Fünf Gründe für den Standort

Darum sollte die Bundeswehr die Alheimer-Kaserne weiter nutzen

Alt und neu: In der Alheimer-Kaserne auf dem Rotenburger Silberberg ist in den vergangenen Jahren viel investiert und viel gebaut worden. Unser Archivbild stammt aus dem Juli 2010, als gerade der Keller des neuen Wirtschaftsgebäudes (rechts) gebaut wurde. Die Entscheidung vom 26. Oktober 2011, den Standort zu schließen, hat die Bauarbeiten verzögert, das Wirtschaftsgebäude ist letztlich im Juli dieses Jahres übergeben worden. Genutzt wird allerdings nur die Truppenküche mit Kantine. Die Gesellschaftsräume bleiben ungenutzt. Im Hintergrund rechts ist das alte Wirtschaftsgebäude zu sehen, das inzwischen leer steht. Archivfoto: Schaake

Rotenburg. Das Verteidigungsministerium hat im Oktober 2011 beschlossen, die Alheimer-Kaserne in Rotenburg zu schließen. Das ist seither oft kritisiert worden, geändert hat es nichts. HNA-Redaktionsleiter Marcus Janz nennt fünf Gründe, warum es an der Zeit ist, die Entscheidung zu revidieren.

1. Zu viel Geld ist schon investiert worden, um die Kaserne abzuschreiben. 

Immer wieder ist von 40 Millionen Euro die Rede, die in die Sanierung des Standorts Rotenburg gesteckt wurden. Auch Bürgermeister Christian Grunwald nennt diese Summe in seinem Brief an Ministerin Ursula von der Leyen.

Ihr Ministerium spricht hingegen von rund 27,5 Millionen Euro. Bis zum Abzug der Bundeswehr sollen aber auch noch knapp 900.000 Euro in die Sanierung des Kanalnetzes investiert werden. So oder so: Große Teile der Kaserne sind von Grund auf saniert, inklusive Wirtschaftsgebäude, Turnhalle, Wachgebäude und mehrerer Truppenunterkünfte.

2. Die Sanierung anderer Standorte kommt noch teurer. 

Einige Kompaniegebäude und andere Einrichtungen müssten aber noch saniert werden. Nach nicht mehr aktuellen Ministeriums-Zahlen kostet das weitere 30 Millionen Euro.

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Aber: Die Sanierung anderer Standorte dürfte noch teurer werden. Für die marode Burgwaldkaserne in Frankenberg an der Eder hat das Ministerium knapp 40 Millionen Euro veranschlagt, und das war Ende 2012. Seither ist ein Sportplatz für knapp eine Million Euro gebaut worden. Derartige Investitionen sind in Rotenburg längst getätigt. Zwar müsste für einen Umzug des Frankenberger Eloka-Bataillons noch einmal Geld in die spezielle Ausrüstung der Einheit zur elektronischen Kampfführung gesteckt werden. Doch unterm Strich dürfte eine Verlagerung nach Rotenburg billiger sein.

3. Für die Feldjäger muss in Fritzlar neu gebaut werden. 

Die Standortreform sieht vor, dass das Feldjäger-Dienstkommando, das Revier der Militärpolizei, von Rotenburg nach Fritzlar umzieht. Nur gibt es dort noch gar keine geeigneten Räume. Sie müssen erst neu gebaut werden. Dafür hat die Einheit in Rotenburg derzeit das modernste Dienstkommando der Bundeswehr.

4. Die Aussichten für eine zivile Nutzung der Kaserne sind nicht gut. 

Lexikonwissen:

Die Kaserne im Regiowiki

Die Zwischenergebnisse einer Studie zur zivilen Zukunft der Alheimer-Kaserne sind ernüchternd. Ein Nachmieter ist nicht in Sicht, und ohne eine vernünftige Verkehrsanbindung (dritte Fuldabrücke) und eine Behörde als Ankermieter sieht es ganz düster aus.

Die Folge eines Leerstands: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der die Kaserne gehört, bleibt auf der Immobilie sitzen, hat keine Einnahmen und mehr Ausgaben. Und die Probleme, die Rotenburg und die Region ohne Kaserne und eine sinnvolle Nachnutzung bekommen, schlagen sich auch auf die öffentlichen Kassen nieder.

5. Es ist nie zu spät, eine falsche Entscheidung zu revidieren. 

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat die Strukturreform strikt durchgezogen. Deshalb hatte seine Nachfolgerin Ursula von der Leyen ein Argumentationsproblem, wenn es um die Weiternutzung der Alheimer-Kaserne ging: Gibt sie hier nach, dürften andere Orte, die die Bundeswehr ebenfalls verlässt, auch Ansprüche stellen. Außerdem sorgt eine Änderung an einer Stelle einer so komplexen Reform für Probleme an vielen anderen.

In der aktuellen Diskussion um marode Standorte und Geldverschwendung bei der Bundeswehr könnte die Alheimer-Kaserne für von der Leyen aber von politischem Nutzen sein: Wenn sie die Schließung zurücknimmt, könnte sie damit zeigen, dass sie es mit einem Neuanfang ernst meint.

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