Wandern ist wieder im Trend

Der Weg ist sein Ziel: Wolfgang Limmeroth vom Knüllgebirgsverein im Interview

Das Bild zeigt Wolfgang Limmeroth mit einer „seiner“ Wegmarkierungen am Silbersee in Breitenbach am Herzberg.
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Er weiß, wo es lang geht: Wolfgang Limmeroth mit einer „seiner“ Wegmarkierungen am Silbersee in Breitenbach am Herzberg. Jedes Symbol und jede Buchstaben- und Zahlenkombination bezeichnet einen Weg und sollte an jeder Abzweigung gut sichtbar sein.

Was einen guten Wanderweg ausmacht und was zu tun ist, wenn man sich verlaufen hat, erklärt der Wegewart des Knüllgebirgsvereins in Breitenbach am Herzberg, Wolfgang Limmeroth.

Breitenbach/H. – Das Wandern erlebt gerade in Corona-Zeiten eine Renaissance. Und im Frühling zieht es ohnehin alle hinaus in die Natur. Was einen guten Wanderweg ausmacht, erklärt der Wegewart des Knüllgebirgsvereins in Breitenbach am Herzberg, Wolfgang Limmeroth, im Gespräch mit Kai A. Struthoff.

Herr Limmeroth, Sie sind – mit Verlaub gesagt – ein alter Wandervogel und waren schon auf vielen Wegen unterwegs. Was macht für Sie den Reiz des Wanderns aus?

Ich liebe die Natur seit meiner Jugend hier in Breitenbach über alle Maßen, und das Wandern gibt mir die Gelegenheit, in der Natur unterwegs zu sein. Ich habe lange Zeit im Büro gearbeitet, und da war das Wandern für mich der ideale Ausgleich. Besonders schön ist es, mit anderen Menschen unterwegs zu sein, das war mir immer sehr wichtig. Deshalb bin ich im Jahr 2000 auch in den Knüllgebirgsverein eingetreten.

Lange Zeit hatte das Wandern ein etwas spießiges Image von Bundhosen und Wollstrümpfen. Inzwischen ist Wandern auch bei jungen Leuten wieder angesagt. Wie erklären Sie sich diesen Wandel in der Wahrnehmung?

Ich glaube, das liegt auch daran, dass heutzutage durch die moderne Technik wie etwa Smartphones mit GPS-Technik ganz andere Möglichkeiten bestehen. Das fing damals mit dem GEO-Cashing an, einer Art „Schatzsuche“ mit geografischen Koordinaten – das hat Jugendliche und junge Familien angesprochen. Und nebenbei kann man so die eigene Heimat besser kennenlernen. Allerdings hat das Radfahren wohl einen noch höheren Stellenwert als das Wandern.

Liegt es auch daran, dass die meisten von uns beruflich immer mehr am Computer sitzen?

Natürlich, das war ja auch meine ursprüngliche Motivation, die Suche nach einem Ausgleich zum sitzenden Beruf. Deshalb trifft man beim Wandern auch mehr Schreibtischarbeiter als Landwirte, denn die sind froh, wenn sie auch mal die Beine hochlegen können.

Sie sind aktiv im Knüll-Gebirgsverein. Was macht eigentlich ein Wegewart?

Das fragen viele Leute! Der Wegewart kontrolliert die markierten Wanderwege, und ist für Nachmarkierungen oder Ausbesserungen zuständig. Zuweilen muss man sich aber auch Gedanken darüber machen, wie ein nicht mehr begehbarer Weg auf andere Strecken umgelegt werden kann. Ich bin im Breitenbacher Raum für etwa 150 bis 180 Kilometer verantwortlich. Pro Jahr sollte man diese Strecke mindestens zweimal abgehen. Ich wandere so etwa 700 bis 1000 Kilometer pro Jahr, denn ich bin auch viel außerhalb von Breitenbach unterwegs.

Dabei brauchen Sie sicher Unterstützung von Ihren Vereinsfreunden?

Richtig, aber wir haben leider einen großen Mitgliederschwund. 1991 hatten wir 29 Zweigvereine im Knüllgebirgsverein mit 3000 bis 4000 Mitgliedern, jetzt sind es nur noch zehn Zweigvereine. Deshalb fällt es immer schwerer, das Wegenetz aufrechtzuerhalten.

