Nur im Becher

In Hersfeld-Rotenburg darf man wieder Eis schlecken: Das sind die Regeln

50 Meter: So viel Abstand müssen Kunden von Eisdielen derzeit einhalten, bevor sie offiziell ihr Eis essen dürfen. Auf unserem Foto deutet unsere Redaktionsassistentin Christina Neuber mit einem Zollstock beispielhaft an, wie groß die Entfernung zur Eisdiele Eisbear (ganz hinten) in Bad Hersfeld sein müsste. 
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50 Meter: So viel Abstand müssen Kunden von Eisdielen derzeit einhalten, bevor sie offiziell ihr Eis essen dürfen. Auf unserem Foto deutet unsere Redaktionsassistentin Christina Neuber mit einem Zollstock beispielhaft an, wie groß die Entfernung zur Eisdiele Eisbear (ganz hinten) in Bad Hersfeld sein müsste. 

Eis essen ist einfach – könnte man meinen, doch in Zeiten von Corona ist das gesetzeskonforme Schlecken nicht so simpel wie sonst.

Wer eine Stracciatella-Kugel von der Lieblingseisdiele vernaschen will, muss sich vorher weit genug von der Eisdiele entfernen: 50 Meter, so wollen es die strengen Regeln. Aber was tun, wenn das Eis auf den Schuh tropft? Die Nachbarn in Niedersachsen haben da eine Lösung gefunden und das „Anlecken“ erlaubt. Und in Hessen? Hat man dem Problem in weiser Voraussicht ein Schnippchen geschlagen.

Dass Eisdielen seit dieser Woche wieder öffnen dürfen, ist angesichts des frühsommerlichen Wetters für viele Menschen auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg eine gute Nachricht. Wer sorgenfrei schlecken will, muss allerdings die Regeln kennen. Da hilft ein Blick in die aktuellste „Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus“. Es beginnt bereits damit, dass Eisdielen nur dann öffnen dürfen, wenn sie ihre Produkte an einer Theke zum Mitnehmen anbieten – wo wiederum der Sicherheitsabstand eingehalten werden mus. Einen Erdbeerbecher auf der Eisdielen-Terrasse genießen? Ist derzeit nicht erlaubt.

Zudem weist die hessische Landesregierung in ihrer Verordnung explizit darauf hin, „dass der Verzehr im Umkreis von 50 Metern um die Eisdiele untersagt“ ist. Heißt: Bestellen, bezahlen und dann einfach losschlecken – ebenfalls verboten.

In Niedersachsen, wo eine ähnlich formulierte Verordnung gilt, hat das 50-Meter-Verzehrverbot offenbar zu kritischen Nachfragen geführt. Anders lässt sich das Statement des Landes auf seiner Internetseite nicht erklären. Dort heißt es in bestem Beamtendeutsch wörtlich: „Bei der Anwendung der Verordnung darf insofern pragmatisch vorgegangen werden, als durch erstes rasches Lecken an einer Eiskugel während des zügigen Sichentfernens von der Eisdiele ein Heruntertropfen des Eises auf Kleidung oder Fußboden verhindert werden darf. “

Aber, und da kennt man selbst in Niedersachsen kein Pardon: „Für den Verzehr des Resteises gilt jedoch der Abstand von 50 Metern.“ Andernfalls, heißt es im eigens aufgestellten Corona-Bußgeldkatalog, droht eine Strafe in Höhe von 150 Euro.

In Hessen dagegen wird kein rasches Lecken während des Sichentfernens nötig sein. „Diese Frage stellt sich bei uns nicht“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums für Soziales und Integration, das für Fragen rund um die Corona-Verordnungen zuständig ist, auf Anfrage unserer Zeitung. Denn: In der aktuell gültigen Verordnung stehe schließlich auch geschrieben, dass an der Verkaufstheke der Eisdiele sichergestellt werden muss, „dass das Speiseeis in nicht essbaren Behältnissen verkauft wird“.

Heißt: Pappbecher sind erlaubt, Waffelhörnchen nicht. In Hessen darf also nur „gebechert“ werden. „Da das Eis aus einem Becher nicht heruntertropft und man es deshalb nicht anlecken muss, wird es bei uns auch keine Ausnahme geben“, so die Sprecherin.

Wie ein Verstoß gegen die Eisdielen-Regel hierzulande geahndet werden würde, ist übrigens noch gar nicht im hessischen Corona-Bußgeldkatalog vermerkt und soll „in Kürze“ ergänzt werden. Man könne sich aber an dem bereits bestehenden Regelsatz orientieren, der bei „Nichtbeachtung der Vorgaben zu Hygienemaßnahmen“ greift, heißt es aus dem Ministerium. Das wären 200 Euro.

Für das Geld könnte man sich auch eine eigene Eismaschine kaufen.

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