Beerdigungen nur im kleinen Kreis

Trotz Corona-Beschränkungen: Keine Kontrolle an Friedhöfen im Kreis

Ense Eine Frauenfigur lehnt am Donnerstag (10.11.2011) in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof an einem Grabstein. Am Sonntag (13.11.2011) erinnert der Volkstrauertag die Menschen alljährlich an die Opfer von Krieg und Gewalt. Foto: Angelika Warmuth dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Auch für Beerdigungen gelten wegen der Corona-Pandemie bestimmte Regeln. Nur engste Angehörige dürfen sich am offenen Grab versammeln.

Bei Trauerfällen rücken Familien im Regelfall näher zusammen. In Zeiten von Corona gibt es dafür Grenzen. Wir haben uns in den Rathäusern, bei Bestattern und der Kirche umgehört.

Bei Bestattungen kommt zur Trauer über den Verlust eines Angehörigen nun noch die Trauer, den Abschied nicht so gestalten zu können, wie es der Verstorbene wollte und die Hinterbliebenen es möchten.

Ein Gottesdienst in der Friedhofskapelle beispielsweise ist derzeit nicht möglich. Die Angehörigen, und zwar nur aus dem engsten Familienkreis, sollen sich am offenen Grab versammeln. Darauf haben sich die Bürgermeister im Landkreis verständigt, so ihr Sprecher Harald Preßmann (Hauneck). Ausnahmsweise können die Kapellen bei sehr schlechtem Wetter genutzt werden. Die Ordnungsämter der Kommunen sind dafür verantwortlich, gegebenenfalls die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren. Das gilt insbesondere für die Personenzahl. Bislang gab es laut einer Umfrage unserer Zeitung im Landkreis keine Vorfälle, in denen sich Trauernde den Regeln widersetzten – im Gegensatz zum Kreis Kassel, wo nun mancherorts bei Beerdigungen Betretungsverbote auf dem Friedhof gelten, weil zuvor „zufällig“ viele Gäste zum Blumengießen kamen.

Verständnis für Einschränkungen

„Für eine Einlasskontrolle am Friedhof sehe ich überhaupt keine Notwendigkeit. Da steht uns als Ordnungsbehörde Fingerspitzengefühl gut zu Gesicht. Eine Beerdigung muss auch derzeit pietätvoll und würdig sein“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Die Kommunikation mit Bestattern und Pfarrern diesbezüglich sei sehr gut, die Hinterbliebenen hätten Verständnis für die Einschränkungen. Ähnlich sind auch die Rückmeldungen aus anderen Rathäusern.

Die Frage, wie viele Gäste zu einer Beerdigung kommen dürfen, ist nicht mit einer eindeutigen Zahl zu beantworten. Auf die Frage, ob es eine Höchstzahl gebe, antwortet beispielsweise Heringens Bürgermeister Daniel Iliev „mit einem klaren Jein“. Zur Trauergemeinde sollten nur die engsten Angehörigen gehören. Das Land Hessen gibt für Beerdigungen ebenfalls keine Höchstzahl vor, teilt das Sozialministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Für Beerdigungen könnten Ausnahmen vom Versammlungsverbot gemacht werden – zuständig sind die lokalen Behörden, so Pressesprecherin Alice Engel.

Eine konkrete Personenzahl nennen auch die befragten Kreis-Kommunen nicht. Es gilt also, wie fast bei allem derzeit: Im Zweifel nachfragen. Beim Bestatter, beim Pfarrer und in letzter Konsequenz beim Ordnungsamt.

Nähe schaffen per Brief oder Anruf

Getrauert werden muss auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Das betonen die beiden Dekane des Landkreises, Gisela Strohriegl und Dr. Frank Hofmann. Dass für eine Beerdigung nur noch die engsten Angehörigen zusammenkommen dürfen, macht das Trauern zu einer Herausforderung, so Strohriegl. „Bei einer Beerdigung bekommt die Familie normalerweise Beistand von andere Verwandten, Freunden und Nachbarn. Es geht um Zeichen von Nähe. Dazu gehört natürlich auch oft eine Umarmung.“ 

Nun müsse man auf eine andere Art Nähe schaffen. Zum Beispiel bei einem Gespräch über den Gartenzaun oder „mit dem guten alten Brief oder einem Anruf“, sagt ihr Kollege Hofmann. Schon vor der Beerdigung stehen auch die Pfarrer derzeit vor ganz neuen Herausforderungen. Wenn sie zum Beispiel wissen, dass ein Hinterbliebener zu einer Risikogruppe gehört, wird auch das Trauergespräch mitunter am Telefon geführt. „Dabei bleibt natürlich viel auf der Strecke. Zu einem solchen Gespräch gehört auch die Körpersprache“, sagt Hofmann. Er rechnet damit, dass dem Ewigkeitssonntag dieses Jahr eine besondere Bedeutung zukommen könnte für Menschen, die nun in ihrer Verarbeitung eines Trauerfalls eingeschränkt sind. 

Auch nachgeholte Trauerfeiern in einigen Wochen seien eine Möglichkeit, falls dann die durch Corona bedingten Einschränkungen wieder gelockert sind. Dieser Zeitpunkt könne für die Hinterbliebenen sogar genau richtig sein, meint der Dekan. „Oft fällt man erst ein paar Wochen nach der Beerdigung in ein Loch, wenn einem der Verlust richtig bewusst wird.“ Eine Möglichkeit, allen Trauernden und nicht nur dem engsten Familienkreis gerecht zu werden, ist zum Beispiel die Videoübertragung einer Beerdigung. Dazu gebe es intern derzeit Überlegungen, so Hofmann. 

Videoübertragung in Bebra

In Bebra hat eine solche Videoübertragung schon stattgefunden, berichtet Ordnungsamtsleiter Friedhelm Eyert. Die Möglichkeit, eine Beerdigung gänzlich aufzuschieben, gibt es bei der Urnenbestattung. Normalerweise müssten Urnen innerhalb von sechs Wochen beigesetzt werden, so die Bad Hersfelder Bestatterin Anita Henniger. „Das wurde nun gelockert.“ Es sei auch schon vorgekommen, dass Angehörige diese Möglichkeit nutzen. Gleiches berichtet die Bebraer Bestatterin Heide Keßler – „obwohl Pfarrer und Seelsorger in der Regel zu einer zeitnahen Beisetzung raten, damit man nicht in der Luft hängt“. 

Grundsätzlich gilt: Wenn sich Hinterbliebene unsicher sind, ob etwas geht oder nicht geht, sollten sie sich nicht scheuen, Fragen zu stellen, sagen die Bestatter und die beiden Dekane. „Im Moment müssen viel mehr Dinge geklärt werden, die sonst selbstverständlich sind. Wir haben bisher mit den Hinterbliebenen stets eine Lösung gefunden“, sagt Strohriegel. (czi)

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