Gudrun Rathke setzt auf Vorstellungskraft

Zum Träumen ins Kloster: Märchenerzählerin begeisterte in Cornberg

Gudrun Rathke bei der Erzählung des Märchens Dornröschen: Passend dazu spinnt sie ein wenig Wolle auf. Foto: Ernst

Cornberg. In eine wundersame Welt hat am Sonntag die Märchenerzählerin Gudrun Rathke die Besucher des Cornberger Klosters entführt und dabei bei vielen vergessen geglaubte Kindheitserinnerungen wieder hervorgeholt.

Was war das schön, als Kind zugedeckt bis zum Kinn, am Ende des Tages zum Einschlafen noch ein Märchen erzählt zu bekommen. Absolut nicht zum Einschlafen, aber in jedem Fall zum Träumen, sind die Märchenerzählungen von Gudrun Rathke.

Insgesamt 20 Stationen der Region läuft die studierte Germanistin an. Von Bad Hersfeld, über Sterkelshausen und Morschen, führte sie ihr Weg nach Cornberg. Im schönen Kloster begann sie dann mit ihren Märchenerzählungen auf ganz unnachahmliche Art. Mit einer tollen, sehr klassischen Wortwahl und vollkommen frei gesprochen, erzählte sie die dem gebannten Publikum aus ihrer großen Sammlung. Märchen der Gebrüder Grimm, sowie einige skandinavische und orientalische Geschichten befinden sich in ihrem Fundus. Das Sortiment ist breit gefächert.

Neben Dornröschen und dem Märchen über die drei Großmütterchen nahm sie die Zuhörer auch mit in den Orient bei der Geschichte über den Teppichweber. Aber es gab auch regionale Sagen. Wie die der Rittershäuser und Hochhäuser, die sich im Ulfetal um Grandenborn zugetragen haben soll.

Wichtig ist Rathke bei all ihren Märchen, dass sie beim Zuhörer etwas auslösen. Die Vorstellungskraft soll angeregt werden, und die Märchen sollen sich vor dem geistigen Auge abspielen.

Sie selbst hat während ihres Studiums nichts über die Gebrüder Grimm belegt. Das Interesse daran kam viel später auf, bei ihrer Arbeit an der Montessorischule in Kassel. Sie bewunderte die beruhigende Wirkung von Märchenerzählungen auf Kinder, die sich schwer konzentrieren konnten. Das war der Grundstein für ihre Ausbildung an der Akademie in Remscheid.

Die Zwischenstation in Cornberg ist für sie auch etwas ganz Besonderes. Denn vor 28 Jahren hat ihr Mann sie an ihrer Hochzeit über die Schwelle der Eingangstür getragen. Damals allerdings noch nicht restauriert. Umso glücklicher ist sie darüber, dass der Ort mit dem sie so eine schöne Erinnerung verbindet, heutzutage so toll wiederhergestellt ist. Bei ihrer Reise kommt sie auch nie unter Zeitdruck: „Ich bin immer ohne Uhr unterwegs, denn beim Erzählen vergisst man sowieso die Zeit“, scherzte Rathke zu Beginn ihrer Erzählungen.

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