Deutschland macht Inventur

Zensus 2022: Im Kreis Hersfeld-Rotenburg müssen 22.576 Menschen mitmachen

Symbolbild Kreis Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Das Landratsamt des Kreises Hersfeld-Rotenburg.

Im kommenden Jahr findet in Deutschland wieder eine Volkszählung statt. Aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg werden 22.576 Menschen beim Zensus 2022 mitmachen müssen.

Hersfeld-Rotenburg – Die Betroffenen sind vom Statistischen Landesamt per Stichprobe ermittelt worden. „Wer ausgewählt wurde, ist grundsätzlich zur Auskunft verpflichtet“, erklärt Markus Holle, der im Landratsamt für die Volkszählung zuständig ist und dort die Zensus-Erhebungsstelle leitet. Wer die Auskunft verweigert, riskiert ein Bußgeld.

Stichtag des Zensus ist der 15. Mai 2022. Mit der bundesweiten Befragung soll unter anderem ermittelt werden, wie viele Menschen aktuell in Deutschland leben, wo sie wohnen und arbeiten.

Obwohl der Zensus im Volksmund als Volkszählung bezeichnet wird, wird dafür nicht jeder Einwohner einzeln befragt. Bei der Erhebung kommt ein von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder registergestütztes Verfahren zum Einsatz. Viele Daten stammen aus Verwaltungsregistern, sind also schon vorhanden. Deshalb muss die Mehrheit der Bevölkerung selbst keine Auskunft geben. Bundesweit befragt werden 10,2 Millionen Menschen – im Schnitt jeder achte Bundesbürger.

Besucht und befragt werden die Ausgewählten von sogenannten Erhebungsbeauftragten. Kreisweit werden nach Angaben von Markus Holle etwa 150 Erhebungsbeauftragte benötigt. Es sei vorgesehen, dass ein Interviewer rund 100 auskunftspflichtige Bürger befragen soll. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen. Der Landkreis hat für den Zensus im Landratsamt eine mit drei Personen besetzte Erhebungsstelle eingerichtet.

Ursprünglich sollte der Zensus bereits 2021 stattfinden, wurde aber pandemiebedingt verschoben. Allein die Verschiebung kostet laut Städtetag 136,5 Millionen Euro. Die letzte echte Volkszählung, also die Vollerhebung der Bevölkerung, liegt schon über drei Jahrzehnte zurück. Sie fand 1987 in Westdeutschland (DDR: 1981) unter teils großen Protesten statt. Damals wurden alle Bürger befragt.

Was ist der Zensus überhaupt?

Der Zensus dient zur Ermittlung statistischer Daten über die Bevölkerung. Es sollen alle Einwohnerinnen und Einwohner zum Stichtag 15. Mai 2022 gezählt werden, erklärt das Statistische Bundesamt, das eine Infoseite unter zensus2022.de eingerichtet hat. Mit dem Zensus 2022 nimmt Deutschland an einer EU-weiten Zensusrunde teil, die seit 2011 alle zehn Jahre stattfinden soll. Wegen Corona wurde der Zensus ein Jahr verschoben. Volkszählungen als Vollerhebung aller Bürger fanden zuletzt 1987 – begleitet von Protesten – im früheren Bundesgebiet und 1981 in der damaligen DDR statt.

Warum sollen die Daten ermittelt werden?

Bund, Länder und Gemeinden sind bei ihren Planungen auf verlässliche Daten zu den Bevölkerungs- und Wohnungszahlen angewiesen. Die amtliche Einwohnerzahl ist laut Statistischem Bundesamt eine wichtige Grundlage für viele rechtliche Regelungen, etwa für die Einteilung der Wahlkreise, die Stimmenverteilung im Bundesrat sowie für Ausgleichszahlungen wie den Länderfinanzausgleich, den kommunalen Finanzausgleich sowie EU-Fördermittel. Diese werden alle pro Kopf berechnet.

Welche Ergebnisse sollen dabei geliefert werden?

