Den Menschen ein Denkmal setzen

Brunhilde Miehes viertes Buch „Grete in der Schwalm“ ist jetzt fertig

Brunhilde Miehe stellt das vierte und letzte Buch ihrer Grete-in-der-Schwalm-Reihe vor. Darin erzählt sie von den Nachkriegsjahren auf dem Dorf und in Kassel.
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Brunhilde Miehe stellt das vierte und letzte Buch ihrer Grete-in-der-Schwalm-Reihe vor. Darin erzählt sie von den Nachkriegsjahren auf dem Dorf und in Kassel.

Wie haben die Menschen auf dem Land früher gelebt und wie war es in Nordhessen während der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre?

Kirchheim - Das zu dokumentieren war der Heimatforscherin Brunhilde Miehe aus Gershausen schon immer ein Anliegen. Jetzt ist der vierte Band ihrer Reihe „Grete in der Schwalm“ erschienen, der von den Erlebnissen des Mädchens Grete in den Jahren 1945 bis 1948 erzählt.

Acht Jahre alt ist das Mädchen Grete, als es aus Kassel zur Oma nach Schwalmdorf, ein fiktives Dorf in der Schwalm ziehen muss. Der Vater ist als Soldat im Krieg und auch die Mutter muss als Krankenschwester in einem Lazarett in Russland arbeiten und so lernte Grete das dörfliche Leben im Jahreskreis kennen.

Grete und ihre Familie und all die Verwandten und Nachbarn sind zwar erfunden, doch das, was sie erleben, fußt auf realen Geschehnissen, betont Brunhilde Miehe, die seit Jahrzehnten Aussagen von Zeitzeugen und Gewährsleuten sammelt und aufzeichnet. Auch über Trachten in der Schwalm hat Miehe geforscht und mehrere Bücher veröffentlicht. Sie will das Leben, so wie es früher in den Dörfern in Nordhessen war, nicht nur dokumentieren, sie will eine Brücke zwischen den Generationen schlagen.

Denn ihre Bücher sind als Kinderbücher geschrieben, an denen auch Erwachsene Freude haben. Miehe wünscht sich, dass Kinder über die Lektüre der Bücher mit ihren Großeltern ins Gespräch kommen und nachfragen, wie deren Leben gewesen ist und ob sie ähnliche Erfahrungen wie Grete gemacht haben.

Sie weiß aber auch, dass in Seniorenkreisen gerne aus ihren Büchern vorgelesen wird, weil viele ältere Menschen auch in den Jahren nach dem Krieg ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie Grete in Schwalmdorf.

Brunhilde Miehe verklärt dabei die alte Zeit nicht. Sachlich und genau schildert sie das Leben auf dem Dorf auch mit seinen Schattenseiten. Dabei unterschlägt sie auch nicht die Schrecken des Krieges und der Nachkriegszeit.

In Band 4 geht es um die letzten Kriegsmonate, um den Einmarsch der Amerikaner, um das Leid der Flüchtlinge, um das zermürbende Warten auf vermisste Angehörige und um die Not der Menschen, die im zerbombten Kassel irgendwie überleben mussten, in Kellerlöchern ohne Heizmaterial und immer hungrig. „Mir ist es ein Herzensanliegen, den Menschen heute zu zeigen, was die Älteren damals mitgemacht haben und ihnen so ein Denkmal zu setzen“, betont Miehe.

Grete erlebt den Tod ihrer geliebten Oma mit und muss zurück nach Kassel, wo auch ihre Mutter wieder lebt. Der Vater ist in russischer Gefangenschaft, es gibt nur selten ein Lebenszeichen von ihm.

Brunhilde Miehe schildert nicht nur, wie Grete sich hin- und hergerissen fühlt zwischen dem Leben in Schwalmdorf und dem in der Großstadt, sie schildert auch ausführlich, wie die Menschen dort ihr Leben organisierten, wie Waren auf dem Schwarzmarkt getauscht und wie gehamstert wurde.

All das hat Brunhilde Miehe genau recherchiert – bis hin zu Details, welche Filme im Jahr 1947 in Kassel im Kino liefen.

Der vierte Band von „Grete in der Schwalm“ ist wieder im Eigenverlag erschienen und zum Preis von 16,90 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-9817692-4-1) oder direkt bei der Autorin erhältlich. Bestellung per E-Mail unter info@trachten-publikationen.de

trachten-publikationen.de

Von Christine Zacharias

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