Auf dem Weg zur Europameisterschaft

Rasenbowling-Nationalmannschaft stärkte sich in Weißenhasel

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Ehrliches Sportlerfrühstück: Mirko Limmer (von links), Annett Limmer, Jana Zapp und Ulf Schädel vertreten Deutschland bei der Rasenbowling-Europameisterschaft. Auf dem Weg zum Turnier stärkte sich die deutsche Nationalmannschaft im Hotel Johanneshof in Weißenhasel. Ihre Bowlingkugeln haben es leider nicht aufs Foto geschafft – weil sie ganz weit hinten im pickepackevollen Kofferraum ihres Autos waren. 

Eine ganz besondere Nationalmannschaft war am Freitag zu Gast im Nentershäuser Ortsteil Weißenhasel - auf dem Weg zur EM auf der britischen Kanalinsel Guernseys.  

Eine deutsche Nationalmannschaft am Frühstückstisch – das erlebt das Team des Hotel-Restaurants Johanneshof in Weißenhasel auch nicht alle Tage. Doch sie haben sich den Johanneshof, der seit 300 Jahren im Besitz der Familie Wagner ist, genau dafür ausgesucht: Mirko Limmer, Annett Limmer, Jana Zapp und Ulf Schädel.

Noch nie gehört? Gut möglich, denn das Quartett ist eine ganz besondere Nationalmannschaft – im Rasen-Bowling. Sie kommen aus Löbichau, einer 1000-Seelengemeinde in Ostthüringen. Löbichau ist die Hochburg der deutschen Rasenbowler. Viele Spieler aus der Region kommen in den kleinen Ort, der zwischen Jena und Chemnitz liegt, um 1,6 Kilogramm schwere Kugeln über einen Rasenplatz zu rollen. Schließlich ist der SV Löbichau deutschlandweit der einzige Verein mit einer Rasenbowling-Sparte – und deswegen qualifiziert sich die sogenannte Bowls-Sektion jedes Jahr automatisch für eine Welt- oder Europameisterschaft.

In diesem Jahr vertreten also Jana Zapp, Ulf Schädel, Annett und Mirko Limmer die Bundesrepublik bei der Rasenbowling-EM in Saint Peter Port auf der Kanalinsel Guernsey (Ärmelkanal). Der internationale Wettbewerb startet am heutigen Samstag. Auf dem 1300 Kilometer langen Weg von Löbichau zum EM-Austragungsort legten die Nationalspieler also eine kurze Frühstückspause im Johanneshof ein. Annett und Mirko Limmer sind seit 25 Jahren mit Steffi König befreundet. Sie betreibt das Hotel mit ihrem Lebensgefährten Friedrich-Wilhelm Wagner.

Nicht auf dem letzten Platz landen

Große Gewinnchancen auf den Titel rechnen sich die vier Hobbysportler allerdings nicht aus. „Gegen die großen Nationen wie England oder Wales haben wir kaum eine Chance“, sagt Mirko Limmer an der reichlich gedeckten Frühstückstafel. Er nahm bereits fünfmal bei einer EM und viermal bei einer WM teil. Sein größter Erfolg war der fünfte Platz bei der WM 2014 in Wales im Männerdoppel mit seinem heutigen Teamkollegen. „Wir wollen nicht auf dem letzten Platz landen und die Favoriten ärgern“, sagt Jana Zapp.

Letzteres klappte zuletzt 2011 bei der EM in Portugal. Damals gelang dem deutschen Team mit einem Unentschieden gegen Wales eine kleine Sensation. „Nach dem Spiel gratulierte uns sogar der englische Trainer“, erinnert sich Mirko Limmer. Der Coach habe nur „brilliant, brilliant“ geschrien. Wales und England sind seit Jahren große Konkurrenten.

Selbst der Adel schiebt gerne eine ruhige Kugel: Beliebt ist Rasen-Bowling vor allem in Großbritannien. Unser Foto zeigt Prinz Charles bei einer Partie. Der Herzog von Cornwall steht allerdings nicht im Kader für die Europameisterschaft. 

Doch das Verhältnis zwischen vielen Nationalteams ist sehr positiv. „Mit den belgischen und niederländischen Spielern sind wir sehr gut befreundet. Denn auch die benachbarten Nationen stellen oft die gleichen Spieler. „Man kennt sich“, sagt Ulf Schädel. Die Freundschaft werde bei regelmäßigen Spaßturnieren gepflegt. Doch die vielen Reisen machen sich im Geldbeutel bemerkbar. Die Hobbysportler müssen fast alles aus eigener Tasche zahlen. Sponsoren finanzieren nur einen Bruchteil der Kosten. „Vom Deutschen Sportbund gibt es kein Geld“, sagt Mirko Limmer. Der Spaß sei trotz aller Kosten jeden Cent wert – vor allem, wenn man den großen Nationen ein Bein stellen kann. Gut gestärkt hat sich das deutsche Team auf dem Hinweg auf jeden Fall.

Sportart kommt aus Großbritannien

Rasenbowling ist ein britischer Kugelsport. Er wird auf einem 40 Meter mal 40 Meter großen Rasenspielfeld gespielt. Der erste Spieler platziert mit einem Wurf die Zielkugel (Jack). Im Anschluss versuchen die Teams, ihre Kugeln näher an die kleinere Zielkugel zu rollen als der Gegner. Gespielt wird im Einzel, Doppel, Trio oder Quartett. 

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