Sinkende Zahlen bei Autos – Anstieg bei Fahrrädern

Verkehrsstatistik 2020: Deutlich weniger Unfälle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Bei Eis- und Schneeglätte sind Unfälle besonders schnell passiert: Unser
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Bei Eis- und Schneeglätte sind Unfälle besonders schnell passiert: Unser

Die Anzahl der registrierten Verkehrsunfälle im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist laut Polizei im dritten Jahr in Folge deutlich gesunken.

Hersfeld-Rotenburg – Gute Zahlen für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg bei der Unfallstatistik für das Jahr 2020: Die Anzahl der registrierten Verkehrsunfälle im Kreis ist laut Polizei im dritten Jahr in Folge deutlich gesunken. Mit insgesamt 2163 polizeilich aufgenommenen Unfällen im Jahr 2020 waren es genau 706 oder 25 Prozent weniger als noch im Jahr 2017.

Im Vergleich zum Jahr 2019 beträgt die Differenz 502 Verkehrsunfälle, was einem Rückgang von 19 Prozent entspricht. Hierbei waren im Kreisteil Bad Hersfeld die Zahlen mit 23 Prozent auf nunmehr 1414 Unfälle deutlich stärker rückläufig als im Kreisteil Rotenburg, in dem die Gesamtunfälle gegenüber dem Vorjahr nur um zehn Prozent auf 749 sanken.

„Als Ursache hierfür sind insbesondere die veränderten Lebens- und Verkehrsgewohnheiten aufgrund der Corona-Pandemie zu vermuten. Dies macht sich offenbar in dem üblicherweise höher belasteten Verkehrsnetz im Bereich des Mittelzentrums Bad Hersfeld stärker bemerkbar als im übrigen Kreisgebiet“, berichtet der Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg, Kriminaldirektor Christian Golomb.

Unfälle mit Verletzten

Während im Jahr 2019 noch 468 Verkehrsteilnehmer verunglückten, ging die Zahl derer, die im Jahr 2020 einen Personenschaden erlitten, auf 373 zurück. Dies entspricht einem Rückgang um 20 Prozent. Im Jahr 2020 ereignete sich ein Unfall, bei dem eine Person verstarb. Noch ein Jahr zuvor wurden bei acht Unfällen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg acht Personen tödlich verletzt. In der Risikogruppe junger Verkehrsteilnehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren ist die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten erneut leicht auf nun neun Unfälle – 2019 waren es elf – zurückgegangen. Die Gesamtunfallzahl mit Beteiligung dieser Altersgruppe sank gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 430. Ein merklich stärkerer Rückgang ist bei den Beteiligten der Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren zu verzeichnen. Dort sank die Anzahl der Gesamtunfälle um 21 Prozent auf 229, bei der Altersgruppe „75 plus“ waren es sogar 27 Prozent. Der Anteil mit Personenschaden verringerte sich in beiden Altersgruppen deutlich und lag bei jeweils etwa 17 Prozent.

Fahrradunfälle

Einen deutlichen Anstieg von 26 Prozent hat die Polizei 2020 bei den Unfällen mit Fahrrädern registriert. Die Zahl stieg, vermutlich infolge eines unter anderem pandemiebedingt geänderten Verkehrsverhaltens auf 58 Unfälle an. An 23 Unfällen waren Fußgänger beteiligt, 26 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch die Anzahl der Unfälle mit Pedelecs stieg von 16 im Jahr 2019 auf 18 in 2020, liegt jedoch in Anbetracht des Zuspruchs, den E-Bikes in den vergangenen Jahren erfahren haben, immer noch auf niedrigem Niveau.

Motorradunfälle

Bei den Unfällen mit motorisierten Zweirädern ist wiederum ein Rückgang zu verzeichnen. Nach 73 Verkehrsunfällen im Jahr 2019 sank die Anzahl um 23 Prozent auf 56 im Jahr 2020.

Unfälle mit Lastwagen

Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird durchkreuzt von fünf Bundesstraßen. Verkehrsgünstig in der Mitte Deutschlands gelegen, haben sich zahlreiche Logistikunternehmen angesiedelt. Der Schwerlastverkehr nimmt demzufolge einen beträchtlichen Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen ein. An 13 Prozent aller aufgenommenen Verkehrsunfälle waren LKW beteiligt. Gegenüber 2019 mit noch 390 Unfällen war diese Verkehrsart im Jahr 2020 in 283 Verkehrsunfälle verwickelt.

