Bahnhofsmission, Suppenküche und Tagesaufenthalt ebenfalls dicht

"Für viele wird das hart": Auch Tafeln in Hersfeld-Rotenburg müssen schließen

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Die letzte Notausgabe im Freien: Bei der Tafel in Bad Hersfeld wurden die noch vorhandenen Lebensmittel am Montag vor die Tür gestellt. Ab sofort sind alle Tafeln im Kreis geschlossen. Im Bild Helferin Edeltraud Iwan.

Die einen hamstern, andere müssen auch in Krisenzeiten aufs Geld schauen. Doch wegen des Coronavirus sind nun auch die Tafeln und weitere Angebote für Bedürftige dicht.

In Bad Hersfeld wurden die letzten Lebensmittel am Montag in Kisten draußen vor die Tür gestellt, die normale Ausgabe fand bereits nicht mehr statt. Die Bahnhofsmission samt Kleiderkammer muss ebenfalls vorerst geschlossen bleiben.

Diese Entscheidung habe man gemeinsam und „schweren Herzens“ getroffen, sagt Leiterin Silvia Hemel, die sich nach einem Urlaub in Österreich zurzeit selbst vorsorglich in freiwilliger häuslicher Quarantäne befindet. „95 Prozent unserer ehrenamtlichen Helfer sind über 60 Jahre alt und einige gehören auch aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe“, erklärt sie. „Wir würden gerne weitermachen, aber das wäre unverantwortlich.“

Silvia Hemel, Leiterin Tafel Bad Hersfeld

Die gemeinnützigen Tafeln sammeln überschüssige, aber qualitativ noch einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte. „Ich bekomme nur eine kleine Rente und nutze das Angebot zweimal im Monat“, berichtete eine ältere Dame, die am Montag noch gekommen war und von der Information über die drohende Schließung überrascht wurde. Etwa 800 Personen nutzen die Ausgabe in der Tafel und in der Bahnhofsmission, so Hemel.

„Alle unsere Ehrenamtlichen gehören zur Risikogruppe“, sagt auch Jens Haupt, Geschäftsführer des Diakonie-Zweckverbands in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg als Träger. „Unsere Türen sind zu. Ausgerechnet für die Diakonie ist das natürlich der Gau“, bedauert Haupt. Die Beratungsangebote der Diakonie sowie der Tagesaufenthalt für Obdach- und Wohnungslose in der Kreisstadt sind ebenfalls betroffen. Haupt betont aber auch: „Wir lassen den Kontakt nicht abbrechen.“ Mit Klienten, die hilfs- und beratungsbedürftig seien, halte man telefonischen Kontakt. Die Mitarbeiter seien da und könnten angerufen werden.

Im Tagesaufenthalt und in der Beratungsstelle an der Dudenstraße sollen die Tagessätze für Bedürftige künftig im Umschlag durch die Tür gereicht werden, durchs Fenster soll ein Mittagessen ausgegeben werden. Eventuell ließen sich auch für die Angebote der Tafel und der Bahnhofmission noch Lösungen und Alternativen finden, so Haupt. Er appelliert aber ebenso an die Gesellschaft, sich, wo möglich, gegenseitig zu unterstützen und individuelle Ideen zu entwickeln.

Dagmar George, Leiterin Tafel Bebra/Rotenburg

Auch die Tafeln in Bebra und Rotenburg sind ab sofort geschlossen, gleiches gilt für die Suppenküche, die Kleiderkammer und das Sozialcafé. „Für viele wird das hart“, fürchtet Leiterin Dagmar George. Über 160 Haushalte in Bebra und Rotenburg nutzten die Angebote regelmäßig. Alle, die zu erreichen waren, wurden telefonisch über die Schließungen informiert. „Einige wusste es schon, aber viele waren erschrocken.“ (nm)

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