Es sollen die aktuellen Bevölkerungszahlen, Daten zur Demografie (Alter, Geschlecht, Staatsbürgerschaft) sowie zur Wohn- und Wohnungssituation (etwa durchschnittliche Wohnraumgröße, Leerstand oder Eigentümerquote) erhoben werden.

Wie steht es um den Datenschutz?

„Die Daten werden nur anonymisiert ausgewertet“, sagt Markus Holle, Leiter der Erhebungsstelle im Landratsamt in Bad Hersfeld. Es gehe nicht darum, etwas über die individuellen Lebensverhältnisse oder Einstellungen zu erfahren. Statistik bedeute, dass Daten verallgemeinert und Durchschnitte berechnet werden – und eben nicht der Einzelfall dargestellt werde. Dies gewährleiste ein Geheimhaltungsverfahren, das übrigens so geheim ist, dass beispielsweise tatsächlich nur die extra für den Zensus geschulten und autorisierten Personen in die Erhebungsstelle im Landratsamt Zutritt haben. Die Sicherheitsanforderungen führen so weit, dass die drei Mitarbeiter in der Erhebungsstelle keinen Zugriff aufs normale Internet haben. „Wenn uns jemand eine E-Mail schreibt und wir auf „antworten“ klicken, müssen wir den Verlauf löschen“, erklärt Anja Kauffunger, die in Nicht-Zensus-Zeiten im Controlling arbeitet.

Wird für den Zensus jeder befragt?

Nein. Der Zensus nutzt als Basis bestehende Verwaltungsregister, vor allem Melderegister der Kommunen. Die Qualität der Daten soll dann dadurch verbessert werden, dass man Haushalte befragt, die in einer Stichprobe ausgewählt werden. Zudem gibt es eine Gebäude- und Wohnungszählung.

Wer soll auf jeden Fall Daten liefern?

Bewohner in Wohnheimen (etwa Studentenwohnheime) sind zur Auskunft verpflichtet. In Gemeinschaftsunterkünften (etwa Justizvollzugsanstalten, Krankenhäusern) ist die Einrichtungsleitung auskunftspflichtig. Bei der Zählung von Gebäuden und Wohnungen werden Eigentümer, Verwaltungen sowie sonstige Verfügungs- und Nutzungsberechtigte von Wohnraum befragt.

Wie erfahre ich, ob ich befragt werden soll?

Man muss sich nicht selbst zur Teilnahme am Zensus melden. Das Statistische Landesamt wendet sich postalisch an jeden, der an einer Befragung teilnehmen muss.

Vorab gibt es eine Vorbefragung zu Gebäuden und Wohnungen. Warum?

Die Vorbefragung 2021 zur Gebäude- und Wohnungszählung soll Fragen im Vorfeld klären und den Zensus 2022 erleichtern. Das Landesamt verschickt dabei an ausgewählte Personen ein Anschreiben mit Zugangsdaten für einen Online-Fragebogen, der ausgefüllt und elektronisch versendet werden soll.

Wie soll der eigentliche Zensus ablaufen?

In den Landkreisen und kreisfreien Städten werden Erhebungsstellen eingerichtet, die sich um die Anwerbung, Betreuung und Schulung von Erhebungsbeauftragten kümmern. Diese wiederum nehmen dann die Befragungen vor. Sie besuchen die ausgewählten Bürger und erfassen die Daten mit einem (Online-)Fragebogen. Ein Ausweis soll die Rechtmäßigkeit ihrer Arbeit bestätigen. Stichtag des Zensus ist der 15. Mai 2022.

Wann liegen die Ergebnisse vor?

Markus Holle und Anja Kauffunger gehen davon aus, dass spätestens Ende des kommenden Jahres der Zensus im Landkreis Hersfeld-Rotenburg abgeschlossen ist. „Sollte es zu Mahnverfahren kommen, weil jemand die Auskunft verweigert, kann sich das natürlich hinziehen.“ Die Veröffentlichung der Ergebnisse des Zensus 2022 ist für November 2023 geplant, heißt es vom Statistischen Bundesamt.

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