HNA-Interview mit Hauptgeschäftsführer Arno Schöter, Kreishandwerkerschaft

Derzeit gut im Geschäft

Arno Schöter, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Kreis Hersfeld-Rotenburg, steht seit 30 Jahren im Dienste der Innungen und deren Mitgliedsbetriebe. Foto: Hornickel

Hersfeld-Rotenburg. Mit großen Programmen versuchten Bund und Länder den Folgen der Finanzkrise Kontra zu geben. Besonders das Handwerk und der Mittelstand sollten so durch die sich abzeichnenden mageren Jahre gerettet werden. Über den Erfolg sprach unser Redakteur Kurt Hornickel mit Arno Schöter, dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg.

Guten Tag, Herr Schöter. Draußen ist es frostig. Wärmen sich ihre Mitgliedsbetriebe am konjunkturellen Strohfeuer oder stehen sie wirtschaftlich im Regen?

Arno Schöter: 2008 sah es finster aus und dunkle Wolken ballten sich zusammen. Heute muss ich sagen, dass sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet haben, wenn ich mal vom Bauhauptgewerbe, und da speziell vom Hochbau, absehe. Beim Innenausbau hat das Programm des Landes durchaus etwas bewirkt. Tischler, Installateure, Haustechniker und Metallbauer haben alle momentan ganz gut zu tun. Das Handwerk spürt die Krise weniger als das Exportgeschäft.

Hat das Programm so geklappt wie gewünscht – mit kurzer Vorlaufzeit und kompakten Vergabewegen?

Schöter: Das hat natürlich nicht so schnell funktioniert, wie man sich das vielleicht gedacht hat. Wir hatten eine relativ lange Anlaufzeit. Es gab vom Land 1,7 Milliarden Euro. Da ist es klar, dass die Planer und Architektenbüros Vorlaufzeit benötigen. Es hat bis August/September gedauert, bis die Aufträge angelaufen sind. Auch der Staat hat die Bauämter personell abgebaut. Deswegen mussten die Planungen an freie Büros vergeben werden. Erst nach den Ferien ist das Geschäft richtig angelaufen.

Für 2010 ist noch etwas übrig vom Segen?

Schöter: Ja, ja, 2009 und 2010 wird noch einiges auf die Handwerksbetriebe zukommen. In den Schulen und beim Straßenbau tut sich eine ganze Menge.

Woran merken Sie, dass ihre Betriebe davon profitieren? Fahren die Meister neue Autos?

Schöter: Es braucht immer eine ganze Weile, bis ein Auftrag abgerechnet ist. Folglich dauert es auch ein bisschen, bis das neue Auto kommt. Generell sind die Betriebe gut ausgelastet und einige auch schon ausgebucht. Ich bin stets bemüht, dass sie das klar zugeben und eine andere Firma aus unserem Kreis zum Zuge kommt.

Hat sich die Zahlungsmoral der Auftraggeber verbessert?

Schöter: Da müssen wir Unterschiede machen. Bei der öffentlichen Hand ist da alles in Ordnung. Die Zahlungsmoral der privaten Kundschaft lässt dagegen in Teilen sehr zu wünschen übrig. Unsere Inkasso-Stelle hat in diesem Bereich momentan sehr gut zu tun.

Schaffen sich die Handwerker um Kopf und Kragen?

Schöter: Nicht ganz. Aber es gibt eine Kreditklemme. Und die rührt zu einem erheblichen Teil aus dem Zahlungsverzug der Kundschaft. Dazu hat die Landesregierung nach Absprache mit den Kammern einen Fonds aufgelegt, bei dem 20 Millionen Euro hessenweit im Raum stehen. Er ist gedacht für Betriebe von bis zu 50 Mitarbeitern. Sie können eine Eigenkapitalhilfe bis zu 75 000 Euro in Anspruch nehmen.

Warum sind Handwerksbetriebe beim Eigenkapital so schwach auf der Brust?

Schöter: Wenn ein Handwerker beispielsweise in einem Mehrfamilienhaus sechs Bäder renoviert, muss er für das Material in Vorleistung treten. Bis er den Auftrag abgeschlossen und die Rechnung geschrieben hat, gehen drei oder vier Monate ins Land, wenn er nicht noch länger auf sein Geld warten muss. Das Geld fehlt ihm naturgemäß bei seiner Bank. Dazu wird die Kreditvergabe momentan sehr restriktiv gehandhabt. Der Eigenkapitalfonds soll den Handwerker liquider machen und ihm bei der Bank ein größeres Kreditvolumen ermöglichen. Das hilft letzten Endes auch den Mitarbeitern.

Die Abwrackprämie, das Wort des Jahres, liegt hinter uns. Mit welchem Gefühl sehen Sie auf das Kraftfahrzeughandwerk im kommenden Jahr?

Schöter: Da müssen wir unterscheiden zwischen den freien Werkstätten und Händlern, die keine Verträge mit Herstellern haben, und zwischen denen, die vertragsgebunden sind. Und dann hängt es noch von den Marktgsegmenten ab. Bei den Nobelmarken machte sich die Prämie so gut wie nicht bemerkbar. Bei den kleinen Autos teilten sich die Italiener, die Japaner und Deutschen das Geschäft.

Droht denen nach dem Boom das Aus?

Schöter: Mit Sicherheit wird es eine Durststrecke geben. Der Staat förderte mit der Prämie Kaufentscheidungen, die vielleicht erst 2010 oder 2011 gefallen wären. Durch die Neuanschaffungen und Garantieleistungen gehen die Aufträge bei den freien Werkstätten mit Sicherheit zurück.

2010 treten Sie nach 30 Jahren Geschäftsführung in den Ruhestand. Wie geht es Ihnen beim Gedanken an den Abschied vom Handwerks-Management.

Schöter: Ich sehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge meiner Rente entgegen. Mit Sicherheit fehlen wird mir die Zusammenarbeit mit allen Gremien des Kreises. ZUR PERSON

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