Reinhold Schott war 45 Jahre für Theater und Museum in Bad Hersfeld zuständig

Ein Berufsleben für die Kultur

Das Foto zeigt Reinhold Schott, der viele Jahre für die Kultur in Bad Hersfeld zuständig war. Inzwischen arbeitet er selbst künstlerisch mit Holz und Metall.
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Reinhold Schott war viele Jahre für die Kultur in Bad Hersfeld zuständig. Seit einigen Jahren ist er selbst künstlerisch tätig, vor allem mit Holz und Metall.

Reinhold Schott war 45 Jahre, sein ganzes Berufsleben, in der Stadtverwaltung für die Museen und das Theater in Bad Hersfeld zuständig. Jetzt ist er im Ruhestand.

Bad Hersfeld – Kultur in Bad Hersfeld, das war jahrzehntelang ohne Reinhold Schott nicht vorstellbar. Er wählte die Theaterstücke für das städtische Abonnement aus und auch die Künstler für die Ausstellungen im Kapitelsaal und in der Galerie im Stift, er kümmerte sich um die Ganzjahreskultur, den Veranstaltungskalender, die Vereinsförderung, das Festspielarchiv, die Verlagsverträge und Tantiemenabrechnungen, das Marketing, die Gema, den Eichhof und war überdies für das Auf- und Abhängen der Weihnachtsbeleuchtung, die Beflaggung und den Blumenschmuck am Rathaus zuständig

Seit einem Vierteljahr ist Reinhold Schott nun im Ruhestand – nach 47 Jahren in den Diensten der Stadt, davon 45 Jahre in der Kultur. Das alles hatte Reinhold Schott so nicht geplant. Er merkte früh, dass er in der Metzgerei seines Vaters in Sorga nicht glücklich werden würde und begann deshalb im Jahr 1973 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Bad Hersfeld. In zwei Jahren durchlief er alle Abteilungen und landete am Schluss im Bereich „Kultur, Sport und Soziales“. „Da bin ich hängen geblieben“, erzählt er. Verantwortlich dafür sei ganz wesentlich das gute Verhältnis zu Hans „Negus“ Schmidt gewesen, der ihm ein väterlicher Freund geworden sei. Und dann natürlich die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen. In all den Jahren sei das ein Team gewesen, auf das man sich habe verlassen können, sagt Schott.

Wenige Jahre nach Abschluss seiner Ausbildung begann Reinhold Schott, sich weiterzubilden. Er absolvierte erst einen Lehrgang für den mittleren, dann einen für den gehobenen Dienst und wurde schließlich auf Lebenszeit verbeamtet. Er besuchte Seminare über Bühnenrecht, Gema und all die vielen anderen Dinge, die nötig sind, damit Kultur auch finanziell und verwaltungstechnisch funktioniert. Für einige Jahre übernahm er die Pressebetreuung der Bad Hersfelder Festspiele, dann das Marketing. „Meine Aufgabenbereiche wurden immer mal neu zugeschnitten“, sagt Reinhold Schott. Weniger wurden sie dabei jedoch nie. 2007 bekam Reinhold Schott die Verantwortung für die städtischen Theaterveranstaltungen übertragen, 2013 entwickelte er im Auftrag von Bürgermeister Fehling ein Konzept für die Ganzjahreskultur in Bad Hersfeld und kümmerte sich anschließend um die Verzahnung der verschiedenen Angebote, die früher oft ohne Absprache miteinander konkurrierten.

Über die entsprechenden Angebote informierte sich Schott auf Messen und im Austausch mit Kollegen in anderen Städten, die schon mal Tipps für besonders gelungene Produktionen gaben. „Die Hersfelder haben gerne leichte Kost mit bekannten Schauspielern“, weiß Schott. Ein paar anspruchsvollere Stücke packte er aber trotzdem jedes Jahr mit ins Programm. Eine Auslastung von 70 bis 90 Prozent zeigt, dass er mit seiner Auswahl richtig lag.

Auch die Ausstellungen, die er organisierte, waren in der Regel gut besucht. Er war es, der aus dem Dachgeschoss des Museums die „Galerie im Stift“ machte und der die Wandelhalle des Kurhauses als stilvollen Ausstellungsort entdeckte. Dass sich in all den Jahren im Museum so gut wie nichts bewegt hat, das bedauert Schott. Ideen hätte er gehabt, doch es fehlte am Geld.

Kunst und Kultur waren für Reinhold Schott nie Selbstzweck. Vor allem ging es ihm um die Menschen. Die Bad Hersfelder, denen er ein attraktives Angebot machen wollte und die Künstler, mit denen er gerne und gut zusammenarbeitete. Mit vielen pflegt er auch nach Jahren freundschaftliche Kontakte.

Wer im Bereich Festspiele und Kultur arbeitet, weiß auch, dass es mit geregelten Arbeitszeiten schwierig ist. „Wir konnten nie im Sommer Familienurlaub machen, weil da eben die Festspiele waren und ich oft die Abendbereitschaft in der Verwaltung übernommen habe“, erinnert sich Schott, der seiner Frau dankbar ist, dass sie das klaglos mitgemacht hat.

Inzwischen ist er es, der ihr den Rücken freihält und den Haushalt übernommen hat. Zudem arbeitet er gerne kreativ, meist mit Holz, Steinen und Metall, kümmert sich um die Hühner, die im Garten leben und leckere Eier legen, aber nie selbst in den Topf wandern, und genießt es, endlich Zeit für seine vier Enkel zu haben. (Christine Zacharias)

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