Vergleich mit Zigaretten und Bier war unangebracht

Eltern in Cornberg ärgern sich über Kita-Gebühren

Die Betreuung wird in der Kita Löwenzahn in Cornberg ab März teurer: Das ärgert viele Eltern, weil sie mehr bezahlen müssen und der Beschluss innerhalb weniger Wochen umgesetzt wird. Foto:  V. Fischer

Königswald. Die Kita-Gebührenerhöhung in Cornberg hat bei der dortigen Elternschaft für ziemlich viel Aufregung gesorgt. Besonders die Umrechnung der Gebühr in Zigaretten und Bier halten viele für unangebracht.

Das berichtet Konstanze Hott, Vorsitzende des Elternbeirats der Kita Löwenzahn. Seit der Gemeindevertretung vor einer Woche haben sich viele Eltern an die Vorsitzende gewandt.

Sie beklagen, dass die Gebührenerhöhung von jetzt auf gleich umgesetzt werde. Die Gemeindevertreter entschieden am 9. Februar darüber, die Erhöhung tritt bereits am 1. März in Kraft. „Für viele Eltern bleibt kaum Zeit, sich zu überlegen, ob und wie sie ihre Kinder weiter betreuen lassen sollen“, erklärt Hott. Denn die 20 Euro, die Heinrich Peitzmeier von der CBL in der Sitzung als Richtwert nannte, seien untertrieben. In vielen Fällen sei es ein deutlich höherer Betrag.

„Die Erhöhung wird die Eltern ab 30 Euro aufwärts im Monat pro Kind kosten“, rechnet Hott vor. Bei einer Betreuung eines unter drei Jahre alten Kindes von 7 bis 12.30 Uhr habe man vorher 105 Euro zahlen müssen. Die neue Gebührenordnung sieht ab März 135 Euro vor. Schlimmer treffe es aber die Eltern, die ihre unter drei Jahre alten Kinder von 7 bis 15 Uhr betreuen lassen. Sie müssen statt 130 Euro ab März 197 Euro pro Monat zahlen. „Das sind 67 Euro mehr“, sagt die dreifache Mutter. Damit werde Cornberg im Vergleich zu Rotenburg, Bebra und Alheim die höchste Kita-Gebühr haben. Und das, obwohl Cornberg von der Infrasturktur her und dem Angebot an Arbeitsplätzen deutlich schlechter abschneide als die anderen Städte und Gemeinden.

Konstanze Hott

„Die Mütter aus Cornberg finden selten Arbeitsplätze im Ort, sie müssen weiter fahren - bis nach Eschwege oder Kassel. In Rotenburg und Bebra habe man es einfacher“, sagt Hott. Das sei auch der Grund, dass der Wunsch nach längeren Betreuungszeiten bei den Eltern aufkam. Den Hott auch anfangs unterstützte: „Hätte ich gewusst, dass die Gebühren dadurch schon am 1. März erhöht werden, hätte ich als Vorsitzende des Elternbeirats nach weiteren Möglichkeiten für eine gemäßigte Erhöhung gesucht.“ So war auch beispielsweise eine Staffelung der Erhöhung von den Eltern vorgeschlagen worden, aber die wurde von der Gemeinde abgelehnt und von einem Gemeindevertreter als „Wunschzettel“ bezeichnet worden.

Art und Weise ist ungerecht

„Alle Eltern waren bereit mehr zu zahlen, sie wissen das der Schutzschirm der Gemeinde viel abverlangt, aber wie das abgelaufen ist und was für Gebühren letztlich erhoben werden, das ist ungerecht“, beschreibt die 30-Jährige die momentane Stimmung bei der Elternschaft.

Das dann auch noch die 20 Euro in der Gemeindevertretersitzung als „vier Schachteln Kippen und zwei Kästen Bier“ umgerechnet wurden, empört Hott: „Das ist so unverschämt und nicht die Währung, mit der wir die Betreuung unserer Kinder berechnen.“ Als Protest lassen sich jetzt Cornberger Eltern mit Zigaretten und Bierflaschen fotografieren und stellen es bei dem Netzwerk Facebook ein.

Bis zum Redaktionsschluss war Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth zwecks Stellungnahme nicht zu erreichen.

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