. Da musste was passieren. Es sollte schöner werden – und ich finde, wir haben Einiges geschafft“, sagt der 95-jährige Günter Siersleben. Er ist neben Anneliese Fichtner eines von zwei noch lebenden Gründungsmitgliedern, die dem Verein bis heute treu sind.

Siersleben rekrutierte damals im Bereich des Bahnhofes Mitglieder. Damit waren er und seine Mitstreiter außerordentlich erfolgreich. Schon nach einem Monat hatte der Verein weit über 169, bald sogar mehr als 200 Mitglieder.

Eines der ersten Projekte war der Bau einer Schutzhütte bei den Drei Kreuzen. Das Schutzhüttenfest wird bis heute gefeiert.

Mitglieder verhinderten den Totalabriss des Klosters

Außerdem war das Schicksal des Klosters von den Gründungstagen an eng mit dem Verein verknüpft. 20 Jahre lang rang man mit der Gemeinde, die eine Revitalisierung für zu teuer hielt, um den Erhalt des historischen Gebäudes. „Die Mitglieder haben den Totalabriss verhindert“, sagt Bürgermeister Großkurth. 

„Auch das Land hat sich damals sehr lang vornehm zurückgehalten“, fügt Siersleben hinzu. Als in den Jahren vor der Wiedervereinigung viel Geld da war, gab es dann schließlich doch noch Unterstützung vom Land. Nun kümmert sich der Verein unter anderem um den Betrieb des Sandsteinmuseums und darum, dass die archäologischen Besonderheiten des Steinbruchs für Gäste zugänglich gemacht werden.

In der Anfangszeit war der Verein sogar einmal politisch eine treibende Kraft. Er forcierte im Bereich Tourismus (Verkehr steht im Vereinsnamen für Fremdenverkehr) die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Rockensüß, Königswald, Diemerode, Heyerode, Berneburg und Rautenhausen. Die Bestrebungen, Touristen anzulocken, wurden jedoch bald wieder aufgegeben. „Es gab damals die Welle ‘Urlaub auf dem Land’. Aber die wurde dann von der Italien-Welle abgelöst“, sagt Großkurth.

Die Chronik als Großprojekt

Erfolgreich war der Verein hingegen bei der Gebietsreform. In Verhandlungen mit der Landesregierung wurde ein freiwilliger Zusammenschluss mit Rockensüß erreicht. 1972 kam Königswald hinzu. „Ohne das Drängen der Vereinsmitglieder wären die bis dahin selbstständigen Gemeinden den Nachbarstädten zugeordnet worden und hätten nur noch wenig Mitspracherecht gehabt“, sagt Großkurth.

Eines der jüngsten Großprojekte war die Erstellung der 592 Seiten starken Chronik „Zeitreise durch Cornberg“. „Wir wollten die Gelegenheit nutzen, solange wir noch Zeitzeugen aus den Anfangsjahren der Siedlung haben“, sagt Renate Simon. Sie hat nach Karl-Heinz Benke (1969 bis 1986), Heinz Moch (1986 bis 2002) und Stefan Wengelinski (bis 2008) vor zehn Jahren den Vorsitz übernommen. „Als ich mit meinem Kiosk – durch den ich ja fast das ganze Dorf kennengelernt habe – aufgehört habe, hatte ich auf einmal sehr viel Zeit. Es macht mir Spaß, Cornberg voranzubringen“, sagt sie.

Derzeit kümmert sich der Verein verstärkt um die Wanderwege rund um Cornberg. „Neumitglieder sind uns jederzeit willkommen. Wir sind etwas überaltert. Man darf auch gerne eigene Ideen mitbringen“, sagt die Vorsitzende.

Am Freitag, 12. April, findet genau 50 Jahre nach der Gründung die Jahreshauptversammlung ab 19 Uhr im Kloster Cornberg statt.

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