Von Behörden allein gelassen

Corona-Krise: Hausärzte im Kreis schlagen Alarm

Unser Symbolbild zeigt, wie in Stuttgart ein Abstrich für das Testverfahren  geöffnet wird. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
+
urn:newsml:dpa.com:20090101:200304-90-011905

Die niedergelassenen Ärzte im Kreis Hersfeld-Rotenburg fühlen sich in der Corona-Krise von den Behörden allein gelassen. 

„Vieles wird jetzt bei den Hausärzten abgeladen“, moniert deren Sprecher im Landkreis, Dr. Martin Ebel. Auch der Bundesverband der Hausärzte spricht von einer „unzumutbaren Situation“.

So sollen Hausärzte Testmöglichkeiten organisieren, dabei gebe es in den Praxen oft nicht einmal genug Schutzkleidung. Diese Kritik sei auch beim jüngsten Treffen fast aller Hausärzte des Kreises im Klinikum laut geworden. Ohnehin seien die Praxen wegen typischer saisonaler Erkältungskrankheiten stark beansprucht. Hinzu käme jetzt erhöhter Beratungsbedarf wegen der Corona-Verunsicherung, so Ebel.

Unterdessen hat das hessische Sozialministerium auf diese Kritik reagiert und gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung seit Anfang der Woche elf zentrale Untersuchungsstellen an Standorten des ärztlichen Bereitschaftsdienstes eingerichtet. Für den Landkreis ist keine geplant. „Wer befürchtet, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, soll auf keinen Fall in die Hausarztpraxis gehen, sondern die Nummer des ärztlichen Notdienstes 116 117 anrufen oder den Hausarzt telefonisch kontaktieren“, mahnt Dr. Sebastian Auel, Obmann der Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis. Zudem hätten sich die Kassenärztlichen Vereinigungen darauf geeinigt, dass Krankschreibungen von bis zu sieben Tagen auch ohne persönlichen Kontakt möglich seien, wenn Patienten an leichten Erkrankungen der oberen Atemwege erkrankt sind und keine schweren Symptome aufweisen oder die Kriterien für einen Verdacht auf eine Corona-Infektion aufweisen. Diese Regel gelte zunächst für vier Wochen. Damit sollen auch die Mitarbeiter der Arztpraxen vor Infektionen geschützt werden, die schlimmstenfalls zu einer Schließung der Praxen führen könnten.

Dr. Ebel kritisiert, dass es zu wenige Vorräte an Mundschutz, Schutzanzügen und Desinfektionsmittel gebe. Bis zur Wiedervereinigung habe es zur Vorsorge im Krisenfall entsprechende Vorratslager gegeben. 

Die CDU-Fraktion im Bad Hersfelder Stadtparlament schlägt in Rücksprache mit örtlichen Ärzten vor, ein temporäres Corona-Testzentrum in einer der städtischen Liegenschaften einzurichten. Die elf Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung liegen alle außerhalb des Kreises. Die CDU schlägt das frühere Technische Rathaus an der Landecker Straße oder die Stadtkasse Am Treppchen vor. Niedergelassene Ärzte im Kreis begrüßen diesen Vorschlag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.