Sommerinterview mit Bürgermeister Achim Großkurth

„Cornberg ist ruhig und besonnen durch die Coronakrise gekommen“

Ort zum Durchatmen: Wenn Zeit dafür ist, schaut Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth gerne im Steinbruch hinter dem Kloster vorbei.
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Ort zum Durchatmen: Wenn Zeit dafür ist, schaut Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth gerne im Steinbruch hinter dem Kloster vorbei.

Die Corona-Pandemie hat die Welt kräftig durcheinandergewirbelt. Was bedeutet das für die Kommunen? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Heute Achim Großkurth aus Cornberg.

Herr Großkurth, wie ist Cornberg bislang durch die Coronakrise gekommen?

Ruhig und besonnen. Die Bürgermeister des Landkreises haben viele Konferenzen abgehalten, damit es eine einheitliche Linie gibt. Aber man kann nicht sagen, dass man gut durch eine Krise gekommen ist, wenn Menschen sterben – auch in unserer Gemeinde. Das hat sensibilisiert. Unsere Friedhofshallen und Dorfgemeinschaftshäuser sind zum Beispiel noch zu. In Rockensüß hat das auch damit zu tun, dass vor dem DGH gerade Straßenbauarbeiten stattfinden. Aber die Veranstalter wissen auch, dass es immer jemanden gibt, der die Verantwortung für den Hygiene-Plan übernehmen muss.

Mussten Ihre Angestellten ins Homeoffice oder in Kurzarbeit?

Nein. Alle Rathausmitarbeiter haben ein eigenes Zimmer und sind sehr gut mit der Situation umgegangen. Wenn etwas geklärt werden musste, hat das am Telefon funktioniert oder es ist mal jemand an die Rathaus-Tür gekommen. Auch in der Kita gab es keine Kurzarbeit. Die Erzieherinnen haben weiter gearbeitet und einen tollen Job gemacht: Sie haben renoviert und am Anfang selbst Masken genäht. Abstand einhalten ist im Kindergarten natürlich sehr schwierig, auch als es nur die Notbetreuung gab. Die Erzieherinnen gehen dabei also auch ein gewisses gesundheitliches Risiko ein.

Wie sieht es mit den Gemeinde-Finanzen aus?

Geplant haben wir 2020 mit einem Überschuss von 34 000 Euro. Ob das eingehalten werden kann, ist fraglich. Wir hoffen wie alle anderen Kommunen darauf, dass Bund und Land für unsere steuerlichen Ausfälle aufkommen.

Hat Corona auch positive Folgen?

Jeder kann sich derzeit mal Gedanken machen: Was ist wünschenswert, was ist wichtig und was ist absolut notwendig? Das Wichtigste ist die Gesundheit, das merkt man nun.

Die Pandemie ist schon für normale Hausarztpraxen eine große Herausforderung. Wie läuft es beim Medibus?

Die Patienten haben sich rücksichtsvoll und vorsichtig verhalten. Das Team rund um die Ärztin ist super. An einem Vormittag kommen im Durchschnitt 30 Patienten, auch in Corona-Zeiten. Dabei sind auch immer mehr Leute aus anderen Kommunen. Man muss aber trotzdem immer wieder betonen: An der Versorgung mit Hausärzten muss sich grundsätzlich etwas ändern.

Ihre letzte Amtszeit endet am 30. November. Vier Wochen vorher findet die Wahl statt. Wie denkt ein Bürgermeister, der nicht mehr antritt, über die Wahl?

Ich bin gespannt, wer sich die Aufgabe zutraut. In Cornberg muss der Bürgermeister sehr viel Sacharbeit machen. Ich habe in meiner Anfangszeit stundenlang Akten gewälzt, obwohl ich Verwaltungserfahrung hatte. Ich lese alle wichtigen Dokumente selbst und schaue auf Baustellen täglich vorbei. Im Cornberger Rathaus gibt es aber auch abgesehen vom Bürgermeister ein sehr eingespieltes Team. Auch guter Austausch mit Nachbarkommunen und Ehrenamtlichen ist unerlässlich.

