300 neue Arbeitsplätze

Frische-Logistik für Ludwigsau: Hoffnung auf Großansiedlung im Gewerbepark

Der Unternehmenspark aus der Luft: Auf der Gewerbefläche unterhalb von DHL (rechter Bildrand) sollen die neuen Hallen des Frische-Logistikers entstehen, oberhalb ist Platz für weitere Ansiedlungen.
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Der Unternehmenspark aus der Luft: Auf der Gewerbefläche unterhalb von DHL (rechter Bildrand) sollen die neuen Hallen des Frische-Logistikers entstehen, oberhalb ist Platz für weitere Ansiedlungen.

Nur wenige Wochen nach dem Scheitern der Ansiedlung des Elektro-Riesen Hager im Gewerbepark Bad Hersfeld-Ludwigsau wurde ein neuer Interessent präsentiert.

Ludwigsau – Ein namhaftes Unternehmen für Frischlogistik eine „klare Kaufabsicht“ für eine Fläche von gut 140 000 Quadratmetern angekündigt. „Diese Ansiedlung ist noch besser als Hager und wäre eine sehr gute Sache für den Gewerbepark und alle beteiligten Gesellschafter“, sagte Projektleiter Elmar Franke von der Hessischen Landgesellschaft (HLG), der das Vorhaben am Dienstag Gemeindevertretern in Ludwigsau vorstellte.

Der Name des Unternehmens wurde nicht genannt. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um ein Bad Hersfelder Unternehmen, das seit über 60 Jahren auf logistische Aufgaben im Bereich der Lebensmittellogistik in allen Temperaturzonen spezialisiert ist. Es gehört zu einer in Baden-Württemberg beheimateten Firmengruppe (3700 Mitarbeiter).

Franke sagte, geplant sei, auf der Gewerbefläche zwischen DHL und B 27 Hallen mit rund 70 000 Quadratmetern in hochwertiger Bauweise zu erstellen. Neben Lebensmitteln sollen auch medizinische Produkte und andere Konsumgüter umgeschlagen werden. Dafür sollen 300 neue Arbeitsplätze in kaufmännischen und gewerblichen Berufen sowie Ausbildungsplätze in logistischen Berufen entstehen. Auf dem Gelände sollen außerdem 28 Lkw- und 200 Pkw-Parkplätze entstehen. Die Gewerbesteuer werde vor Ort gezahlt. Davon profitieren neben Ludwigsau auch die Altgesellschafter Bad Hersfeld, Bebra, Rotenburg und der Kreis.

Franke erklärte, dass der Logistiker mit rund 130 bis 150 Lastwagenbewegungen täglich zwischen 6 und 22 Uhr plane. Eben das bereitet den Gemeindevertretern, die schnellstmöglich grünes Licht für die Ansiedlung geben sollen, Sorgen. Bereits jetzt sind speziell die Ortslagen Mecklar und Meckbach stark durch den Güterverkehr zu DHL und die damit einhergehende Verschmutzung durch parkende Lastwagen belastet. Allerdings kündigt der Investor ein Lärmschutzkonzept an. Franke sprach von „absolut verträglichem Verkehr.“

Gewerbegebiet mit wechselvoller Geschichte

Der Unternehmenspark Bad Hersfeld-Ludwigsau gilt als eine der letzten großen gewerblichen Flächen in Nordhessen. Trotzdem waren viele Ansiedlungsversuche nicht von Erfolg gekrönt. Der Bau einer Stabilatanlage scheiterte ebenso wie der Bau eines Dampfturbinenkraftwerks. Zuletzt hatte man sich Hoffnungen auf die Ansiedlung des Elektronikkonzerns Hager-Group gemacht, die allerdings wegen der finanziellen Unwägbarkeiten der Coronakrise scheiterte. 

Dicker Fisch am Meckbach

Es klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein: Nur wenige Wochen nach dem bitteren Aus der Ansiedlung des Elektro-Riesen Hager im darbenden Unternehmenspark Bad Hersfeld-Ludwigsau klopft ein neuer, seriöser Investor an die Tür der Hessischen Landgesellschaft (HLG) und der Wirtschaftsförderung. 300 neue Arbeitsplätze, Gewerbesteuer und Hallen in hochwertiger Bauweise kündigte Elmar Franke von der HLG an und strotze dabei vor Selbstbewusstsein. Mit dem Frische-Logistiker scheint endlich ein dicker Fisch für das Gewerbegebiet am Meckbach ins Netz gegangen zu sein.

Den Gemeindevertretern in Ludwigsau war bei der Präsentation des Projekts die Skepsis allerdings anzumerken. „Wir haben hier schon viele Luftschlösser zusammenbrechen sehen“, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Peter Schütrumpf (SPD) und pochte auf das vertraglich festgeschriebene „Vetorecht“ der Gemeinde. SPD-Fraktionschef Frank Sandrock, der selbst in Meckbach lebt, sagte angesichts der zu erwartenden über 37 000 Lkw-Bewegungen pro Jahr „schlagen zwei Herzen in meiner Brust“.

In Ludwigsau ist der Unmut über die Zustände rund um den Logistiker DHL groß. Die Gemeinde fürchtet eine weitere Lärm-, aber auch Schmutzbelastung durch die wartenden Trucker. „Wir sind bereits jetzt die Leidtragenden durch den vielen Verkehr“, erklärte Bürgermeister Wilfried Hagemann, der aber auch die Chancen der Ansiedlung lobte. Die Sorgen versuchte Elmar Franke zu zerstreuen. Anders als DHL schaffe der neue potenzielle Investor eigene Stellflächen für die Lastwagen, außerdem sollen Sozialräume mit Duschen, Toiletten und zur Verpflegung der Fernfahrer eingerichtet werden. Durch die Lage zwischen DHL und der Bundesstraße wäre zudem die Lärmemission in Richtung Mecklar und Meckbach deutlich reduziert, zumal auch Lärmschutzkonzepte vorlägen.

„Diese Ansiedlung ist noch viel besser als die der Hager-Group“, versichert Franke. Allerdings sei der Zeitdruck enorm groß. „So eine Hatz habe ich bei der HLG noch nicht erlebt, da ist richtig Druck auf dem Kessel.“ Getrieben von Corona sei die Nachfrage nach Gewerbeflächen derzeit riesengroß.

Wenn die Gemeindevertretung am kommenden Montag grünes Licht für die Ansiedlung gibt, könnten bereits im 1. Quartal 2021 die ersten Vorbereitungsarbeiten für den Bau beginnen. (Kai A. Struthoff)

So große Pläne: Elmar Franke (HLG) und Bürgermeister Wilfried Hagemann bei der Präsentation.

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