Band zur Vergangenheit

Deutsche aus Russland feierten in Bad Hersfeld Tag der Heimat

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Die Feiernden.

Zum Tag der Heimat hatte die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland am Samstag ins Bürgerhaus Hohe Luft nach Bad Hersfeld eingeladen.

Der bundesweite Gedenktag wird seit 1950 jährlich begangen. Die Auftaktveranstaltung gestaltet immer der Bund der Vertriebenen in Berlin.

Der Grund für den Tag sei das tragische Schicksal von Verlust der Heimat, Demütigung und Erniedrigung, existenziellem Bruch im Lebensalltag und tiefen Verletzungen der Seele, das Opfer von Flucht und Vertreibung, sagte Natalie Paschenko, Geschäftsführerin des Landesverbandes Hessen der Deutschen aus Russland.

Motto: "Menschenrechte und Verständigung - für Frieden in Europa"

Dieses unsichtbare Band aus der Vergangenheit sei so stark, dass man es nicht abstreifen könne, es verbinde, aber es schnüre auch wie eine Fessel ein. Das Motto des Gedenktages in diesem Jahr lautet „Menschenrechte und Verständigung – für Frieden in Europa“.

Eva Scharf, Vorsitzende der Kreisgruppe Bad Hersfeld-Rotenburg und Organisatorin des Nachmittages, begrüßte Landrat Dr. Michael Koch, Stadtrat Hans Georg Vierheller, Uwe Hassl, Bebraer Bürgermeister, sowie Gäste aus Frankfurt und Wiesbaden. „2019 fällt unser Blick auf Geschichte und Gegenwart“, sagte sie. „Für Frieden in Europa brauchen wir ein Europa der Menschenrechte auf der Basis von Verständigung der Staaten“, führte sie fort. Ihren Blick auf Europa lenkten auch die folgenden Redner.

Landrat Koch lobte die Europäische Union. Er skizzierte die Geschichte der Deutschen, die vor etwa 250 Jahren von der russischen Zarin Katharina II. nach Russland mit Versprechungen wie Sicherheit und Privilegien eingeladen wurden. Zum Dank hierfür hätten sich die Deutschen in der neuen Heimat mit hervorragenden Leistungen engagiert. In der Stalinzeit erlitten die Deutschen dann ein schweres Schicksal. Ein funktionierendes Miteinander bedeute, die Bräuche des Gastlandes aufzunehmen, ohne dabei seine Identität aufzugeben, meinte Koch.

Bräuche über Generationen bewahrt

Mit Küche, Kultur und Religion im Gepäck seien die Vorfahren nach Russland aufgebrochen, erzählte Tamara Roslik, Mitbegründerin der Kreisgruppe, die durch das Programm führte. Und mit diesem Gepäck seien sie wieder zurückgekommen, weil über Generationen hinweg die Bräuche bewahrt worden seien. „So sind wir wieder nach Hause gekommen“, stellte sie fest.

Vierheller und Hassl lobten die Arbeit des Landesverbandes und der Kreisgruppe. Sie hätten für das Selbstverständnis und zur Integration viel beigetragen. Werte wie Menschenrechte, Heimat und Verständigung würden durch sie immer wieder ins Bewusstsein gerückt. In einem rührenden Moment baten sie Roslik Anne Ekkert und Emma Heidt (beide über 90 Jahre alt) als Zeitzeuginnen nach vorne, um ihre Geschichten vorzutragen und ihnen Blumen zu überreichen.

Zum Programm gehörte eine Andacht von Waldemar Wink von der Christlichen Gemeinde Bad Hersfeld sowie eine von Sindy und Torben Wink und von Ludmila Heins „Liederkranz“ aus Kassel gestaltete, musikalische Reise durch die Geschichte. Luisa Peter, Daria Rusch und Regina Wiebe sorgten für die musikalische Umrahmung.

Es war eine bewegende und sehr herzliche Veranstaltung, der man mehr Gäste gewünscht hätte, um dieses herausragende Engagement zu würdigen.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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