Worauf kommt es nun bei der Beschilderung eines Wanderweges an?

Eine Wegemarkierung soll an jedem Abzweig, an jeder Kreuzung dem Wanderer eine Orientierung bieten – und zwar, ganz wichtig, in beiden Richtungen, denn alle Wege sind auch in beiden Richtungen begehbar. Das Markierungszeichen sollte zudem immer auf Sicht sein – so wie auch ein Verkehrsschild, damit es immer gut zu erkennen ist und man nicht einfach vorbei läuft. Wichtig ist, dass man sich die einzelnen Wegzeichen – Kreuze, Dreiecke, Zahlen – auch merkt, um sicher zu seinem Ziel zu gelangen.

Sie waren auch an der Ausarbeitung des Lutherwegs und anderer neuer Wege in unserer ganzen Region beteiligt. Wie findet man einen neuen Wanderweg?

Zunächst muss man die Qualitätskriterien für einen Wanderweg im Kopf haben. Die werden zum Beispiel vom Deutschen Wanderverband festgelegt. Dabei geht es etwa um den Wegebelag: Schotter, Asphalt, Waldweg. Führt der Weg durch ein Industriegebiet, durch monotone Gegenden oder entlang einer Straße? Auch Fahrradwege, wie etwa im Fuldatal, versuchen wir zu vermeiden, weil es dort zu gefährlichen Situationen kommen kann. All das gilt es, bei einer Erkundung abzuklopfen.

Vermutlich fragt man am besten Ortskundige?

Genau, ich beziehe gern andere Wanderfreunde mit ein. Es geht darum, abwechslungsreiche Wege zu finden, die interessante Orte, Kulturstätten und Aussichtspunkte verbinden. Außerdem sind auch Hotels oder Pensionen, Ausflugslokale und eine Anbindung an den ÖPNV mit täglichen Fahrten wichtig. Beim Lutherweg gab es zudem die Vorgabe des Landes Hessen, ihn möglichst auf bestehenden Wanderwegen verlaufen zu lassen, allein schon, um die Umwelt nicht unnötig zu belasten.

Die moderne GPS-Technik hilft ja auch, den richtigen Weg zu finden. Oder vertrauen Sie lieber Karten?

Ich stehe der Technik aufgeschlossen gegenüber, aber ich orientiere mich nach wie vor am liebsten mit einer Wanderkarte – gerade bei der Planung einer Route. Allein auf die Technik würde ich mich nicht verlassen – dazu gibt es zu viele Funklöcher.

Wenn man trotzdem mal den Weg verloren hat, was tut man dann?

Auf jeden Fall nicht den Weg verlassen und querfeldein laufen, sondern notfalls lieber ein Stück zurückgehen. Man kann sich aber auch an der Sonne oder an Verkehrsgeräuschen orientieren. Wichtig ist vor allem, immer ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu verfallen.

Welche Wanderwege in der Region empfehlen Sie?

Zum Beispiel den Panoramaweg am Eisenberg, oder den Rundweg an der Burg Herzberg. Aber auch der Dreienberg und der Rhäden bieten tolle Naturerlebnisse. Außerdem ist auch die Rhön sehr schön. Sonst bin ich gern im Südschwarzwald unterwegs. Eines meiner Traumziele ist es, auch einmal im Tessin am Lago Maggiore wandern zu gehen.

Zur Person

Wolfgang Limmeroth (77) wurde in Gießen geboren und ist in Breitenbach am Herzberg aufgewachsen. Er hat bei der Benno-Schilde AG eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht, hat danach in Darmstadt gearbeitet. Nach der Rückkehr in die Region war er bei Siemens und Krone beschäftigt, bis die Standorte aufgegeben wurden. Limmeroth ist ledig und hat keine Kinder. Neben dem Wandern interessiert er sich auch noch für Eisenbahnen. Limmeroth ist seit 2000 im Knüllgebirgsverein und war dort als Hauptwegewart 14 Jahre für mehr als 1000 Kilometer Wanderwege in der ganzen Knüllregion zuständig. (kai)

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