Die Decke macht schlapp

Wehrdaer Kirche seit Ostern gesperrt – 420.000 Euro für dringende Baumaßnahmen

Die Balken biegen sich zum Teil und auch die Dachziegeln sind nicht mehr im besten Zustand: Pfarrer Steffen Blum im Dachstuhl der Kirche.

Wehrda. In der Wehrdaer Kirche biegen sich die Balken. An der Innendecke aus den 70er-Jahren sind deutliche Risse zu erkennen.

Seit Ostern ist das pittoreske Gotteshaus von 1567 gesperrt, um eine Gefährdung der Besucher durch eventuell herabfallende Teile auszuschließen.

„Dass etwas getan werden muss, ist lange bekannt und das war allen klar“, sagt Pfarrer Steffen Blum. Dass sich die Situation in den vergangenen Jahre aber so dramatisch verschlechtert habe, davon sei man überrascht worden.

Aus den 70er-Jahren

Offenbar geworden sind der schlechte Zustand und damit der aktute Handlungsbedarf, als Statiker vor kurzem wegen einer Voruntersuchung für die eigentlich in diesem Jahr geplante Sanierung des Glockenturms in der Kirche waren.

„Nach heutigen Maßstäben ist die Decke um das Doppelte zu schwer, beziehungsweise die Aufhängung ist zu schwach“, erklärt Blum. Bei Sturm arbeite das ganze Dach. Die Innendecke ist laut Blum in den 70er-Jahren aus rein optischen Gründen eingezogen worden.

Nun muss sie entfernt werden und einer komplett neuen weichen. Damit soll laut Blum im Mai oder Juni begonnen werden. Die Ausschreibungen würden jetzt auf den Weg gebracht. Um den Innenraum der Kirche nicht zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen, müssen die Empore verkleidet, die Orgel „verpackt“ und die Bänke entfernt werden. Dabei sollen dann auch die Kirchenglieder mit anpacken.

Im Zuge der Deckenerneuerung soll zudem das Dach neu gedeckt werden, und wenn das Außengerüst schon einmal steht, die Kirche gleich einen neuen Außenputz bekommen.

420.000 Euro kosten die Arbeiten an Dach, Decke und Fassade. 70.000 Euro an Spenden werden genutzt, 60.000 Euro kommen vom Landesamt für Denkmalpflege und 50.000 Euro vom Kirchenkreis. Den Rest übernimmt die Landeskirche. Im Prinzip handele es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden, sagt Pfarrer Blum.

Die eigentlich und im März noch für dieses Jahr geplante rund 340.000 Euro teure Turmsanierung muss nun erstmal hintanstehen. Sie ist laut Blum aber nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Um Gefahren durch möglicherweise herabfallende Ziegeln auszuschließen, soll der Turm aber demnächst mit einem Netz abgesichert werden.

Die Wehrdaer Gottesdienste finden bis auf Weiteres im Gemeindehaus statt, „und für besondere Gelegenheiten haben wir ja unsere schöne renovierte Kirche in Rhina“, berichtet Blum. Einem Paar, das im Sommer in Wehrda heiraten wollte, musste der Pfarrer schweren Herzens absagen, und auch die Konfirmanden mussten am vergangenen Wochenende „umziehen“.

Die Arbeiten am Dach sollen bis Oktober fertiggestellt sein, mit dem „Putzen“ könne erst im kommenden Frühjahr begonnen werden. Weihnachten, so hofft Pfarrer Blum, wird die Gemeinde schließlich wieder in der Wehrdaer Kirche feiern können.

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