Einschlag auch im extremen Winter

Schnee im Wald fordert Forstarbeiter im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Das Bild zeigt Forstwirt Dirk Berge im Schnee, der einer Buche im Wald bei Heinebach den Gnadenstoß verpasst hat und  sich nun zurückzieht.
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„Achtung! Baum fällt“: Forstwirt Dirk Berge hat einer Buche im Wald bei Heinebach den Gnadenstoß verpasst und zieht sich nun über den sieben Meter langen Fluchtweg mit vorher festgetretenem Schnee zurück – die sogenannte Rückweiche.

Forstarbeiter sind extreme Wetterbedingungen gewöhnt. Schneemassen, wie sie im Kreisgebiet gefallen sind, stellt auch sie vor große Herausforderungen.

Alheim - Normalerweise steht zu dieser Jahreszeit der Bucheneinschlag an. „Wo es möglich ist, ziehen wir das auch durch“, sagt Dr. Hans-Werner Führer, Leiter des Rotenburger Forstamts. „Wir haben schließlich Verträge geschlossen und die wollen wir auch erfüllen.“

Bei 60 Zentimeter Schneehöhe wie am Alheimer sei es aber so gut wie unmöglich, gefällte Bäume zu entasten. Hinzu komme, dass die Wege zum Arbeitsort im Wald vom Schnee befreit werden müssen. „Die Rettungskette muss immer sichergestellt sein“, betont Führer. In Hessen gibt es mehr als 4400 sogenannte Rettungspunkte, die als erste Anlaufstelle für die Rettungskräfte bei Unfällen dienen. Der Weg von dort bis zur Arbeitsstelle muss frei sein.

Da, wo es geht, lassen die Forstmitarbeiter mitunter auch bewusst Waldwege unangetastet, „damit Menschen, die sich über die Winterlandschaft freuen, mit Langlaufskiern, mit einem Schlitten oder bei einem Spaziergang den Schnee genießen können“, sagt Führer. Tipp für diese Waldbesucher: Die Smartphone-App „Hilfe im Wald“, die einen Überblick über die Rettungspunkte gibt.

Zuständig für das Räumen der Waldwege ist grundsätzlich Hessen Forst Technik. Die Spezialisten mit Sitz in Bebra kümmern sich im Auftrag der hessischen Forstämter um den Wegebau und die Holzlogistik. „In der Region sind auf etlichen Waldwegen Unmengen von Schnee“, berichtet Johannes Flickschuh, der Anfang des Jahres die Leitung des 43 Mitarbeiter starken Hessen-Forst-Teilbetriebs übernommen hat. „Deshalb können wir im Moment nur die Aufträge abarbeiten, die unbedingt notwendig sind.“

Dazu gehöre auch, mit schwerem Gerät Wege für die Holzabfuhr freizuräumen, damit die Lastwagen sicher zu den Holzpoltern gelangen. Grundsätzlich, sagt Flickschuh, „tut der Schnee dem Wald gut“. Starke Niederschläge könne der Waldboden nicht aufnehmen. „Durch die niedrigen Temperaturen und den Schnee taut es langsamer, das ist besser für die Böden“.

Die Forstarbeiter selbst halten sich übrigens mit dem Zwiebelprinzip warm: Bei eisigen Temperaturen wie zum Wochenstart trägt Dirk Berge notfalls mehrere Hemden und eine Faserpelzjacke unter der leuchtend orangefarbenen Arbeitskleidung. Seine Motorsäge hat zudem eine Griffheizung. „Natürlich ist die Bewegung das Entscheidende“, sagt der Forstwirt.

Berge arbeitet unter anderem in einem 110 Jahre alten Buchenbestand im Wald oberhalb von Heinebach. Einige Bäume sollen gefällt werden, um Platz für ihre besser gewachsenen Nachbarn zu schaffen, erklärt Revierleiter Thomas Lochmann.

Welche Buche stehen bleibt, erkennt Berge an der Markierung: Auch in Schneegestöber gut sichtbare Querstreifen bedeuten, dass der Baum von der Senkrechten in die Waagerechte wandern soll. Derzeit ist der Einsatz im Wald viel Handarbeit. Das Fällen macht nur rund 50 Prozent der Holzaufarbeitung aus, einige der schweren Rückemaschinen vertragen die Kälte jedoch nicht und fallen aus.

Durch das Schneechaos ist Vorsicht bei der Arbeit noch einmal wichtiger als ohnehin schon. Die Gefahr wird nicht nur für jeden „Hieb“ – also einen Bereich, in dem gefällt wird – beurteilt, sondern für jeden einzelnen Baum. „Baumansprache“ nennt sich das bei den Fachleuten, erklärt Forstwirtschaftsmeister Martin Blackert. Entscheidend sind dabei auch die Hangneigung und die Höhe des Baumes: Nahe Wege müssen abgesperrt und gegebenenfalls mit einem Warnposten versehen werden.

„Wir bestimmen, wann der Baum fällt – nicht der Baum“, betont Blackert. Daher werde mit einer Sicherheitsfälltechnik gearbeitet, bei der ein Fünftel des Stammes nicht durchschnitten wird, bis der Baum kippen soll. Ab 35 Zentimeter Stammdurchmesser in Brusthöhe ist das Fällen ein Zwei-Mann-Job. Über Helmfunk stehen die Arbeiter stehen in Kontakt. Dennoch hallen laute Warnrufe durch den Winterwald, wenn die Bäume fallen: „Achtung!“ (Clemens Herwig Und Sebastian Schaffner)

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