Sommerinterview mit Katja Gonzalez Contreras

Cornbergs Bürgermeisterin: „Die ARD wollte ein negatives Bild zeichnen“

Das Foto zeigt Cornbergs Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras am Glockenteich ihrer Gemeinde.
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Viel Potenzial: Der Sandsteinbruch in Cornberg soll für den Tourismus, aber auch für Schülergruppen, künftig stärker genutzt werden. Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land, dem die Gemeinde beitreten möchte, habe bereits Unterstützung angekündigt, sagt Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras, hier am Glockenteich.

In unserem Sommerinterview verschafft Cornbergs Bürgermeisterin Katja Gonzalez Contreras ihrer Enttäuschung über einen „Tagesthemen“-Beitrag über ihre Gemeinde etwas Luft.

Cornberg – Was wird aus dem Kloster in Cornberg? Wo liegen die größten Probleme in der Gemeinde? Und was sagt die Bürgermeisterin eigentlich zu dem „Tagesthemen“-Beitrag über Cornberg, der kürzlich in der ARD lief? Zum Abschluss unserer Bürgermeister-Sommerinterview-Reihe haben wir uns mit Katja Gonzalez Contreras (parteilos) unterhalten. Die 48-Jährige ist im November 2020 zur Nachfolgerin des langjährigen Bürgermeisters Achim Großkurth gewählt worden und die einzige Bürgermeisterin im Landkreis.

Frau Gonzalez Contreras, knapp ein Jahr nach Ihrem Wahlerfolg: Bereuen Sie heute Ihre Kandidatur oder haben Sie alles richtig gemacht?
Nein, ich bereue das nicht. Im Gegenteil. Ich werde sehr oft bestätigt indem, was ich hier tue und fühle mich sehr wohl hier in der Verwaltung und in meiner Position.
Was gefällt Ihnen daran, Bürgermeisterin zu sein?
Dass der Aufgabenbereich so flexibel ist. Auch die Bürgernähe gefällt mir. Man kommt mit vielen Menschen in Kontakt, mit denen man sonst gar nicht erst ins Gespräch gekommen wäre. Viele Dinge werden einem zugetragen, die man sonst nicht erfahren hätte. Das ist schon sehr spannend und abwechslungsreich.
Viel Gestaltungsspielraum in Ihrem Amt haben Sie wegen der angespannten Finanzlage ja nicht gerade.
Das stimmt natürlich. Wenn wir bei „Wünsch Dir was“ wären, würde ich mir mehr finanzielle Mittel wünschen. Das würde vieles einfacher machen und dann wäre auch der Gestaltungsspielraum etwas größer.
Wofür bräuchten Sie am dringendsten mehr Geld?
Wir würden gern den Tourismus und den Fahrradwegausbau voranbringen. Allgemein ist der Straßenbau natürlich auch immer ein Thema. Und wir würden uns wünschen, dass wir die Kita anbauen oder ausbauen könnten.
Kürzlich haben die ARD-„Tagesthemen“ Ihrer Gemeinde vier Minuten Sendezeit gewidmet. Es ging um ein Stimmungsbild zur Bundestagswahl. In dem Beitrag hieß es, Cornberg sei „politisch gespalten“, ein „gebeutelter Ort“, in dem viele Arbeitslose lebten, in dem sich viele Menschen abgehängt fühlten. Was sagen Sie dazu?
Von diesem Beitrag bin ich sehr enttäuscht. Auch ich habe dem Fernsehteam ein langes Interview gegeben. In den „Tagesthemen“ war davon aber nichts zu sehen. Uns wurde vorab versichert, dass man die Lage in Cornberg ausgewogen und sachlich darstellen und unsere Gemeinde nicht in ein schlechtes Licht rücken würde. Aber genau das ist geschehen. Es wurden Zugezogene interviewt, es wurde nachgehakt, manche Dinge wurden verzerrt und aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt. Die ARD wollte offenbar ein negatives Bild zeichnen. Wir sind bestimmt kein Dorf, das eine große Infrastruktur hat, aber so schlecht, wie sie dargestellt wurde, ist sie ganz sicher nicht.
Erleben Sie denn Ihre Heimatgemeinde derart „gespalten“ und „gebeutelt“, wie in dem Beitrag suggeriert wurde?
Nein, überhaupt nicht. Das war ja auch genau das, was ich vor der Kamera gesagt habe. Ja, wir hatten einen hohen AfD-Anteil bei den letzten Wahlen (Anm. d. Red.: Bundestagswahl: 17,9 Prozent, Landtagswahl: 22,3 Prozent). Aber das sind, so glaube ich, viele Protestwähler und nicht Menschen, die auf die rechte Schiene geraten sind.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Probleme in Cornberg?
Da sind wir ganz schnell wieder bei den fehlenden finanziellen Mitteln – als Kommune, aber auch in der Bevölkerung. Wir haben zwei große Firmen im Ort, die beide in Kurzarbeit sind. Es ist noch nicht so lange her, dass die Firma Polytec zugemacht hat (Anm. d. Red.: 2019, 40 Menschen wurden gekündigt). Das sind natürlich alles Dinge, die negative Folgen auch für unsere Gemeinde mit sich bringen und die sich logischerweise auch finanziell negativ auswirken.
Neu ist in Cornberg ja nicht nur, dass jetzt eine Frau die Geschicke der Gemeinde leitet, auch das neue Gemeindeparlament ist teils völlig neu zusammengewürfelt. Wie klappt die Zusammenarbeit?
Das klappt bisher ganz gut. Es sind sehr viele Neue dabei, ich selbst bin auch noch nicht so erfahren, was die Zusammenarbeit hier und da durchaus spannend macht. Aber wir sind auf einem guten Weg.
Ganz anders als die „Tagsthemen“ blickt der Geschäftsführer des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land, Marco Lenarduzzi, auf Ihre Gemeinde, nämlich durchweg positiv. Er sagte kürzlich, dass Cornberg eine „große Bereicherung“ für den Naturpark wäre. Wie ist der Stand der Beitrittsgespräche?
Am 2. September ist die nächste Verbandsversammlung des Geo-Naturparks, auf der dann auch eine Entscheidung getroffen wird, ob wir aufgenommen werden. Wir sind also ganz gespannt.
Wie sieht’s bei der Pächtersuche für das Kloster aus?
Erfreulicherweise sehr gut. Wir haben viele Bewerber mit tollen Konzepten. Ich bin zuversichtlich, dass wir Anfang 2022 wieder einen Pächter im Kloster haben werden.
Die Ferien sind ja jetzt schon wieder vorbei. Hatten Sie wenigstens Gelegenheit, auszuspannen?
Ja, ich habe meinen Jahresurlaub schon genommen. Eigentlich wollten wir an die Ostsee fahren, mussten diesen Plan allerdings kurzfristig ändern, weil unser Gastgeber einen Wasserrohrbruch hatte. Deshalb sind wir spontan zum Campen nach Österreich gefahren.

Zur Person

Katja Gonzalez Contreras (48) ist in Cornberg aufgewachsen und lebt seitdem in ihrer Heimatgemeinde. Nach dem Fachabitur an den Beruflichen Schulen Bebra absolvierte sie eine Ausbildung im mittleren Verwaltungsdienst und studierte in Fulda Soziale Inklusion in der Verwaltung auf Bachelor. Bevor sie im November 2020 zur Bürgermeisterin gewählt wurde, hatte sie als Fallmanagerin und Social Coach im Jobcenter des Landkreises gearbeitet. Katja Gonzalez Contreras ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

(Sebastian Schaffner)

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