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Glasfaseranschlüsse: Mehrere Firmen haben mit Ausbau im Kreis begonnen

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Bald sollen auch hier die Bagger rollen: Das
Bald sollen auch hier die Bagger rollen: Das Foto zeigt die Glasfaserverlegung in Niedersachsen. © Moritz Frankenberg/dpa

Beim Ausbau von Glasfaser-Hausanschlüssen für schnelles Inter im Landkreis Hersfeld-Rotenburg werben gleich mehrere Unternehmen um Kunden. 

Beim Glasfaserausbau herrscht Aufbruchstimmung im Kreis. Gleich mehrere Unternehmen werben – zum Teil sehr nachdrücklich – um Kunden für den Bau der sogenannten „letzte Meile“ von den Hauptverteilerkästen bis ins Haus. Über die bislang meist vorherrschenden Kupferleitungen geht beim Datentransfer Geschwindigkeit verloren – die bei künftig weiter wachsenden Datenmengen benötigt werden könnte.

„Es ist viel Bewegung im Markt, denn viele Gemeinden sind unterversorgt, deshalb gibt es viel zu tun“, sagt Raphael Kupfermann, Berichtsleiter der Firma TNG aus Kiel, die sich zurzeit vom Vogelsberg kommend mit 30 bis 35 eigenen Drei- bis Vier-Mann-Baukolonnen durch den Kreis arbeitet. „In Breitenbach am Herzberg sind wir schon relativ weit, aktuell wird auch in Niederaula gebaut“, berichtet Kupfermann. TNG sei inzwischen auch von den bisherigen Vertragsabschluss-Quoten von 40 Prozent im ländlichen Raum und 30 Prozent in der Stadt abgerückt. „Das ist jetzt nicht mehr ausschlaggebend, allerdings haben wir die Quoten überall erreicht und zum Teil übertroffen“. Deshalb könne die TNG nun auch in weniger stark nachgefragten Gemeinden wirtschaftlich auskömmlich bauen. So werde Anfang dieses Jahres der Bau in den Bad Hersfelder Stadtteilen Beiershausen, Asbach und Kohlhausen beginnen, danach folge die Kernstadt. Der Ausbau in der Kreisstadt könnte Ende 2024 abgeschlossen sein. Weitere Arbeiten seien im Haunetal, über Ludwigsau nach Bebra, sowie in Schenklengsfeld und Hohenroda geplant.

Die Firma Goetel wirbt derzeit in den vier Ortsteilen von Rotenburg, sowie in Friedewald, Alheim und ebenfalls in Ludwigsau um Kunden. Mit weiteren Gemeinden liefen Gespräche oder seien Vertriebsaktivitäten geplant, berichtet Felix Kadèra, zuständig für Marketing und Kommunikation bei Goetel. „In Kirchheim laufen die Bauarbeiten für den Anschluss aller Ortsteile an das Glasfasernetz. Für drei Ortsteile von Rotenburg und Neuenstein läuft aktuell die Bauplanung“, so Kadèra. Goetel hält in der Regel an der 40-Prozent-Quote fest.

Mehrere Firmen werben im Kreis um Kunden

Die wohl bekanntesten Anbieter im Kreis sind die Firma TNG aus Kiel und das Göttinger Unternehmen Goetel. Weitere Anbieter sind Unsere Grüne Glasfaser (Cornberg), Werrakom in Heringen und die Telekom-Tochter Glasfaser Plus (Nentershausen). Vor allem TNG und Goetel hatten zunächst angekündigt, den Ausbau nur zu beginnen, wenn 40 Prozent aller Haushalte dabei sind. Angänglich gab es deshalb auch Klagen über regelrechte „Drückerkolonnen“. kai

Das Leerrohr kommt „minimalinvasiv“

Mit Hausbesuchen, Plakaten, Pressemeldungen und Bürgerversammlungen haben die Anbieter von Glasfaser-Anschlüssen im vergangenen Jahr – zuweilen sogar recht aggressiv – um Kunden geworben. Viele Hausbesitzer waren zögerlich, vielleicht weil sie schlicht überfordert mit den technischen Einzelheiten waren.

Inzwischen ist es ruhiger geworden – so ruhig, dass sich Kunden, die bereits einen Vertrag über die letzte Meile von Verteilerkasten ins Haus geschlossen haben, fragen, wann es wie weitergeht. Auf Nachfrage unserer Zeitung bei den beiden größten Anbietern TNG und Goetel versichern beide Unternehmen, dass der Ausbau begonnen hat und man sich nun von Ort zu Ort vorarbeite.

„Die Kunden selbst müssen nicht tätig werden. Erst wenn der Bau beginnt, werden sie von der beauftragten Baufirma besucht“, erklärt Felix Kadèra von der Firma Goetel. Dann werde eine Grundstücksbegehung vorgenommen. Dort werde geklärt, wo der Glasfaseranschluss gebaut wird, durch welche Wand das Leerrohr verlegt wird und in welchen Raum.

So läuft es auch bei TNG, die im Kreis mit einem Generalunternehmer zusammenarbeitet, der auch die Grundstücksbegehungen vornimmt. Dies dauere etwa 30 Minuten, Zeit, die man investieren sollte. „Die Kunden sollten dabei auch ihren Anschluss neu denken“, sagt Raphael Kupfermann von TNG. Er müsse ja nicht notwendigerweise im Keller sein, sondern könne auch zentraler verlegt werden. „Man muss dafür die bestehende Hausverkabelung nicht erneuern, alles kann weiter genutzt werden“, sagt Kupfermann. Kunden erhielten lediglich einen neuen Router. Im Haus werde zudem ein Endgerät gesetzt, das einen Anschluss zu einer Steckdose benötige. Der Glasfaseranschluss sei in jedem Gebäude so ausgelegt, dass später noch weitere Nutzer angeschlossen werden können. Die eigentlich Arbeiten am Haus erfolgten „minimalinvasiv – es wird nur ein kleines Loch für das Leerrohr mit dem Kabel gebohrt“, erklärt Kupfermann.

Die Firma TNG sei mit bis zu 35 Baukolonnen mit je drei bis vier Leuten in der Region aktiv. Weitere Subunernehmen stünden bereit. „Wir haben genug Baukapazitäten“, versichert Kupfermann.

Sobald es das Wetter zulässt sollen die Arbeiten weitergehen. TNG nimmt jetzt die Bad Hersfelder Vororte Beierhausen, Asbach und Kohlhausen ins Visier. Die Tiefbauarbeiten vor dem Haus sollen nur einen Tag dauern. Die Leitungen werden 40 bis 60 Zentimeter tief im Gehwegbereich verlegt. Danach werde der Graben wieder professionell verschlossen. Außerorts werden Spülbohrungen vorgenommen, die einen Vortrieb von bis zu zwei Kilometern ohne Erdarbeiten ermöglichen.

Eigentlich geht das alles schnell. Dennoch wollen sich beide Unternehmen nicht auf einen genauen Zeitplan festlegen. „Um keine falschen Erwartungen zu wecken, halten wir uns bei groben Schätzungen zurück“, sagt Felix Kadèra von Goetel. Die Gemeinden und die Presse würden zeitnah über den Baufortschritt informiert. Dabei spiele auch die Quote der Vertragsabschlüsse für Goetel eine Rolle. Notfalls werde die Vertriebsphase verlängert, um die erforderlichen 40 Prozent zu erreichen. Dennoch sei man, gerade in kleinen Orten, flexibel. TNG erklärt, für sie sei die Vertriebsquote nicht mehr allein ausschlaggebend. kai

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