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Das Stadthotel in Bad Hersfeld schließt am 16. Oktober endgültig seine Pforten

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Von: Christine Zacharias

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Abschiedsfoto: Das Team vom Stadthotel mit (von links) Ulrich und Heidrun Viering, Rezeptionistin Viktoria Altergott, Restaurantleiter Thomas Panthen, Metva Stanka, Kamal Zarifi, Monika Apel, Abdul Ghaffar, Thorsten Weiner, Sandra Löhr, Bager Sadequi und Kia Mehpour.
Abschiedsfoto: Das Team vom Stadthotel mit (von links) Ulrich und Heidrun Viering, Rezeptionistin Viktoria Altergott, Restaurantleiter Thomas Panthen, Metva Stanka, Kamal Zarifi, Monika Apel, Abdul Ghaffar, Thorsten Weiner, Sandra Löhr, Bager Sadequi und Kia Mehpour. © Christine Zacharias

Die letzte Woche für das Stadthotel ist angebrochen. Am 15. Oktober sind das Hotel und Restaurant zum letzten Mal geöffnet, dann schließt es für immer seine Pforten.

Bad Hersfeld – Die letzte Woche für das Stadthotel ist angebrochen. Am 15. Oktober sind das Hotel und Restaurant zum letzten Mal geöffnet, dann schließt es für immer seine Pforten. Das ganze Gebäude wird dann abgerissen und durch einen Neubau mit Eigentumswohnungen ersetzt.

Heidrun und Ulrich Viering, die Inhaber des Hotels, schwanken zwischen Wehmut und Erleichterung. „Wir haben das wirklich gerne und mit Herzblut gemacht“, sagt Heidrun Viering. Zuletzt sei es ihnen aber einfach zu viel geworden. „Es gibt noch ein Leben nach dem Hotel“, sagt die resolute 64-Jährige, die sich nun auf so schlichte Dinge freut, wie gemeinsam in Ruhe zu frühstücken, im Café zu sitzen, zu tanzen oder in Urlaub zu fahren.

Während ihr Mann Ulrich als Konditor vom Fach ist, kam Heidrun Viering durch einen Zufall zur Gastronomie. Sie hatte vorher als Leiterin der Büroabteilung im Schreibwarengeschäft Mattheus gearbeitet, als sie von einer Bekannten angesprochen wurde, ob sie nicht Lust hätte, die Branche zu wechseln und das Gästehaus Tanneck sowie die Alpen-Apartments übernehmen wollte. Heidrun Viering wollte und merkte schnell, dass ihr die Leitung und Organisation eines gastronomischen Betriebes Spaß machen.

Genauso zufällig war dann die Übernahme des ehemaligen Diätkurheims. Auch hier wurde Heidrun Viering vom Vorbesitzer angesprochen und fand die nun deutlich größere Herausforderung reizvoll. Ihr Mann sollte Küche und Konditorei des Hotels übernehmen, das sie kurz entschlossen Stadthotel nannten, sie selbst übernahm dessen Leitung.

Gerade einmal zehn Tage habe es gedauert, bis aus dem Diätkurheim am 1. Juli 2004 das Stadthotel geworden sei, erinnert sie sich. „Wir haben richtig Gas gegeben.“ In einem Möbelhaus in Bebra habe sie einfach alle Betten gekauft, die dort auf Lager waren. Dazu neue Teppiche und Gardinen. Von Grund auf renoviert wurde das Hotel dann nach und nach bei laufendem Betrieb. 2007 wurde die Terrasse in der Stadtmauer mitten im Grünen eröffnet.

„Die Lage hier ist unschlagbar, direkt am Rand der Innenstadt und doch ganz ruhig“, schwärmt Heidrun Viering. Dass das Haus so persönlich geführt wurde, „eine Seele hatte“, hätten laut Viering gerade Stammgäste sehr zu schätzen gewusst, denen Viering dankbar für ihre Treue über all die Jahre ist.

In den letzten Jahren sei das Geschäft zunehmend schwierig geworden, erklärt die Hotelchefin, die früher immer gesagt hatte, sie wolle das Hotel bis zu ihrem 70. weiterführen. Fehlendes Personal und coronabedingt hohe Krankheitszahlen hätten ihnen zu schaffen gemacht. Ulrich Viering arbeitete in der Küche mit einem Koch und einer Küchenhilfe. Nötig gewesen wären sechs Personen. Denn im Stadthotel wird nicht nur mit jeweils saisonal angepasster Karte alles frisch gekocht, auch Kuchen und Torten werden selbst gebacken.

Und Heidrun Viering lebte zuletzt jeden Tag in der Sorge, dass nicht genügend Leute da seien, um die Zimmer herzurichten. Es sei einfach zu anstrengend geworden, erklärt sie. Und weil sich leider niemand gefunden habe, der das Haus übernehmen wollte, hätten sie beschlossen, es zu verkaufen.

„Es ist schade, dass so ein Haus abgerissen wird“, sagt Viering. Aber sie freut sich schon drauf, mit ihrem Mann in eine der neuen Wohnungen einzuziehen. Und dann können die Vierings die ideale Lage zwischen Park und Innenstadt selbst genießen und in aller Ruhe ihren Kaffee auf dem Balkon trinken.

Auch der Jägerhof macht zu

Auch in der Traditionsgaststätte Jägerhof in Bad Hersfeld werden am 16. Oktober die Türen endgültig geschlossen. Das Gebäude sei verkauft, was damit geschehen solle, wisse er nicht, sagte Inhaber Hildebrand. Geschlossen werde aus Altersgründen. (Christine Zacharias)

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