Alle drei Fraktionen des Cornberger Parlaments haben im Mai auf Anfrage unserer Zeitung signalisiert, dass sie einer Fusion Cornbergs positiv gegenüberstehen. Gab es Gespräche?

Vorweg: Ich denke nach wie vor, dass ein Zusammenschluss mit einer anderen Kommune keine Probleme löst. Es gab dahingehend auch keine Gespräche. Keine der im Parlament vertretenen Fraktionen ist diesbezüglich auf den Gemeindevorstand zugekommen. Das Thema hätte ja durchaus auch auf die Tagesordnung der jüngsten Parlamentssitzung kommen können, man hätte den Gemeindevorstand mit Gesprächen beauftragen können. Es gab aber keine Anträge. Den Ball muss ich also zurückspielen.

Welche Projekte liegen Ihnen für den Rest Ihrer Amtszeit noch am Herzen?

Ich würde gerne eine Foto-Dauerausstellung über die Geschichte des Cornberger Steinbruchs einrichten. Heute sieht man vom Abbaugeschehen ja nicht mehr viel – es gibt dazu aber historische Fotos, die zusammengetragen werden sollen. Außerdem soll im Rahmen des Bergbau-Radwegs möglichst schnell eine gute Verbindung nach Berneburg hergestellt werden – daran arbeiten wir mit der Stadt Sontra. Für die Wanderwege sind Bänke und Hinweistafeln geplant. Auch die Heizungen für die Friedhofshallen in Königswald und Rockensüß sollen noch kommen. Und ich bin ja auch Vorsitzender des Abwasserzweckverbands. Dort haben wir gerade Kanalsanierungs-Projekte in Millionenhöhe in Herleshausen, Nentershausen und Hohenroda in Auftrag gegeben.

Was ist mit der Dorflinde in Königswald, wo saniert werden soll?

Das soll ja mit Eigenleistung der Bürger geschehen. Das war bislang wegen der Corona-Regeln schwierig. Unsere beiden Bauhof-Mitarbeiter haben im Moment zahlreiche Projekte – wenn die Königswälder Bevölkerung auf uns zukommt, werden wir aber versuchen, uns auch darum zu kümmern.

Die Internetseite der Gemeinde ist seit mehreren Monaten nicht mehr online. Wann soll sie wieder erreichbar sein?

Der Auftrag zur Überarbeitung wurde vor der Corona-Krise vergeben. Unsere zuständige Mitarbeiterin geht in Kürze in Mutterschutz. Ich hoffe, dass wir noch kurzfristig die neugestaltete Homepage wieder online stellen können.

Vieles, was den Corona-Alltag geprägt hat und bis heute prägt, ist in Wiesbaden entschieden worden. Welche Schulnote würden sie dem Krisenmanagement der Landesregierung geben?

In den meisten Fällen wurden die Entscheidungen mit der nötigen Vorsicht getroffen und waren angemessen. Schwierig war es bei den Kitas. Da gab es Empfehlungen, gleichzeitig hieß es aber, man habe in dem Bereich eigentlich nichts zu sagen. Das haben wir dann mit tollem Einsatz der Erzieherinnen und auch mit Verständnis der Eltern gemeistert. Unter dem Strich bekommt die Landesregierung von mir für das Krisenmanagement ein „Gut“. (Christopher Ziermann)

Zur Person

Achim Großkurth (60) ist seit 2002 Bürgermeister der Gemeinde Cornberg. Er stammt aus Rockensüß, wo er auch heute noch mit seiner Frau Doris lebt. Sie haben drei erwachsene Kinder. Großkurth hat in Gießen Landwirtschaft studiert und arbeitete vor seinem Bürgermeisteramt als Leiter des Umwelt-, Bau- und Planungsamtes in Alheim. 

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