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Depressionen in Hersfeld-Rotenburg nehmen zu

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Erst Corona dann Krieg in Europa
Depressionen in Hersfeld-Rotenburg nehmen zu. © Paul Zinken

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach psychologischer Hilfe gestiegen (wir berichteten). In der aktuellen Situation kommen Krieg, Inflation und die Energiekrise hinzu.

Hersfeld-Rotenburg – Wie viele Menschen waren aufgrund von Depressionen in den vergangenen Jahren zeitweise nicht arbeitsfähig – und wie lange? Wie wirkt sich das auf Psychiater und Selbsthilfegruppen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg aus?

In den vergangenen fünf Jahren haben Depressionen zugenommen. Das geht aus Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Hessen hervor. Pro 100 Versicherte – die AOK zählt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg 34 400 Mitglieder – hat es 2017 noch rund 118 Krankheitstage aufgrund der Diagnose „Depressive Episode“ gegeben, 2022 waren es bis Mitte des Jahres etwa 161 Tage – und damit schon nach einem halben Jahr mehr als im gesamten Vorjahr. In Fällen pro hundert Mitglieder bedeutet das für 2017 3,4 und für 2022 3,7. Pro Fall fielen die Personen 2017 im Schnitt 35 Tage aus, 2022 mit 44 fast zehn Tage länger. „Das ist offensichtlich eine ziemlich langwierige Sache“, sagt Stephan Gill, Pressesprecher der AOK Hessen.

Dass immer mehr Menschen unter den momentanen Geschehnissen leiden, bestätigt Christian Lübeck, der in Bebra die Selbsthilfegruppe „Seelenanker“ leitet: „Die Leute sind verzweifelt.“ Viele würden die Gruppe besuchen, weil sie keinen Platz beim Therapeuten bekämen oder bis zu 24 Monate darauf warten müssten. Für sie seien die Gespräche mit anderen Betroffenen, zu denen auch Lübeck selbst gehört, „der letzte Grashalm, nach dem sie greifen können“. Lübeck beschreibt es als „innerliche Hilferufe“, wenn die Mitglieder zu einem Treffen kommen und ihre Probleme „nur so aus ihnen herausplatzen“.

Auch Joachim Rappold, der mit seiner Praxis in Bad Hersfeld der einzige Psychiater im Landkreis ist, beobachtet seit Beginn der Corona-Pandemie eine „massive Zunahme“ an depressiven Erkrankungen. Aufgrund der schlechten Versorgungssituation bestehe allerdings kaum eine Möglichkeit, allen zu helfen.

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