Verkehrsunfallfluchten

Im Jahr 2020 gab es im Landkreis 533 Unfälle, bei denen sich der Verursacher unerlaubt von der Unfallstelle entfernt hat. Als Erfolg ihrer Ermittlungsarbeit verbucht die Polizei die Steigerung der Aufklärungsquote bei Unfallfluchten von 37 auf nun 42 Prozent.

Wildunfälle

Nach dem außergewöhnlich hohen Aufkommen mit 763 Wildunfällen im Jahr 2017 sank die Unfallzahl in 2020 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 653. In den meisten Fällen war hierbei Rehwild beteiligt.

Unfallursachen

Analysiert man die Hauptunfallursachen schwerer Unfälle mit verletzten oder getöteten Personen, so sind in 2020 – wie auch schon in den Jahren zuvor – Missachtung der Vorfahrt, nicht angepasste Geschwindigkeit sowie ungenügender Sicherheitsabstand festzustellen. Allein diese drei Kategorien sind verantwortlich für über 60 Prozent der Unfälle. Die Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg will auch weiterhin kontinuierlich die Unfalllage sowie das Verkehrswegenetz zur Verhinderung von Unfällen und zur Beseitigung von Gefahrenstellen analysieren und gemeinsam mit den Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörden Lösungen zur Unfallvermeidung erarbeiten. „Auch wenn die Fahrzeuge durch zahlreiche Fahrerassistenzsysteme und passiven Unfallschutz immer sicherer werden, bleibt infolge der zunehmenden Verkehrsdichte auf unseren Straßen der altbekannte Grundsatz zur ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksicht aktueller denn je“, sagt der Leiter der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg.

Aufgrund der pandemiebedingten Veränderungen sei das Jahr 2020 sicher keines wie alle anderen gewesen – gleichwohl habe die Polizei im Landkreis auch in diesem besonderen Jahr durch gezielte Verkehrskontrollen im Rahmen von regionalen, aber auch länderübergreifenden Schwerpunktaktionen sowie durch vielfältige präventive Veranstaltungen zur Steigerung der Verkehrssicherheit beigetragen, ergänzt Golomb.

Drogenkontrollen

Bei der Senkung der Unfallrate habe auch geholfen, dass die Polizei 2020 ein besonderes Augenmerk auf Alkohol-und Drogendelikte im Straßenverkehr gehabt habe. Nachdem in dem Vergleichszeitraum von zehn Jahren seit 2010 durchschnittlich jeweils 70 Verkehrsunfälle unter Alkohol- und/oder Drogeneinwirkung aufgenommen werden mussten, wollte die Polizei diese Zahl 2020 deutlich zu senken. Verstärkte Kontrollen in Verbindung mit Schulungen der Polizeibeamten führten dazu, dass bei 64 gezielten Alkohol- und Drogenkontrollen im Jahr 2020 23 berauschten Fahrer aus dem Verkehr gezogen wurden, bevor ein Unfall passieren konnte. Gegen 154 Fahrer wurden Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, weil sie bei der allgemeinen Verkehrsüberwachung alkohol- oder drogenbedingt auffällig waren.

Kontrollen und Schulungen haben laut Polizei zum Erfolg geführt: Im Jahr 2020 ereigneten sich nur 46 Unfälle unter Alkoholeinfluss, vier unter Einwirkung von Drogen und drei Unfälle infolge einer Kombination aus beidem. Hierbei wurden vier Personen schwer und 17 leicht verletzt. Die Polizei werde auch im Jahr 2021 diese Kontrollen fortsetzen und weiter intensivieren, kündigt Golomb an.

„Neben Kontrollmaßnahmen setzen wir auf unsere Präventionsarbeit“, sagt Günther Voß, Präsident des Polizeipräsidiums Osthessen. Jeder verhinderte Verkehrsunfall sei ein Erfolg – jeder Unfall mit schweren Folgen ist einer zu viel, erklärt der Polizeipräsident. (Peter Gottbehüt)

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