Nager haben sich im Naturschutzgebiet angesiedelt

Der Biber als Baumeister bei Meckbach

Die Spuren der Biber-Aktivitäten: Gefällte Bäume, Holzstämme und Sträucher, an denen Rinde und Zweige abgenagt sind, zurückgelassene Holzspäne und die Dämme zum Stau des Bachwassers zeugen davon, dass sich die Tiere am Meckbach wohlfühlen. Im Hintergrund: Matthias Hohmann (links) und Heinrich Wacker.
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Die Spuren der Biber-Aktivitäten: Gefällte Bäume, Holzstämme und Sträucher, an denen Rinde und Zweige abgenagt sind, zurückgelassene Holzspäne und die Dämme zum Stau des Bachwassers zeugen davon, dass sich die Tiere am Meckbach wohlfühlen. Im Hintergrund: Matthias Hohmann (links) und Heinrich Wacker.

Nicht weit entfernt vom Industriegebiet zwischen Mecklar und Meckbach hat sich eine Biber-Familie angesiedelt und gestaltet im Naturschutzgebiet ihr eigenes Refugium.

Meckbach - „Der Biber ist vor fünf oder sechs Jahren von der Fulda her kommend hier eingewandert und hat eine Kolonie gegründet“, erläutert Matthias Hohmann, stellvertretender Vorsitzender der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal (NGMF).

Biber galten seit dem 16. Jahrhundert in Hessen als ausgerottet. Wieder eingebürgert wurde der Biber vor 32 Jahren. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg tauchte er erstmals 2008 auf. Erst besiedelte er die Fulda, dann suchte er sich neue Lebensräume in den Bächen. So auch die Meckbacher Biberfamilie, bestehend aus einem Elternpaar und mehreren Jungtieren, die hat sich inzwischen gut entwickelt haben.

Das zeigen die Spuren ihrer Aktivitäten: gefällte Bäume, Holzstämme und Sträucher, an denen Rinde und Zweige abgenagt sind, zurückgelassene Holzspäne, zum Teil größer wie Hackschnitzel zum Heizen, und kunstvoll gebaute Dämme zum Stau des Bachwassers. In einem am Meckbach angrenzenden Maisfeld ist auch nach der Ernte noch eine von den Bibern angelegte Mulde zu sehen. Durch diese Vertiefung schwammen die Nager vom Bach aus direkt zur Futterquelle. Das war noch der alte Bachverlauf.

Um ein grünes Band durch das Industriegebiet zu umgehen, ist der Meckbach verlegt worden. Er fließt jetzt ab dem Ort Meckbach durch große Vertiefungen im ersten Bereich in Richtung Fuldaauen und Nasswiesen, wo er sich sein Bett erst noch suchen muss. Beim nächsten Hochwasser kann das geschehen. Mit der Verlegung muss sich auch der Biber umorientieren, zumal im alten Bachbett kein Wasser mehr ist. Doch sein Wirkungsbereich im Meckbach ab dem neuen Zulauf ist immer noch riesig.

Ganze Arbeit geleistet: Zwei große Bäume hat der Biber bereits gefällt, ein kleiner ist noch in Arbeit.

Ein Beispiel sind die ehemaligen Fischteiche, die fast ausgetrocknet waren. Durch den Bau der Biberdämme und den damit verbundenen Wasserstau sind die Teiche wieder voll geflutet. Sogar ein Schwanenpaar hat sich dort niedergelassen. „Hier im Naturschutzgebiet kann sich der Biber austoben“, sagt Heinrich Wacker, der Naturschutzbeauftragte vom Arbeitskreis der Biberbeobachter im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Wacker ist als Koordinator für das Gewässersystem Fulda von Friedlos bis Niederellenbach zuständig. Dazu gehört auch der Meckbach und der Naturschutzbereich mit drei Maßnahmen.

Ein Drittel davon ist die Kompensationsfläche für das Industriegebiet. Das zweite Drittel umfasst den Gemeindeteil mit einer Großraumweide und einer halb offenen Weidelandschaft, zurzeit mit Rindern. Ziel ist laut Wacker aber eine Mutterkuhherde zur Landschaftspflege. Das letzte Drittel gehört der Kirche mit eigenen Naturschutzprojekten. Da der Biber in keinem dieser Bereiche eine Konkurrenz sei, dürfe er sich ausbreiten, bauen und neue Lebensräume schaffen. Wacker erwartet so noch mehr Dämme im Meckbach. Aktuell gebe es zwölf bis 16 dieser kleinen Staustufen, die alle nicht ganz dicht seien. Das begünstige andere Wasser liebende Tiere wie Libellen, kleine Fische und Amphibien. Die Bauwerke würden sich auch günstig bei Hoch und Grundwasser auswirken.

Von Herbert Vöckel

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