Vater wendet sich an Zeitung

Corona-Selbsttests: Bei Schulen in Hersfeld-Rotenburg melden sich auch zweifelnde Eltern

Testpflicht an Schulen: Lehrkräfte, aber auch ehrenamtliche Mitarbeiter der DRK-Kreisverbände unterstützen Schülerinnen und Schüler im Landkreis bei Bedarf beim Selbsttest. Unser Symbolbild wurde allerdings an einer Grundschule in Berlin aufgenommen.
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Testpflicht an Schulen: Lehrkräfte, aber auch ehrenamtliche Mitarbeiter der DRK-Kreisverbände unterstützen Schülerinnen und Schüler im Landkreis bei Bedarf beim Selbsttest. Unser Symbolbild wurde allerdings an einer Grundschule in Berlin aufgenommen.

Seit dem Ende der Osterferien besteht Testpflicht für Schülerinnen und Schüler in Hessen, die am Präsenzunterricht oder der Notbetreuung teilnehmen.

Hersfeld-Rotenburg – Zweimal wöchentlich müssen sich Kinder und Jugendliche in der Schule selbst testen oder einen aktuellen Test aus einem Testzentrum mitbringen. Diese Vorgabe stößt bei manchen Eltern auf Skepsis bis Ablehnung.

So berichtet die Leiterin der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule, Sabine Amlung, dass eine Liste mit 90 Unterschriften gegen die Testpflicht bei ihr angekommen sei, darunter von vielen, die überwiegend aus einer Nachbarkommune stammten. Auch habe sie einen mehrseitigen Brief von einer Mutter bekommen. Der allerdings, das habe eine einfache Textrecherche gezeigt, stamme komplett aus dem Internet.

Allerdings habe sie auch schon intensive Gespräche mit skeptischen Eltern geführt. Unterm Strich, so berichtet Sabine Amlung, hat sie jedoch erst zwei Abmeldungen vom Unterricht registrieren müssen. „Ich bin gespannt, wie es bei der Rückkehr zu Wechsel- und Präsenzunterricht für alle aussieht“, sagt sie.

Entspannter geht es offenbar an der Gesamtschule Geistal in Bad Hersfeld und an der Brüder-Grimm-Gesamtschule (BGS) in Bebra zu: „Wir haben zwar mal Anfragen von Eltern, aber bis jetzt keine Ankündigung, die Kinder vom Unterricht abzumelden, wenn die Rückkehr zum Präsenzunterricht kommt“, sagt die stellvertretende Leiterin der BGS, Maike Gille. „Unsere Eltern sind sehr vernünftig“, findet sie. In den Abschlussklassen, die im Präsenzunterricht sind, sei der Selbsttest inzwischen „völlig normal“.

Dass es Diskussionen in der Elternschaft zur Testpflicht gibt, bestätigt auch Andrea Zimmermann, die Leiterin der Geistalschule. Ob Kinder tatsächlich abgemeldet werden, sei noch offen.

Das sagt das Kultusministerium

Die Testungen finden in der Schule statt, damit sie gerade zu Beginn des Angebots gemeinsam im Klassenverband oder der Lerngruppe durchgeführt werden können. So können die sachgemäße Anwendung der Antigen-Selbsttests und die korrekte Probenentnahme mit den Schülerinnen und Schülern am besten eingeübt werden. Für die Schulen ist es entscheidend, einen genauen Überblick über das schulische Infektionsgeschehen zu erhalten und dadurch mögliche Cluster identifizieren zu können. Schulamtsleiterin Anita Hofmann präzisiert: Es gebe Elternhäuser, die den Selbsttest zu Hause einfach nicht leisten könnten, genauso wie sie es nicht leisteten, dem Kind ein Frühstück mitzugeben. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. In Niedersachsen können Kinder zu Hause getestet werden.

Abmelden vom Unterricht – genau das müssen Eltern machen, wenn sie nicht wollen, dass ihr Kind einen Corona-Test in der Schule vornimmt oder in einem Zentrum getestet wird. Das Kind erhält dann Unterrichtsmaterial, das es sich erarbeiten muss.

„Diese Arbeit liegt dann auch in der Verantwortung der Eltern“, sagt die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Anita Hofmann. Ein Recht auf Zuschaltung zum Unterricht per Video zum Beispiel gebe es jedenfalls nicht, macht Hofmann deutlich. Die Lehrkräfte sollen nicht permanent doppelt arbeiten müssen. Sie seien ohnehin stark gefordert, weil sie im Wechsel Distanz- und Präsenzunterricht vorbereiten müssten.

Ob ein von Eltern heftig kritisierter Eintrag als „Fehltage“ ins Zeugnis kommen wird für alle Kinder, die vom Unterricht abgemeldet wurden, sei noch nicht entschieden, erklärt Anita Hofmann. Sie spricht insgesamt von einem reibungslosen Testverfahren. Im Werra-Meißner-Kreis seien aufgrund der niedrigeren Inzidenz bereits alle Schulen wieder im Wechselbetrieb, und die Erfahrungen dort seien positiv – selbst in den Förderschulen.

Eltern verweigerten aus unterschiedlichsten Gründen die Selbsttests – oft auch aus gesundheitlichen Gründen. Die Tests seien allerdings auf Sicherheit geprüft und einfach anzuwenden.

„Nicht alle finden die Testung schrecklich“, sagt Hofmann und spricht von einem Versuch, das Richtige zu tun, um größtmögliche Sicherheit für die Schulgemeinde zu erzielen.

Vater nennt Testpflicht Aktionismus

Christhard Bidlingmaier aus Braach ist Vater von drei Schulkindern. Und er sei weder Corona-Leugner noch Testgegner, erklärte er, als er sich an unsere Zeitung wandte. Aber in den verpflichtenden Selbsttests für Schüler sieht er einen Aktionismus, der zulasten der Kinder gehe und nichts mit praktischer Pandemiebekämpfung zu tun habe. Bidlingmaier verweist auf die Ansteckungsgefahr in vollen Schulbussen, die bei der Rückkehr zum Wechsel- und Präsenzunterricht drohe, durch massenhafte Begegnungen der Schüler, bis die gemeinsamen Tests durchgeführt seien und schließlich auf eine Stigmatisierung einzelner Kinder durch ein möglicherweise sogar falsche positive Testergebnisse. Wenn Eltern diesem Vorgehen nicht zustimmten, liege es daran, dass sie ihr Kind schützen möchten, glaubt der Familienvater. Dass Eltern ihr Kind nicht zu Hause testen dürften, zeige, dass das Land Eltern unter Generalverdacht stelle, die Tests nicht oder nicht korrekt vornehmen zu wollen.

Er plädiert dafür, von anderen Bundesländern zu lernen und bei den Regelungen nachzujustieren. Auch müsse das alternative Lernen zu Hause erleichtert und anerkannt werden. (Silke Schäfer-Marg)

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